Schummeln ist verboten und - leider - doch recht verbreitet.
Schummeln beim Golf ist streng verboten und außerdem total unehrenhaft. Dennoch kommt es immer wieder einmal vor. Ehrlich gesagt ist es ziemlich verbreitet, wenn Golfer auf ihren privaten Runden unterwegs sind und es um Getränke oder Abendessen, Geld oder Ehre geht. So manchem im Club eilt der Ruf voraus, ein großer Schummler zu sein. Der eine oder andere dieser Gattung hat deshalb schon den Club gewechselt, die meisten aber leben ungeniert damit. Vielleicht weil sie kein Unrechtsbewusstsein haben. Wir reden schließlich nicht von Leuten wie Goldfingers Caddie, der einen Ball durchs Hosenbein rollen lässt, um seinen Chef wieder ins Spiel zu bringen - was ihm gegen unseren verehrten Sportkameraden Sean Connery alias James Bond natürlich nichts geholfen hat. Nein, wir reden hier vom kleinen Schummel zwischendurch.
(© Illustration: Rita Berg)
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Unter uns gesagt: Es ist ja auch wirklich ärgerlich und irgendwie ungerecht, wenn der Ball mitten auf dem Fairway, aber in einem Divot zur Ruhe kommt. Das kann den ganzen Tag verderben. Ein winziger Schubser und schon sieht die Welt wieder schöner aus. Oder der Ball bleibt genau an der Rough-Kante liegen. Bekanntlich ist der Schlag von dort aus schwieriger als ein paar Zentimeterchen weiter und da lässt sich natürlich nachhelfen. Der Experte stellt sein Wägelchen als Sichtschutz vor den Ball, dann ein winziger Kick mit dem Leder-Wedge ... Leider nicht erlaubt, aber es erleichtert den nächsten Schlag ganz ungemein. Von Schottland-Reisenden weiß man, dass dort der eine oder andere den Ball aus dem Bunker per Hand herausbefördert hat. Es geht um diese furchterregenden, metertiefen Löcher, die über Leitern zum sturzfreien Ein- und Aussteigen verfügen. Hier handelt es sich aber um Verzweiflungstaten, die wir nicht ganz so ernst nehmen wollen. Übrigens, nur als Tipp: Man sollte ein wenig Sand zusammen mit dem Ball hinauswerfen, das sieht einfach überzeugender aus.
Was so mancher Amateur gar nicht als Schummelei anerkennt, das sind die kleinen Verbesserungen beim Identifizieren des Balles. Es gibt Golfkameraden, die grundsätzlich ihren Ball ausgiebig hin und her rollen, sogar aufheben und hochhalten, um dann nach dieser Intensiv-Identifizierung stolz in die Runde zu melden: Ja, es ist meiner. Der Ball liegt nach der Prozedur natürlich wie aufgeteet auf dem Gras und nicht mehr drin. Beliebt sind auch die Spaziergänge rund um den Ball, wenn dieser tief im Rough liegt. Der Spieler umkreist ihn mehrmals und sorgfältig, ändert des öfteren die Schlägerwahl, wandert schweren Schrittes zwischen Golftasche und Fundort hin und her. Irgendwann ist das Gras so zusammengetreten, als hätte dort gerade das Herbstfest der Volksmusik stattgefunden. Es versteht sich, dass sich der Schlag leichter ausführen lässt.
Nun ist es nicht so, dass bestimmte Berufsgruppen besonders anfällig für solche kleinen Schweinereien sind. Wenn Sie jetzt vermuten, es könnte sich vor allem um Fleischhändler, Siemens-Vorstände, Politiker, Journalisten und andere Gaukler handeln, dann würden wir dies als unfair betrachten. Nein, Sünder gibt es überall. Auffallend ist allerdings, dass unter ihnen nicht wenige Alpha-Männchen sind, gewohnt, die Oberhand zu behalten, und die auf dem Golfplatz nicht als Beta- oder gar Omega-Tierchen dastehen wollen. Psychologen reden von narzisstischer Kränkung, die sie zu diesen kleinen golferischen Straftaten verführt. Vielleicht ist es aber einfach nur menschlich.
Ein Mann hat seinen Ball in den Wald geschlagen, sein Mitspieler, der keine Lust hat, mit ins Unterholz zu kriechen, ruft ihm vom Fairway aus zu: Hast du deinen Ball gefunden? Ja, tönt es zurück. Kannst du ihn spielen, ruft der Mitspieler. Noch nicht, schreit der andere aus dem Wald. Tja, schönes Spiel noch den beiden. Golf ist es nicht.
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