Fußball-WM 2022 in Katar "Wir erwarten von der Fifa, dass sie eingreift"

Der Weltfußballverband gerät unter Druck: Nach den Berichten über 44 tote Arbeiter und unwürdige Bedingungen auf den Baustellen der Fußball-WM 2022 in Katar fordert die Menschenrechtorganisation Amnesty International die Fifa zum Handeln auf. Der Internationale Gewerkschaftsbund warnt vor bis zu 4000 Toten bis zum WM-Start.

Von Carsten Eberts

Nach Berichten über die Ausbeutung von Gastarbeitern auf den Baustellen der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar greift die Menschenrechtsorganisation Amnesty International den Weltfußballverband Fifa an. "Katar hat mit die schlimmsten Arbeitsbedingungen weltweit. Wir erwarten von der Fifa, dass sie aktiv eingreift", sagt Regina Spöttl, zuständig bei Amnesty International für die Golfstaaten, zu Süddeutsche.de.

2022 soll die Fußball-WM im dem Staat auf der Arabischen Halbinsel stattfinden. Als Veranstalter dürfe sich die Fifa nicht aus der Verantwortung ziehen, sagt Spöttl. "In erster Linie ist Katar zuständig für ein gutes Arbeitsrecht im Land. Aber es sind auch die Veranstalter, die für menschenwürdige Bedingungen Sorge tragen müssen." Spöttl sieht eine gute Chance: "Die Fifa ist ein mächtiger Verband. Es würde ihr guttun, entschlossen einzugreifen."

Die britische Zeitung The Guardian hatte zuvor über 44 Todesfälle unter nepalesischen Gastarbeitern berichtet, die unter menschenunwürdigen Bedingungen und extrem heißen Temperaturen auf den Baustellen arbeiten. Die Hälfte von ihnen sei an Herzversagen gestorben.

Von "moderner Sklaverei" zu sprechen, sei nicht übertrieben, heißt es bei Amnesty. "Katar gibt sich nach außen sehr reformwillig und modern", sagt Spöttl, "aber das Land hat eines der rigidesten Sponsorensysteme der Welt." Über mächtige Geldgeber werden vor allem aus Süd- und Ostasien Millionen Gastarbeiter ins Land gelockt. Die Arbeiter hätten keine Rechte, müssten zumeist ihre Pässe abgeben, Gewerkschaften seien verboten. Wer sich organisiere, fliege raus, kritisiert Amnesty.

Die Fifa hat sich in einer ersten Stellungnahme schockiert gezeigt und will den Fall beim nächsten Treffen des Exekutivkomitees am 3. und 4. Oktober zur Sprache bringen. In den Gremien wird zudem diskutiert, ob eine Verlegung in den Winter wegen der angenehmeren Temperaturen realistisch ist. Spöttl kritisiert: "Das nutzt den Arbeitern überhaupt nichts. Sie müssen jetzt arbeiten. Da gibt es kein hitzefrei."

"Es ist unentschuldbar"

Auch Sharan Burrow, die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes IGB, attackiert den Weltfußballverband. "Die Fifa sollte Druck auf die Regierung ausüben - und die Weltmeisterschaft nie wieder in einem Land durchführen, in dem Arbeiterrechte (...) derart verletzt werden", sagt Burrow dem SID.

Burrow rechnet vor: "Bis zum Beginn der WM werden ungefähr eine halbe Million Migranten in Katar erwartet, die alle direkt an Stadion-Baustellen oder Infrastrukturmaßnahmen arbeiten werden. Wenn sich da nicht sofort etwas ändert, wird die WM mit 4000 toten Arbeitern bezahlt."

Die Internationale Spielergewerkschaft FIFPro fordert die Fifa ebenfalls zum Handeln auf. "Wenn die Berichte wahr sind, muss der Fußball reagieren. Es ist unentschuldbar, dass das Leben der Arbeiter geopfert wird, zumal es moderne Gesundheits- und Sicherheitspraktiken in der Baubranche gibt", sagt FIFPro-Vorstandsmitglied Brendan Schwab. Zugleich forderte er den Weltverband auf, Experten der Internationalen Arbeitsorganisationen ILO nach Katar zu entsenden.