Von Jürgen Schmieder, Salzburg

Die griechische Nationalelf spielt angriffslustiger als zuletzt und erarbeitet sich zahlreiche Torchancen. Doch sie scheitert am russischen Kombinationsfußball und verliert 0:1.

Otto Rehhagel warnte bereits einen Tag vor dem Spiel: "Die russischen Spieler sind technisch perfekt, sie können unglaublich kombinieren." Der Trainer der Griechen sollte Recht behalten, aber dass es eine derart technisch perfekte Torvorlage geben würde in diesem Spiel, dürfte selbst den 69-jährigen Coach überrascht haben. Nach einer missglückten Flanke irrte Griechenlands Torhüter Nikopolidis durch den Strafraum, als würde er einem Hühnchen hinterhereilen. Sergej Semak legte sich in die Luft und spielte den Ball per Fallrückzieher gefühlvoll zurück in den Fünf-Meter-Raum. Dort wartete Konstantin Syrjanow und drückte den Ball über die Linie.

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Alle Anfeuerung ist vergebens: Rehhagels Griechen sind ausgeschieden. (© Foto: AP)

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Es war der Siegtreffer in diesem Spiel und eine passende Pointe zur beeindruckend ballsicheren und kombinationsstarken Vorstellung der russischen Elf, die sich nun am Dienstag mit den Schweden zu einem Endspiel in Innsbruck trifft.

Guus Hiddink hatte die Partie gegen Griechenland bereits 24 Stunden zuvor zum Tag der Wahrheit ausgelobt: "Beim Spiel Spanien gegen Schweden wird ja etwas passieren - und diesem Ergebnis entsprechend werden wir uns auch verhalten", sagte der Trainer der russischen Nationalelf. Villas später Siegtreffer für Spanien eröffnete in der Tat eine interessante Konstellation: Die russische Elf konnte mit einem Sieg Spanien zum Gruppensieger befördern und sich selbst eine Entscheidungspartie gegen Schweden erspielen. Für die Griechen bedeutete das Ergebnis, dass sie bei einer Niederlage keine Chance mehr auf das Erreichen des Viertelfinales hätten.

Um das zu verhindern, stellte Trainer Otto Rehhagel seine Mannschaft um. Er kehrte vom 7-0-3-System zurück zur erfolgreichen 4-3-3-Formation aus der EM-Qualifikation, er nahm Theofanis Gekas, Paraskevas Antzas und Georgios Karagounis aus der Mannschaft und ersetzte sie durch Christos Patsatzoglou, Nikos Liberopoulos und Ioannis Amanatidis. Der hatte nach dem Spiel gegen Schweden noch Kritik geübt an der Spielweise: "Nur mit diesen langen Bällen, das ist zu einfach." Diese Bälle brachten während des ersten Spiels eher die Zuschauer in den unteren Rängen in Gefahr als das schwedische Tor.

6,21 Kilometer in einer Hälfte

Diesmal versuchte sich die griechische Elf mit kürzeren Pässen und hatte so in den ersten zehn Minuten mehr gelungene Offensivaktionen als im gesamten ersten Spiel zusammen. Der Offensivdrang zeigte sich daran, dass Innenverteidiger Dellas in der dritten Spielminute seinen Schienbeinschoner verlor - 20 Meter tief in der gegnerischen Spielhälfte. Die russische Mannschaft kombinierte zunächst sicher in der Verteidigung, was die griechischen Anhänger mit Buhrufen quittierten - eine ironische Antwort auf die Pfiffe der schwedischen Anhänger beim Dauer-Ballgeschiebe der Griechen am vergangenen Dienstag.

Nach zehn Minuten begann sich der russische Kombinationsfußball in die gegnerische Hälfte zu verlagern, vor allem über die Außenspieler Biljaletdinow und Torbinskij, dessen Laufdistanz allein in der ersten Halbzeit 6,21 Kilometer betrug. Sein Schuss in der zehnten Spielminute traf noch den oberen Stadionring, den Schlenzer von Pawljutschenko konnte Nikopolidis mit einer Extrem-Streckung zur Ecke klären, Schirkow zielte mit einem Volleyschuss knapp vorbei (16.). Es war kein gutes, aber immerhin schnell geführtes Fußballspiel, weil das griechische Team nicht nur nicht verlieren, sondern gewinnen wollte. Charisteas verpasste eine Flanke von Basinas knapp (20.), der Russe Ignaschewitsch drückte den Ball fast ins eigene Tor.

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