Guardiola beim FC Bayern Coup mit Signalwirkung

Der FC Bayern setzt ein Zeichen mit der Verpflichtung von Pep Guardiola: Der Verein hat sich gegen die Scheichs aus Manchester und Paris durchgesetzt. Ob Guardiola sportlich der Richtige ist, wird sich zeigen. Dass der Zeitpunkt nicht optimal war, lässt sich heute schon sagen.

Ein Kommentar von Thomas Kistner

Der FC Bayern setzt ein Zeichen mit der Verpflichtung des begehrtesten Vereinstrainers. In diesem zähen Ringen galt es ja, unter anderem Bewerber aus Manchester und Paris zu überflügeln. Die sind wegen diverser Scheichs aus Katar und Abu Dhabi für ihre bodenlosen Geldtöpfe berüchtigt. Der Transfer ist nun ein deutliches Signal an die internationale Fußballgemeinde: Seht her, deutsche Klubs sind angelangt auf der höchsten Ebene! Was ja rein sportlich schon im laufenden Bewerb der Champions League zu besichtigen ist; neben dem FC Bayern stehen Dortmund und Schalke im Achtelfinale.

Die Verpflichtung Josep Guardiolas verschafft nicht nur den Bayern, sondern auch der Bundesliga einen Imagezuwachs. Der steht ihr sicherlich zu, als halbwegs regulierter Spielbetrieb in einem global immer undurchsichtigeren Geschäft. Und legt man die branchenübliche Gepflogenheit zugrunde, dass Gehaltsversprechen für Leute der A-Klasse gern ins Obszöne abdriften, dürfte Guardiola mit dem FC Bayern nicht die pekuniär, sondern die für ihn sportlich attraktivste Entscheidung getroffen haben. Auch das ist ein gutes Zeichen.

Vorsichtiger fällt die sportliche Bewertung aus. Wird Guardiola, ein Urgewächs aus Barcelona, auch auf bayrischem Boden so fruchtbar gedeihen, wie das im Umfeld von Messi, Xavi, Iniesta funktionierte? Zum anderen halst sich der Rekordmeister gleich eine doppelte Kulturwende auf. Sportdirektor Matthias Sammer ist ja geholt worden, um den Ballbetrieb von Grund auf zu sanieren, vom Jugendbereich bis zu den Profis. Am Ende soll ein Gesamtprodukt mit eigener Handschrift stehen, so etwas wie eine neue Bayern-Schule. Guardiola kann die Barcelona-Schule. Kann er deshalb auch Bayern? Wie wird der neue Cheftrainer ins Zukunftsprojekt einbezogen - oder wird Sammer in Guardiolas System einen Platz finden müssen?

Dann ist da noch Jupp Heynckes, der sein Team in allen drei Bewerben auf Titelkurs gebracht hat. Dass Heynckes den Transfer anstieß, darf bezweifelt werden. Zumal die Bayern den Coup ja noch Am Dienstag als "Unsinn" abtaten - sie wollten wohl nicht das verkünden, was sie lieber hinausschieben wollten. Guardiolas Transfer war gewiss klar, so einen holt man nicht im Hauruckverfahren. Ungeklärt war zuletzt also wohl nur noch die Frage: Wie sagen wir's dem Noch-Trainer? Auch Sammers Verpflichtung steht für große Umbaupläne, in die überraschend das stabile sportliche Hoch einbrach. So blieb Sammer im Rausch der jüngsten Heynckes-Erfolge nur die Rolle als Euphorie-Bremser. Für solche Jobs ist ein Kreativer wie er zu schade.

Die Bayern müssen jetzt hoffen, dass der frühe Transfer und die Art seines Zustandekommens nicht noch ein Thema werden, sollte es in nächster Zeit weniger rund laufen als bisher. Ob Guardiola der Richtige ist, wird sich zeigen. Dass der Zeitpunkt der Verpflichtung nicht optimal war, lässt sich heute schon sagen.