Carlos Alberto Parreira ist als Trainer der südafrikanischen Fußball-Nationalmannschaft zurückgetreten. Der 65-jährige Brasilianer nannte private Gründe für seinen Entschluss.

Über Südafrika lag am Montag ein Hauch von Krisenstimmung. Von Schock und Krise sprachen die Medien des Landes mit Blick auf den aus privaten Gründen erfolgten Rücktritt des Brasilianers Carlos Alberto Parreira als Trainer der Fußball-Nationalmannschaft "Bafana, Bafana". Auf dem 65-Jährigen ruhten die Hoffnungen der Nation, als er vor 16 Monaten als Chefcoach verpflichtet wurde. Bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika sollte er die Kicker-Truppe des Landes WM-tauglich machen. Zwar gab es gelegentliche Kritik an seinem hohen Gehalt oder dem Ausbleiben sichtbarer Erfolge, aber im Allgemeinen galt Parreira als "der Mann der Stunde". Umso größer waren die Schockwellen, die die plötzliche Kündigung seines vierjährigen Vertrags beim WM-Gastgeber auslösten. Eine hektische Suche nach einem Nachfolger hat eingesetzt. "Wir befinden uns jetzt offiziell in einer Krise, weil ich nicht denke, dass (der nationale Fußballverband) SAFA einen Plan B hatte, als er Carlos ernannte", erklärte Parreiras Vorgänger Ted Dimitru der Zeitung Business Day.

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Der Brasilianer Carlos Alberto Parreira hat seinen Rücktritt als Trainer der Fußball-Nationalmannschaft "Bafana, Bafana" erklärt. (© Foto: dpa)

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Andere schrieben von einer "wahren Tragödie" - gerade weil er erste Fortschritte zu machen schien bei der Schaffung eines wettbewerbsfähigen WM-Teams für 2010. Die Fußballwelt am Kap gibt sich pessimistisch. "Wen auch immer sie ernennen werden - mit diesem jüngsten Rückschlag haben Bafanas Chancen auf ein wettbewerbsfähiges Team 2010 einen schweren - wenn nicht sogar tödlichen - Rückschlag erfahren", schrieb der Mercury.

Private Gründe

Dabei hatte Parreira gleich zu Beginn seiner Amtszeit klar gemacht, dass er sofort gehen würde, wenn sein Umfeld nicht mehr stimme. "In dem Augenblick, in dem ich mich nicht mehr wohl fühle, werde ich, danke und tschüs sagen", hatte er wenige Wochen nach seiner Amtsübernahme im September 2006 betont.

Offiziell sind es private Gründe, die ihn das Handtuch werfen lassen. Der Gesundheitszustand seiner Frau Leila, zudem plagt Heimweh den Großvater. Doch erste Zweifler werfen schon die Frage auf, ob das nicht ein Vorwand für andere Gründe ist. Denn Insider verrieten den Sportjournalisten des Landes, dass der Brasilianer bereits Ende des Jahres unzufrieden über Entscheidungen des nationalen Fußballverbands war. Er habe schon damals einen Rückzug erwogen.

Spekulationen um Parreiras Nachfolger

Der kommt nun zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Der Coach, der Brasiliens Nationalelf 1994 in den USA zum WM-Titelgewinn geführt hatte, sollte Südafrikas Team in vier anspruchsvolle Qualifikations-Spiele für den Africa Cup of Nations führen. Und wer immer Parreira als Nationalcoach im Amt beerbt, wird nur wenig Zeit haben.

Denn schon im kommenden Jahr steht mit dem Confederations Cup die erste WM-Probe an. Die Spekulationen um Parreiras Nachfolger rankten sich daher um große Namen wie Sven-Göran Eriksson (Manchester City) oder Portugals Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari. Ihnen traut man zu, auch in letzter Minute noch das Unmögliche möglich zu machen.

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(sueddeutsche.de/dpa/mb)