Härtere Strafen für Fußball-Randalierer "Geredet ist genug"

Stadionverbote, Hausarrest, personalisierte Eintrittskarten: Nach den Ausschreitungen beim Revierderby zwischen Dortmund und Schalke fordern Innenminister und Polizeigewerkschafter ein entschlosseneres Handeln gegen Hooligans. Auf einer Sitzung diskutiert die Deutsche Fußball-Liga an diesem Montag über Mittel gegen die Gewalt - doch es gibt Streit über das neue Sicherheitskonzept.

Randale beim Revierderby zwischen Borussia Dortmund und FC Schalke 04.

(Foto: dpa)

Nach den schweren Ausschreitungen am Rande des Revierderbys zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 fordert die Polizei die Politik zum Eingreifen auf: "Strafen müssen spürbar und so nachhaltig sein, dass es zu abschreckender Wirkung kommt", sagte der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft NRW, Erich Rettinghaus.

Nötig seien "konsequent zu überwachende Stadionverbote bis hin zum Hausarrest, Ingewahrsamnahmen und zeitnahe harte Strafen für Gewalttäter und Randalierer." Wegen des hohen Personalaufwands bei Fußballspielen fordert der Gewerkschaftschef vom Deutschen-Fußball-Bund (DFB) und der Fußball-Liga (DFL) eine finanzielle Unterstützung für die Einsätze: "Wir bleiben dabei und fordern eine Sicherheitsgebühr des DFB und der DFL in Höhe von mindestens 50 Millionen Euro. Dafür bekommt mancher Verein gerade mal einen Spieler."

"Wenn die Politik nicht handelt, wird es genau so weitergehen", sagte Rettinghaus' Stellvertreter Arnold Plickert im Radiosender WDR 2. Laut Plickert gebe es etwa 4000 Hooligans und Ultras, die nicht mit der Polizei sprechen wollten. Gegen sie müssten nun andere Maßnahmen ergriffen werden. "Wir brauchen klare gesetzliche Regelungen, damit wir Bereichsbetretungsverbote und Meldeauflagen verhängen können", sagte Plickert. Zugleich forderte er spezielle Staatsanwälte. "Wir brauchen Fußball-Staatsanwälte, die das Geschäft und die gruppendynamischen Prozesse kennen."

Auch für Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) ist die Zeit für eine entschlossene Reaktion gekommen: "Die am Samstag gezeigte Form der Gewalt gegen Fans gegnerischer Mannschaften sowie auch gegen Polizeibeamte dürfen die Vereine und die Politik nicht länger hinnehmen. "Geredet ist nun genug. Jetzt müssen Taten folgen", sagte Caffier, der derzeit Chef der Innenministerkonferenz ist.

Die Stadion-Regeln sollten geändert und die Eintrittskarten personalisiert werden, forderte der Politiker. Vereine lehnten dies jedoch ab. "Der konsequente Ausschluss von gewaltbereiten Fans von Spielen zu Hause oder im Gaststadion ist für viele Fußballverantwortliche immer noch kein Thema", so Caffier.

Mehrere Vereine lehnen das Sicherheitskonzept des Ligaverbandes ab

Bei den Ausschreitungen rund um das Revierderby waren am Samstag acht Polizisten verletzt worden, etwa 200 Randalierer wurden festgenommen. Weil bereits im Vorhinein mit Auseinandersetzungen gerechnet worden war, waren mehr als 1000 Beamte zum Einsatz gekommen, etwa viermal so viele wie bei normalen Spielen in Dortmund.

Bei zahlreichen Festgenommenen hatten die Einsatzkräfte am Samstag ein ganzes Arsenal an Pyrotechnik wie Bengalos, Handfackeln und Rauchpulver sowie Pfefferspray, Quarzhandschuhe, Sturmhauben und Beißschienen gefunden.

An diesem Montag tagt die Sicherheits-Kommission der DFL. Die 36 Proficlubs waren aufgefordert, sich bis zur Sitzung zum Positionspapier des Ligaverbandes zu äußern und eigene Ideen einzubringen. Einige Klubs wie 1899 Hoffenheim, der FSV Mainz 05 und der 1. FC Nürnberg haben eine Fristverlängerung beantragt. Verabschiedet werden sollen die Maßnahmen für die neue Saison bei der Vollversammlung Mitte Dezember. Das Konzept abgelehnt haben bislang die Zweitligisten Hertha BSC, 1. FC Union Berlin und FC St. Pauli.

Auch der 1. FC Köln hat sich kritisch zum neuen Sicherheitskonzept im deutschen Fußball geäußert. "Grundsätzlich begrüßen wir das DFL-Papier als nächsten Schritt in der Diskussion über die Sicherheit in Stadien. Bei allen positiven Ansätzen in dem Papier scheint uns der Fokus zu sehr auf Sanktionsmaßnahmen zu liegen und weniger auf den Dialogthemen", heißt es in einer Erklärung des Bundesliga-Absteigers.