SZ: Und das sehen Sie in Gefahr?

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Markhardt: Ich kenne viele, die fürchten, ihren Verein und alles, was sie damit verbinden, zugunsten eines kalten Wirtschaftsunternehmens zu verlieren. Das geht beim Dauerkartenanschreiben los, wo man der "Verehrte Kunde" ist und endet damit, dass mein Verein neuerdings eine "Marke" ist, die es zu positionieren gilt.

SZ: Wenn der HSV nicht so ein Wirtschaftsunternehmen wäre, hätte er jetzt nicht so viele Spieler kaufen können. Wie sehen Sie das als Fan?

Markhardt: Ich bin ja beim HSV noch relativ gut bedient. Wir haben als Mitglieder Mitspracherecht, hier wird mit dem Supporters Club über die Dauerkartenpreise verhandelt, und hier wird auf Druck der Mitgliedschaft auch mal eine Entscheidung zurückgenommen. Das ist bei vielen anderen nicht mehr so. Hier sind die Barrieren für den Kommerz oder für Kapitalgesellschaften noch höher als anderswo.

SZ: Klingt doch ganz gut.

Markhardt: Mir ist klar, dass wir den Kommerz nicht komplett aufhalten können. Aber wir müssen so viel Freiraum erhalten, dass es noch Spaß macht, zum Fußball zu fahren. Und ich möchte ein gehöriges Stück mitreden können im Verein. Außerdem möchte ich Spiele zu einer vertretbaren Zeit ansehen können und zu einer vertretbaren Zeit wieder zu Hause sein. Das wäre mit den geplanten Änderungen für die nächste Saison nicht mehr gegeben. Stellen Sie sich mal vor, es wird sonntags um 20.15 Uhr gespielt, zum Beispiel in München - wie soll ich da abends wieder zurückkommen?

SZ: Wie sieht Ihr Protest nun aus?

Markhardt: Wir haben 21 Fanszenen, die sich beteiligen. Die werden die Postkarten kostenlos bei ihren Spielen verteilen. Je nachdem, wie die Szene sich mit dem Verein versteht, entweder vor dem oder im Stadion. Und dann sollen die an die DFL geschickt werden.

SZ: Was steht da drauf?

Markhardt: Es sind verschiedene Motive, zum Beispiel ein volles Stadion mit der Aufschrift "Samstag, 15.30 Uhr" und ein leeres Stadion mit der Aufschrift "Sonntag, 12.30 Uhr". Dazwischen steht: "Feel the difference". Das soll der DFL zeigen, dass diejenigen, dank derer sich der Fußball prächtig verkaufen lässt, unzufrieden sind. Und es soll zum Nachdenken anregen.

SZ: Und wie geht es dann weiter? Glauben Sie, dass Sie wahr- und ernstgenommen werden?

Markhardt: Ich will es hoffen. Das ist ja auch nur der Anfang. Wir werden uns noch einige lustige Aktionen ausdenken. Es wird Aufkleber geben und Faxe, die man an die DFL schicken kann, und eine Demonstration ist auch geplant. Die DFL darf sich also schon einmal freuen: Wir werden sie besuchen kommen, wir wissen nur noch nicht genau wann. Aber wir schicken rechtzeitig eine Karte.

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(SZ vom 30.08.2008/sma)