Fußball-Zweitligist 1860 München spricht jetzt Englisch

Gleich beeindruckt: Stefan Aigner staunt beim Trainingsauftakt am Dienstagvormittag über den Gestenreichtum des neuen Übungsleiters Vitor Pereira (rechts).

(Foto: Stefan Matzke/sampics)

Professioneller, internationaler, erfolgreicher: Beim TSV 1860 beginnt eine neue Zeitrechnung. Trainer Vitor Pereira leitet seine erste Einheit - und sagt nur: "Tak-Tak-Tak."

Von Markus Schäflein

Das Wetter tat dem TSV 1860 München den Gefallen, für eine herrliche Symbolik zu sorgen. Rechtzeitig zum Trainingsauftakt des Fußball-Zweitligisten war ganz Giesing mit einer weißen Schneeschicht überzogen, nur an der Grünwalder Straße 114 leuchtete ein Fleck in sattem Grün: Die neue Rasenheizung hatte funktioniert, nachdem die alte in den vergangenen Jahren stets kaputt gewesen war; der hübsche Trainingsplatz durfte also als Zeichen für das neue Sechzig gewertet werden, das Investor Hasan Ismaik mit der Hilfe von externen Beratern um den Londoner Fußball-Geschäftsmann Kia Joorabchian bauen will. Und bei dem alles professioneller, internationaler und erfolgreicher sein soll als bisher.

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Begeistert wuselten unter den 400 Fans auf dem Gelände auch Jutta und Gerhard Schnell herum, das Ismaik sehr gewogene Vorstandsehepaar des Fanklubverbands Arge. Dass es aber auch zahlreiche Löwenfans sehr kritisch sehen, wie stark der TSV 1860 nun in der Hand des Investors ist, zeigte sich am Rande des Trainingsauftakts: Es wurde bekannt, dass nach dem Rückzug der Ultragruppierungen Cosa Nostra und Giasinga Buam auch die andere große Fan-Organisation, Pro1860, über ihre Auflösung nachdenkt. Für die nächste Mitgliederversammlung am 17. Januar steht in der Einladung, man wolle sich dort "Gedanken machen, ob die Aufrechterhaltung von Pro1860 unter den gegebenen Umständen überhaupt noch sinnvoll ist".

Für den umstrittenen neuen Kurs steht auch der im Dezember verpflichtete Trainer Vitor Pereira, der am Dienstag seine erste Einheit abhielt. Was er genau vorhat, war allerdings nicht zu erfahren; er gab an seinem ersten Arbeitstag keinerlei Statements ab. Auf ihre Anfrage, ob sie das zum Auftakt übliche Gespräch planen solle, erhielt Pressesprecherin Lil Zercher vom von Ismaik installierten Geschäftsführer Anthony Power die Antwort: "No."

Power selbst war auch nicht am Trainingsgelände anwesend, um etwas zu sagen, er befand sich im Ausland. Und Vereinspräsident Peter Cassalette, der keinen allzu guten Draht zum neuen alleinigen Geschäftsführer Power haben und mit vielen Entscheidungen kaum noch etwas zu tun haben soll, weilt noch bis zum Sonntag in Urlaub.

Auch auf dem Trainingsplatz fehlten noch einige Akteure. Die Stürmer Ivica Olic und Sascha Mölders verzichteten angeschlagen auf die Einheit zum Auftakt, und neben Rodnei kehrte auch der von den anwesenden Anhängern mit Spannung erwartete Ribamar verspätet aus Brasilien zurück. Der 19-Jährige, der im Sommer für 2,5 Millionen Euro Ablöse verpflichtet wurde und in der Hinrunde verletzungsbedingt nicht zum Einsatz kam, sei in den vergangenen Tagen erkrankt gewesen, hieß es. Zugänge waren ebenfalls noch nicht zu sehen. "Es werden andere Spieler hierher gebracht, um die Mannschaft zu verstärken", hatte Pereira zum Amtsantritt erklärt; es werden also bald neue Gesichter im Kader erwartet. Nach dem in der Ukraine tätigen brasilianischen Linksverteidiger Ismaily (Schachtjor Donezk) und dem in Ecuador spielenden uruguayischen Angreifer Jonathan Alvez ist nun auch der in Italien angestellte slowenische Innenverteidiger Luka Krajnc (Sampdoria Genua) im Gespräch.

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Immerhin war Pereiras Betreuerstab schon vollzählig versammelt. Darunter befanden sich Fitnesstrainer Filipe Almeida, der mit Pereira bereits für den FC Porto, Al-Ahli und Fenerbahçe Istanbul tätig war und das Aufwärmen auf Englisch leitete, und Luis Miguel, mit dem Pereira bereits in der zweiten portugiesischen Liga bei CD Santa Clara sowie dann bei Al-Ahli und Fenerbahçe arbeitete. Er stammt wie sein Chef aus dem Ort Espinho in Portugal.