Futsal Mehr Konkurrenz für Regensburg

Vier bayerische Klubs spielen mittlerweile in der höchsten Liga. Immer stärker legen sie Wert auf die Ausbildung.

Von Johannes Kirchmeier

Am Anfang stand der Sportlehrer Juan Carlos Ceriani. 1930 wollte der Uruguayer eine altersgerechte Form des Fußballs für Kinder entwickeln - und erfand Futsal. Danach etablierte er die Hallenfußballvariante im Schulsport. Fast jeder, der in Südamerika aufgewachsen ist, hat schon mal den Sport betrieben. Die meisten Fußball-Profis auf dem Kontinent starteten ihre Weltkarrieren mit dem Futsal. Die Sportart fördert Technik und Spielvermögen bei Kindern besser als Fußball, was sich auch in Deutschland so langsam herumspricht. In der Südstaffel der höchsten Spielklasse Regionalliga spielen mittlerweile vier bayerische Teams mit: neben dem deutschen Meister SSV Jahn 1889 Regensburg der TV Wackersdorf, Futsal Nürnberg und der Aufsteiger FC Deisenhofen. Am Samstag trifft der Jahn in der heimischen Nordhalle am ersten Rückrundenspieltag auf die Nürnberger (17 Uhr).

Dabei ist klar, wer der große Favorit ist, die Regensburger haben bereits das Hinspiel 4:1 gewonnen und ohnehin noch kein Spiel auf höchster deutscher Ebene verloren. Generell wird es jedoch auch für die mit einigen Brasilianern, die mit Futsal aufgewachsen sind, gespickten Jahn-Kicker immer enger: "Das Niveau ist deutlich nach oben gegangen", sagt der Abteilungsleiter Oliver Vogel. "Die Spiele werden besser." Erkennbar war das beim 2:2 gegen den Konkurrenten TSV Weilimdorf aus Baden-Württemberg. Weilimdorf ist Herbstmeister und steht mit 25 Zählern drei Punkte vor Regensburg, das ein Spiel weniger absolviert hat, an der Ligaspitze.

Die Nürnberger Futsaler gibt es bereits seit 2013

Anders als in der Vorsaison erwächst den Regensburgern also schon vor der bundesweiten Meisterschaftsendrunde im Frühjahr, für die sich die ersten beiden der Regionalliga qualifizieren, ernsthafte Konkurrenz. Auch die Franken zählen dazu: "Nürnberg schaltet brutal um", lobt Vogel. Futsal ist deutlich weniger von Taktik geprägt als Fußball, stattdessen flitzen die Spieler über den Hallenboden, es geht hin und her. Die viertplatzierten Nürnberger verfügen daher über eine Kernkompetenz.

Während die Regensburger schnell aufstiegen und nach nicht einmal zweijähriger Abteilungsgeschichte Meister wurden, gibt es die Nürnberger Futsaler bereits seit 2013. "Wir haben uns Stück für Stück weiterentwickelt, sind stetig gewachsen", sagt der sportliche Leiter Sebastian Glauber, der die Futsal-Abteilung beim FC Bayern Kickers Nürnberg gründete. Nach wie vor stammen die Spieler aus der Region, anders als etwa bei den Regensburgern, die ihre Spieler aus Brasilien und ganz Bayern zusammengeholt haben. Doch ist der Futsal in Bayern nun angekommen - mit vier Mannschaften in der höchsten Liga?

Glauber ist skeptisch: "Wenn man allein die Vereinszahl in der Regionalliga sieht, dann kann man schon sagen, dass der Futsal hier angekommen ist, aber beim Drumherum gibt es schon noch einiges zu tun."

Erst nach und nach gelingt es den Klubs, in ihren Hallen eine Zuschauerbasis zu schaffen, die Regensburger hatten schon mal ein paar Hundert Leute zu Gast. Doch viele Menschen haben Futsal noch gar nicht als Vereinssport wahrgenommen, es fehlt außerdem noch an professionellen Strukturen. Deutschland hinkt dem Rest der Welt weit hinterher: Glaubers Nürnberger bekommen etwa höchstens etwas Spritgeld und können nur zweimal die Woche trainieren. Selbst die Regensburger, die viermal pro Woche üben und ihre Auswärtsfahrten durch Sponsorengelder finanzieren, sind ja in Europas Königsklasse Uefa Futsal Cup schon in Runde zwei gescheitert.

Maximal drei Nicht-EU-Ausländer sind in der Endrunde erlaubt

Zudem lehnen in Deutschland auch noch einige Fußballer die Hallenvariante mit den ungewohnten Regeln wie etwa Auslinien ab. Glauber, der sich immer auch so ein bisschen als Werber für seinen Sport sieht, sagt daher: "Es ist für uns einfacher, Zehnjährige für die Regeln zu begeistern."

Und genau das versucht er auch zu tun, er bindet immer wieder Jugendspieler ins Training ein, in der kommenden Woche besucht er mit seinem Team eine Schule. Ganz im Sinne der Herkunft ihrer Sportart wollen die Klubs die Kinder gewinnen, was durchaus gelingt: Die Regensburger haben mittlerweile zwei Futsal-Jugendmannschaften, im kommenden Jahr soll die nächste dazukommen, um ihr Projekt abgekoppelt von den brasilianischen Helfern nachhaltiger zu gestalten. In den vergangenen Wochen haben die Jahn-Jugendfutsaler unter anderem gegen die Nachwuchsleistungszentren des 1. FC Nürnberg oder des FC Ingolstadt "hervorragende Leistungsvergleiche" abgeliefert, sagt Vogel.

Sein Klub wappnet sich damit natürlich auch für die Zukunft: Denn einerseits wissen sie in Regensburg natürlich nie, wie lange ihnen der Spielertrainer Lucas Kruel und seine brasilianischen Kumpels verbunden bleiben werden - und andererseits darf der Jahn nach einer neuen DFB-Regelung in der Meisterschaftsendrunde im Frühjahr ohnehin nur noch maximal drei Nicht-EU-Ausländer pro Spiel einsetzen. Da ist es am Ende für alle Vereine von Vorteil, wenn künftig auch fast jeder, der in Europa aufgewachsen ist, die Erfindung des Sportlehres Juan Carlos Ceriani schon mal betrieben hat.