Für Geld kriegt man vieles, aber keine treuen Fans: Fußballfan Philipp Markhardt über die Kommerzialisierung des Sports - und was man dagegen tun kann.
Süddeutsche Zeitung: Herr Markhardt, die Deutsche Fußball-Liga wird nach Ihrem Willen demnächst sehr viel Post bekommen.
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Ein Verein ist mehr als Erfolg: Jubelnde Hertha-Fans beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt. (© Foto: ddp)
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Philipp Markhardt: Das stimmt.
SZ: Worum geht es?
Markhardt: Die Fanorganisationen "Pro-Fans", zu der ich gehöre, "Bündnis Aktiver Fußball Fans" und "Unsere Kurve" verteilen während der kommenden Wochen in den drei Profiligen 250.000 Postkarten mit Aufschriften wie: "Für Geld kann man vieles kaufen. Treue Fans nicht." Die DFL ist als Adressat aufgedruckt. Und es ist ja nicht schwierig, sich eine Briefmarke zu kaufen und die Karte abzuschicken.
SZ: Was soll das bewirken?
Markhardt: Wir wollen der DFL zeigen, dass wir nicht nur ein paar wenige Fans sind, die gegen die völlige Vermarktung des Fußballs sind. Sondern dass es Zehn- und sogar Hunderttausende sind, die zum Beispiel von den in den neuen Fernsehverträgen vorgesehenen Anstoßzeiten betroffen sind - und denen das nicht passt.
SZ: Glauben Sie, dass die Fan-Basis daran irgendetwas ändern kann?
Markhardt: Wir können das Rad nicht zurückdrehen, aber wir müssen es nicht immer weiterdrehen. Ich finde die Argumente der DFL zum Teil etwas plump.
SZ: Zum Beispiel?
Markhardt: Da wäre der asiatische Markt, von dem immer gesprochen wird - zum einen ist der bereits mit der englischen Premier League gesättigt, zum anderen weiß ich nicht, ob der hart arbeitende Chinese sich abends noch Cottbus gegen Bremen ansehen will. Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Außerdem kann man nicht die Preisspirale immer weiter nach oben drehen, sonst kommt irgendwann der ganz große Knall.
SZ: In England wird weitaus mehr Geld umgesetzt, die Klubs geben viel mehr aus, und auch die Eintrittskarten kosten deutlich mehr als in Deutschland. Trotzdem gibt es die Liga noch.
Markhardt: Stimmt, aber die Liga wird unter vier Vereinen ausgemacht. Und schauen Sie sich das Publikum in den Stadien an. Da sitzen nur noch Besserverdiener. Die normalen englischen Fans kommen eher mal nach Deutschland, wo sie die Eintrittskarten bezahlen können, wo es noch Stehplätze gibt und Vollbier, und wo man auch mal ein bisschen pöbeln darf. Und nicht dauernd aufs Spielfeld schauen muss, um nicht rausgeschmissen zu werden.
SZ: Sie übertreiben.
Markhardt: Im Ernst, das ist mir bei Arsenal in London passiert. Da kommt dann der Steward und sagt: "Schauen Sie bitte aufs Spielfeld und machen Sie keine Gesten zum Heimpublikum." Da gibt es keine richtige Fankultur mehr und deshalb zunehmend Vereinsgründungen von Fans wie den "FC United of Manchester", wo die Fans wieder Fans sein können.
SZ: Das echte Manchester United ist ziemlich erfolgreich. Und die Fans von Chelsea lieben ihren Mäzen Roman Abramowitsch, weil er all die tollen Spieler kauft. Da, wo das Geld ist, herrscht bei vielen gute Stimmung.
Markhardt: Die Frage ist doch: Ist Erfolg alles? Wenn Sie nur Fan sein können, wenn der Klub erfolgreich ist, dann ist das Ihre Sache. Aber rund um einen Fußballklub ist doch viel mehr. Da ist ein Zusammengehörigkeitsgefühl, da ist die Tradition eines Vereins. Ich bin lieber Mitglied in einem Verein, der vielleicht nicht dauernd um die Meisterschaft mitspielt, der dafür aber ein menschliches Gesicht hat. In dem ich zum Beispiel auf den Sportplatz gehe und mir die dritte Herrenmannschaft ansehe und dabei neben dem Archivar des HSV-Museums stehe, der mir was von früher erzählt.
Im zweiten Abschnitt: Die Angst vor einem kalten Wirtschaftsunternehmen
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