Große Spielanteile, viele Torchancen, doch nur ein Treffer: Ein hart erkämpftes 1:0 gegen Wales hält die Deutschen auf Kurs Richtung WM 2010.

Piotr Trochowski war bis zu jener 72. Spielminute nicht direkt als Torjäger aufgefallen. Zwei glasklare Torchancen hatte er bereits ausgelassen, und vermutlich trieb ihn auch eine gehörige Portion Wut an. Er tanzte am Strafraum seinen Gegenspieler David Edwards links herum aus, dann rechts herum, dann zog er aus halblinker Position ab. Der Ball rutschte ihm über den Rist, und so flog er mit unwiderstehlichem Drall vom Torwart weg hoch ins rechte Eck. 1:0, der Bann war gebrochen, und sollte die deutsche Mannschaft die Qualifikation zur WM 2010 schaffen, wird man sich dankbar an den Tanz des kleinen Spielmachers vom Hamburger SV im Spiel gegen Außenseiter Wales erinnern.

Bild vergrößern

Notfalls muss es auch im Krabbeln gehen: Thomas Hitzlsperger und die DFB-Elf mussten gegen Wales enorm rackern. (© Foto: ddp)

Anzeige

Vier Tage nach dem teils imposant herauskombinierten 2:1-Sieg gegen Russland hätte die deutsche Mannschaft um ein Haar wertvollen Boden in Qualifikationsgruppe 4 eingebüßt. Es fehlte trotz einer Vielzahl von Chancen die letzte Entschlossenheit, den Ball über die Torlinie zu zwingen. Joachim Löw hatte die selbe Mannschaft aufs Feld geschickt wie beim 2:1-Sieg gegen Russland.

Michael Ballack, von seiner Wadenverletzung angeblich vollständig genesen, nahm im zentralen Mittelfeld wieder neben Thomas Hitzlsperger Aufstellung, weshalb Torsten Frings erneut auf der Bank Platz nehmen musste. Ballack aber wirkte fahrig und gehemmt und vermochte dem Spiel seinen Stempel nicht aufzudrücken. Schwung ins Spiel brachte neben Trochowski vor allem der unermüdliche Bastian Schweinsteiger.

Joachim Löw fieberte im dunklen Anzug samt dem üblichen Schal dem erlösenden Tor entgegen, sein Gegenüber John Toshack dagegen war rustikal im Trainingsanzug erschienen. Schon das Äußere signalisierte: John Toshack hat nichts am Hut mit dem schicken, schnieken, schnellen Kombinationsfußball, den der deutsche Kollege so sehr liebt - kann er gar nicht angesichts der Spieler, die ihm zur Verfügung stehen.

Seit dem Rücktritt von Ryan Giggs im Mai vergangenen Jahres schreitet der als wilder Hund bekannte Stürmer Craig Bellamy von West Ham United dem Team voran. Seinen Ruf verdankt Bellamy vor allem seiner Zeit beim FC Liverpool, als er einen Mitspieler mit einem Golfschläger attackierte. Gegen die Deutschen durfte Bellamy als einziger Stürmer auf Konter lauern, während der Rest des Teams das Tor von Wayne Hennessey verteidigte. Die Deutschen rannten gegen eine rot gewandete Wand an, und man kann nicht sagen, dass sie sich in der ersten Halbzeit sehr geschickt anstellten.

Michael Ballack gab in der elften Spielminute den ersten Schuss auf das Tor von Hennessey ab, aber bezeichnenderweise prallte der Ball von einem walisischen Verteidigerkörper zurück ins Feld. Die erste Kombination, die durch das walisische Bollwerk drang, gelang nach 16 Minuten, doch traf Miroslav Klose nach einer abgewehrten Flanke Schweinsteigers nur das Außennetz. Einem Torerfolg am nächsten kam in den ersten 45 Minuten Bastian Schweinsteiger; sein Linksschuss aus 18 Metern strich haarscharf über den Pfosten.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Trochowski durchbricht die rote Wand
  2. Trochowski durchbricht die rote Wand
Leser empfehlen