Golf Tiger Woods: Rätselraten um seine Zukunft

144th Open Championship - Day One ST ANDREWS, SCOTLAND - JULY 16: Tiger Woods of the United States reacts as he walks off the 18th green during the first round of the 144th Open Championship at The Old Course on July 16, 2015 in St Andrews, Scotland. (Photo by Streeter Lecka/Getty Images)

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  • Innerhalb von 21 Monaten musste sich Tiger Woods dreimal am Rücken operieren lassen.
  • Um den Zustand und die Zukunft des einst weltbesten Golfprofis kursieren eigenartige Debatten.
Analyse von Gerald Kleffmann

Joe LaCava hat zurzeit nichts zu tun, er schlägt viel Zeit tot, und doch ist er nicht unzufrieden. Erstens hat er zwei Kinder, um die er sich kümmern kann. Und zweitens hat Joe LaCava, der wirklich heißt wie ein Detektiv aus einem US-Groschenroman, einen spannenden Job, auf den er stolz ist und auf den er gerne wartet.

Er ist seit 2011 der Caddie von Tiger Woods. Gewöhnlich trägt er die Tasche mit den Schlägern des einst weltbesten Golfers, berät ihn auf den Runden und verdient gut. Doch seit Monaten ist Woods, 40, außer Gefecht, er war verletzt, wurde mehrmals operiert. Natürlich erhielt der angesehene LaCava Angebote zur Überbrückung der beruflichen Auszeit. "Es fragt ständig jemand an, eine Menge Leute haben sich gemeldet", verriet der 52-Jährige dem US-Sender ESPN: "Ich nenne keine Namen, aber ich lehne jedes Mal höflich ab. Ich habe allen gesagt, dass ich derzeit ausschließlich für Tiger arbeiten möchte."

Tiger Woods: Einmal Fixstern und zurück

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Einerseits ist diese Haltung verständlich, denn Woods schätzt Loyalität. LaCavas berühmter Vorgänger Steve Williams aus Neuseeland musste gehen, weil er unter anderem fremd ging als Caddie. Andererseits ist LaCavas Konsequenz erstaunlich, denn wie es aussieht, ist ja unklar, ob und wann Woods zurückkehrt. Ob er je zurückkehrt? Ein Internetbeitrag nun reichte, um diese Frage zu schlussfolgern.

Tiger Woods wird in die Geschichte des globalen Profisports eingehen

Der renommierte, gut vernetzte US-Golf-Journalist Robert Lusetich schrieb zu Wochenbeginn nur ein paar Sätze: "Mir wurde gesagt, der Zustand von Tiger Woods hat sich verschlechtert. Er kann sich schlecht bewegen. Hat Schmerzen beim Sitzen. Muss im Auto den Sitz komplett zurückklappen. Rückkehr nicht vorhersehbar. Traurig." Das reichte für ein Beben. Längst ist ohnehin klar: Der Tag, an dem der 14-malige Majorsieger aufhören wird - er, der erste Sportmilliardär, der Athlet aus Kalifornien, der seine Disziplin und das Marketing veränderte wie nur wenige vor ihm -, wird in die Geschichte des globalen Profisports eingehen.

Naht dieser Tag etwa schon 2016? Der Eintrag von Lusetich jedenfalls machte rasch die Runde durch soziale Medien und Zeitungen, wurde nicht als Hirngespinst abgetan. Wie sensibel das Thema für manche ist, verdeutlichte eine Reaktion - die des Managers von Woods. Normalerweise winkt Mark Steinberg fast alles durch, was Gerüchte zu seinem Mandanten betreffen. Er könnte jede Woche etwas richtigstellen.

Am Mittwoch schritt der gewiefte Steinberg ein. "Die Tweets, die in dieser Woche über Tigers Gesundheitszustand aufgetaucht sind, sind lächerlich und absolut falsch", zeterte der 50-Jährige. "Es ist inakzeptabel, dass alle paar Monate jemand irgendetwas erfindet und das dann wie eine wahre Geschichte behandelt wird. Tiger arbeitet weiter an seiner Rückkehr, und wir werden zu gegebener Zeit ein angemessenes Statement abgeben."