Von Evelyn Roll

In Berlin ist Deutschlands ältester Golfclub zu Hause. Auch Bundespräsident Horst Köhler ist dem historischen Zauber des Wannsee-Clubs erlegen.

Wahrscheinlich gibt es ungefähr zehn Mal so viele Golfausreden, wie es Golfspieler auf der Welt gibt. Bundespräsident Horst Köhler hat zu Beginn der Saison bei seiner Neujahrsansprache im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee diesen mutmaßlich zehn Mal sechs Millionen Ausreden eine interessante Variante hinzugefügt. - Bandscheibenprobleme? Schwungumstellung? Neuer Großkopf-Driver und zu kurze Tees? Das alte Schlackerknie? Oder war einfach nur wieder einmal viel zu viel Schnee im letzten Winter zum Trainieren? - Nein: Gerhard Schröder ist Schuld.

(© Foto: G & IC Berlin-Wannsee)

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Dwight Eisenhower, der ein lausiger Hacker gewesen sein soll, hat einmal gesagt: "Mein Golfspiel wird erkennbar besser. Ich treffe zurzeit immer seltener die Zuschauer." John F. Kennedy spielte, als ihm keine guten Ausreden mehr einfielen, nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Seitdem gilt das Handicap des Präsidenten als Staatsgeheimnis, jedenfalls zu Amtszeiten. Bill Clinton - wie wir heute wissen, ein Single-Handicaper - hat es erklärt: Wenn das Handicap des Präsidenten hoch ist, denken die Wähler, nicht mal Golf spielen kann der Kerl. Ist es niedrig, sagen sie, der hat wohl nichts Wichtigeres zu tun als Golfen.

"Es gab kaum Lücken zum Spielen in meinem Dienstkalender", sagte Horst Köhler also am 21. Februar, "und wenn es durch großen Aufwand an Organisation und Disziplin doch mal eine Lücke gab, dann schlug mir der Bundeskanzler Gerhard Schröder vor, den Bundestag aufzulösen." Da haben die 600 Mitglieder, die zum Neujahrsempfang gekommen waren, sehr gelacht. Und stolz sind sie im Golfclub Wannsee sowieso. Mag ja sein, dass alle Präsidenten der Vereinigten Staaten seit Theodore Roosevelt Golf gespielt haben. Dafür sind alle Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, die überhaupt Golf gespielt haben, Mitglied im Golfclub Wannsee.Walter Scheel und Horst Köhler also. 1980, als die ersten German Open am Wannsee ausgetragen wurden, als die Berliner Arnold Palmer bestaunen durften und Tony Jacklin, Nick Faldo, Sandy Lyle und Greg Norman, waren Walter Scheel und Steve Ballesteros das Top-Team beim Pro-Am- Turnier. Den 23-jährigen Bernhard Langer, der mit einem bescheidenen 43. Rang zurück ins Clubhaus kam, beachtete damals ja noch keiner. Und Horst Köhler, der 2004 gemeinsam mit seiner Ehefrau Mitglied wurde, kommt, wenn er nicht gerade den Bundestag auflöst, meistens morgens schon sehr früh und fast ohne Bodyguard. Damit ihn keiner sieht.

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