Gesichter der Leichtathletik-WM Der schnellste Weiße humpelt nur

Der Griff an den Oberschenkel sagte alles: Christophe Lemaitre kann bei der WM nicht mehr weitermachen. 

(Foto: Getty Images)

Frankreichs Sprint-Hoffnung wollte Usain Bolt ärgern, nun ist die WM für Christophe Lemaitre bereits gelaufen. Den Franzosen stoppt eine Oberschenkel-Verletzung. Auch die deutsche 4x100-Meter-Staffel könnte von seinem Pech profitieren.

Von Jonas Beckenkamp

Als in Moskau die größte Show der WM über die Bühne ging, regnete es in Strömen. Das 100-Meter-Rennen der Männer ist so etwas wie das Königs-Event der Wettkämpfe - hier stellen Helden wie Usain Bolt ihre Dominanz zur Schau. Doch für Christophe Lemaitre passte das russische Sauwetter irgendwie ins Bild. Der Franzose erlebte das Blitzlichtgewitter nur von der Krankentrage aus.

Als Siebter war der 23-Jährige ins Ziel gesprintet, nachdem er wie so oft den Start verpennt hatte. Schon beim Auslaufen fasste er sich an den Oberschenkel, die Diagnose war tags darauf schnell gefunden: eine Zerrung. Leider eine schwere, so dass Lemaitre bei dieser WM nicht mehr starten kann. Die 200 Meter, wo er wegen seiner starken Schlussspurts bessere Chancen gehabt hätte, sowie die 4x100-Meter-Staffel, müssen ohne ihn stattfinden.

Frankreichs große Hoffnung ist raus in Moskau - und wenn es ganz dumm kommt, ist für ihn sogar die Saison gelaufen. Immerhin, seinen Humor verlor er nicht: "Ich habe schon Schlimmeres erlebt. Wenigstens habe ich ein Finale hinter mich gebracht, das passt schon," sagte er der Zeitung Republicain Lorrain.

So lief das 100-Meter-Rennen der Frauen Weltmeisterin schon nach 30 Metern

Shelly-Ann Fraser-Pryce hat nur 30 Meter lang ihre Konkurrenz im Blick, dann entschwindet sie zum WM-Sieg mit dem größten Vorsprung der Geschichte. Wie die Jamaikanerin den US-Frauen davongerannt ist.

So wird es nun nichts mit weiteren Auftritten des schnellsten Weißen im Sprint-Geschäft. Die Hautfarbe spielt bei Lemaitre immer wieder eine Rolle, schließlich stellt er unter den Topsprintern des Planeten eine Seltenheit dar - tatsächlich ist er der einzige Weiße, der die 100 Meter je unter zehn Sekunden lief. Vor zwei Jahren überquerte er im französischen Albi die Ziellinie in 9,92 Sekunden. Das ist zwar immer noch deutlich langsamer als jene 9,58 von Bolts Weltrekord, aber es zeigt auch: Lemaitre, der bereits zweimal Europameister wurde, stand zurecht im WM-Finale.

Sein Aus könnte auch für die deutsche 4x100-Meter-Staffel bei dieser WM noch bedeutsam werden. Läuft alles gut, bestehen für die Deutschen sogar kleine Chancen, hinter den übermächtigen Amerikanern und Jamaikanern Platz drei zu erreichen. Bei der EM in Helsinki im vergangenen Jahr rannte das DSV-Team immerhin auf den Silberrang. Eigentlich galten die Franzosen als fester Kandidat für Bronze, doch ihnen fehlt nun ihr bester Sprinter. Ersetzen können sie Christophe Lemaitre ganz sicher nicht.