golf spielen Gebührenordnung

Zwischen 20 und 130 Euro kostet eine Runde Golf in Deutschland. Hier steht, woher die Unterschiede kommen

Der Satz "Golf spielen ist teuer" war früher kein Vorurteil, sondern die schlichte Wahrheit. Zumindest in Deutschland. Doch die Zeiten, in denen es wenige Privatclubs mit langen Wartelisten gab, sind endgültig vorbei. Heute hat ein Spieler die Wahl zwischen 681 Golfanlagen - und viele suchen Mitglieder. Auch deshalb sind viele Greenfees so preisgünstig wie nie.

"Das Greenfee ist für uns auch ein Marketinginstrument, um Spieler anzuziehen", gibt Vivian Baumgarten vom Golfpark Idstein nördlich von Wiesbaden zu, dessen neuer Nordkurs zu den günstigsten 18-Loch-Plätzen Deutschlands gehört: Wer wochentags spielen will, zahlt nur 20 Euro, muss allerdings in Sachen Infrastruktur ein paar Nachteile in Kauf nehmen, da es noch kein richtiges Clubhaus gibt. Ähnliche kleine Haken verbergen sich hinter vielen niedrigen Spielgebühren: So sind günstige Clubs häufig weiter entfernt von Ballungsgebieten - und meist angewiesen auf Greenfeespieler. Wer da zu teuer ist, dem bleiben die Gäste weg. Diese Erfahrung hat Jürgen Reichert gemacht, Betreiber des hessischen GC Eschenrod. Als das Greenfee noch teurer war, sei rund ein Drittel weniger Gastspieler gekommen, sagt er. Mit den 20 Euro wochentags "machen wir den Leuten die Entscheidung leichter, 70 Kilometer von Frankfurt bis zu uns zu fahren.

" Dass Spieler allein wegen eines niedrigen Greenfees weite Wege auf sich nehmen, zeigte sich im vergangenen Jahr im fränkischen Golfclub Hassberge. Nur zehn Euro verlangte man dort für eine Werktags-Runde, "aufgrund des noch nicht perfekten Zustands des Platzes". Der war erst im Frühjahr eröffnet worden und hatte unter der extremen Hitze des Sommers gelitten. "Dennoch sind sehr viele Spieler gleich gruppenweise von weit her gekommen", schildert Barbara Keidel vom Club-Vorstand. Überhaupt ist die Region Franken ein Beispiel dafür, wie sich auch regionale Unterschiede im Preis niederschlagen. Nicht ohne Grund findet man allein drei der zehn günstigsten Clubs in Deutschland im Fränkischen. "Wir liegen eben im Hinterland und können uns nicht mit Großstädten vergleichen", erklärt Monika Mazza vom GC Main- Spessart dessen Preispolitik. "Wir glauben nicht, dass wir mit höherem Greenfee mehr Geld einnehmen würden." Die angespannte Wirtschaftslage macht sich ebenfalls bemerkbar. "Wir sind zwar als eingetragener Verein nicht auf Gewinnmaximierung aus", sagt Claus Bechmann, Clubmanager im GC Ingolstadt. "Doch im Moment ist auch nicht die richtige Zeit für Preiserhöhungen." So bietet Ingolstadt mit 30 Euro wochentags eines der günstigsten Greenfees in Bayern.

Je weiter man jedoch nach Süden kommt, desto höher wird die Spielgebühr. Südlich von München sammeln sich gar die Hälfte der zehn teuersten Greenfee-Clubs Deutschlands. Bayerische Spitze bildet der GC München-Riedhof, der seit dieser Saison unter der Woche 95 Euro für das Bespielen seiner Fairways verlangt - immerhin als Tagesgreenfee. Den hohen Preis begründet Clubmanager Helmut di Bernardo mit der intensiven Platzpflege: "Wir machen sehr viel manuell und haben eine komplette Fairway- Bewässerung." Das führte dazu, dass die Spielbahnen im vergangenen Jahrhundertsommer grün blieben, während in den Golfclubs der Umgebung alles vertrocknete. "Da sind fast 50 Prozent mehr Greenfeespieler gekommen", sagt di Bernardo. Schließlich schätzten Gäste auch den Service, der "mit amerikanischen Privatclubs vergleichbar ist", betont di Bernardo. Dazu gehören Ranger, kalte Tücher und Getränkeservice auf der Runde genauso wie der Caddiemaster, der sich hinterher um Schuhe und Schläger kümmert. "Für all das würden viele unserer Gäste auch hundert Euro zahlen", ist di Bernardo sicher. Ganz so nobel geht es im Münchener Golfclub in Straßlach, nur wenige Kilometer südlich der Münchener Stadtgrenze, nicht zu. Die 65 Euro wochentags sind auch deutlich moderater. Dennoch ist der Traditionsclub - er ist der älteste Bayerns - sehr beliebt. "Wir haben 1.700 Mitglieder, dazu 142 Turniere im Jahr und sind aufgrund der Stadtnähe auch bei Gästen sehr beliebt", erklärt Golfmanager Charly Kramer. "Daher müssen wir die Besucherzahl steuern." Und das macht er übers Greenfee. Ein probates Mittel in allen deutschen Clubs, die sich "mitgliederorientiert" nennen: Häufig Traditionsclubs mit hohen Beiträgen, deren Mitglieder es nicht akzeptieren würden, wegen Greenfeespielern Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen."Es ist uns wichtig, dass unsere 1.600 Mitglieder ohne Startzeiten spielen können", bestätigt Michael Siebold, Geschäftsführer des GLC Berlin- Wannsee. Der Club habe vor dem Mauerfall eine Art Monopolstellung eingenommen und viele Interessenten abweisen müssen. Daher begrüßt Siebold, "dass so viele neue Clubs in der Umgebung entstanden sind." Die neuen Clubs sind es auch, die die Spitze der Greenfee- Preise in Deutschland anführen - und sie liegen nicht einmal in Bayern. 120 Euro zahlt, wer auf dem Nick-Faldo- Platz des Sporting Club Berlin abschlägt. Südöstlich von Berlin hat der englische Profispieler 18 Löcher mit 133 Bunkern an den Scharmützelsee gezeichnet, die es in sich haben. Sie sind nicht nur die teuersten 18 Löcher Deutschlands, sondern nach dem Ergebnis des Course Rating Systems des Deutschen Golf Verbandes auch die schwierigsten. Den Preis erklärt Jens-Dieter Ahrens, Golfmanager des Resorts in Bad Saarow, zu dem neben einem Fünf- Sterne-Hotel noch zwei weitere 18-Loch- und eine Neun- Loch-Anlage gehören, mit dem teuren Design und der aufwändigen Pflege. "Allein die Topfbunker müssen von Hand gepflegt werden." Außerdem wolle man die Greenfeespieler- Zahl mit dem Preis niedrig halten. "Jeder Spieler soll das Gefühl haben, dass er den Platz für sich allein hat." Wie viele Spieler dieses Gefühl im vergangenen Jahr genießen wollten, als das Greenfee noch 150 Euro betrug (allerdings inklusive Essen), wollte Ahrens jedoch nicht verraten. Dem neuen Besitzer des Resorts, der Arkona AG, schienen 120 Euro wohl angemessener.

Einen ähnlichen Preis, doch ein völlig anderes Konzept findet man im GC Gut Lärchenhof. Wer die 18 Bahnen vor den Toren Kölns spielen will, zahlt 90 Euro, am Wochenende 130. Ebenfalls von einer Golflegende entworfen, Jack Nicklaus, setzt man bei diesem Platz eher auf Privatclubatmosphäre. "Die Strategie war von Anfang an, eine Golfanlage für besondere Ansprüche zu machen", sagt Geschäftsführer Josef Spyth. Eine geschlossene Anlage mit Tor, ein Sterne-Restaurant und ein großes Greenkeeping- Team, das auch im Winter arbeite, erfüllten diese Ansprüche. Viele Greenfee-Spieler, so Spyth, seien Amerikaner und Asiaten, die weit höhere Preise gewöhnt seien und die den Platz durch das Profiturnier Linde German Masters kennen, das in Lärchenhof seine Heimat hat. Auch St. Leon-Rot verdankt seine Bekanntheit vor allem den Deutsche Bank-SAP Open. Um die beiden Plätze der Anlage das ganze Jahr über im Top-Zustand zu halten, seien mehr als 20 Greenkeeper mit der Pflege beschäftigt, sagt Clubmanager Rainer Gehring: "Wir haben mit die beste Platzqualität in Deutschland." Um den Standard halten zu können, habe man erst im vergangenen Winter noch einmal 450.000 Euro in die Beregnungsanlage investiert. Daher musste man das Greenfee für 2004 erhöhen. Allerdings sieht Gehring die Spielgebühr nicht als Abwehrmaßnahme. "Schließlich sind die Greenfee-Einnahmen eines unserer Standbeine. Rund ein Viertel der Spieler sind Gäste." Und die haben im vergangenen Jahr die Greenfee-Kassen mit immerhin rund 650.000 Euro gefüllt.

Von solchen Top-Anlagen mit Top-Preisen kann und muss man also höchste Qualität in allen Kategorien erwarten - der Umkehrschluss gilt allerdings nicht. Wer wenig Greenfee zahlt, spielt nicht automatisch auf einem schlechten Platz.

Angelika Rauw