Großer Preis von Bahrain Die Formel 1 hat nichts dazugelernt

Am 6. April wurde dieses Graffiti in der Hauptstadt Bahrains, Manama, fotografiert. Es ruft zum Boykott des Rennens auf.

(Foto: dpa)

Vor einem Jahr erntete die Formel 1 Kritik und Häme, weil sie unbeeindruckt von den Problemen und Unruhen im Königreich Bahrain ihr Rennen durchzog. So kommt es jetzt erneut. Dabei darf man erwarten, dass sich alle Beteiligten der schwierigen Lage bewusst sind - und sich nicht nur für die Gage interessieren.

Ein Kommentar von René Hofmann

Für Talente, die eine Karriere im Profi-Sport anstreben, gilt eine Regel: Fehler können passieren. Aber sie sollten sich nie wiederholen. Wem zweimal das Gleiche misslingt, der zeigt, dass er nur bedingt lernfähig ist.

Im vergangenen Jahr hat die Formel 1 einen Fehler gemacht: Unbeeindruckt von den innenpolitischen Unruhen trat sie ungerührt im Königreich Bahrain an. Keiner der Protagonisten fand damals ein angemessenes Wort für die Situation in dem Land, in dem die schiitische Bevölkerungsmehrheit seit Jahrzehnten von den sunnitischen Herrschern kurzgehalten wird und es seit 2011 immer wieder Proteste gibt, die zum Teil blutig niedergeschlagen werden.

Schlimmer noch: Etliche Führungsfiguren der Rennserie benahmen sich richtig daneben. Promoter Bernie Ecclestone erklärte, in den USA gebe es doch auch ständig Machtgerangel. Weltmeister Sebastian Vettel tat sich zum Start ins Grand-Prix-Wochenende mit der Meinung hervor, es sei nun an der Zeit, sich wieder wirklich Wichtigem zuzuwenden - "Reifentemperaturen zum Beispiel". In der Folge erntete der Sport: Kritik, Häme, Unverständnis. So kommt es jetzt erneut.

An diesem Wochenende steht der Große Preis von Bahrain wieder an. An den Rahmenbedingungen hat sich nichts geändert. Die Demokratiebewegung in Bahrain ist nicht wirklich vorangekommen. Die Berichte über Menschenrechtsverletzungen halten an. Das Rennen ist weiter in den Händen des Herrscher-Clans, der sich entschlossen an die Macht klammert und das einzige Sportereignis von internationalem Rang des Landes nutzt, um der Welt seine anhaltende Potenz zu demonstrieren.

Selbst wenn es keine unmittelbare Proteste gegen die Formel 1 geben sollte - die Serie kann in dieser Konstellation nur verlieren. Sie wird auch dieses Mal Kritik und Unverständnis ernten, weil es ihre Anführer auch in den vergangenen zwölf Monaten nicht hinbekommen haben, einen adäquaten Umgang mit den problematischen Gastgebern einzuüben.

Dass die Formel 1 einen Bogen um das Land schlagen soll, ist eine idealistische Forderung. Es gibt gültige Verträge und 2012 ging das Rennen ohne Störungen über die Bühne. Was von allen Beteiligten an der Formel 1 aber erwartet werden darf: dass sie zeigen, dass ihnen die schwierige Lage in dem Land bewusst ist. Dass sie sich nicht nur für die Gage interessieren. In der Formel 1 treten nicht nur unbedarfte Sportler an, auf der Bühne tummeln sich echte globale Schwergewichte: Konzerne, von denen sich nicht wenige inzwischen ganze Abteilungen leisten, die über Compliance und Ehrenkodizes wachen. Es gibt viele Akteure, die sich vorwerfen lassen müssen, nichts gelernt zu haben.