Fußball-WM in Katar Weitere 4000 Tote befürchtet

Bestechung und tote Arbeiter: Die Fifa-Ethikkommission will 13 Vorstandsmitglieder des Fußball-Weltverbands zu Bestechungsvorwürfen befragen, der Internationale Gewerkschaftsbund rechnet mit tausenden weiteren Toten bis 2022. Bert van Marwijk ruft zum Widerstand auf.

Die hohen Herren des Fußball-Weltverbandes Fifa geraten wegen der Vergabe der WM 2022 an Katar intern wie extern weiter unter Druck. Wie der englische Telegraph berichtet, will Michael Garcia, der Vorsitzende der Fifa-Ethikkommission, am Rande der Exekutiv-Sitzung in Zürich bis Ende der Woche 13 Vorstandsmitglieder wegen der neuesten Bestechungsvorwürfe vernehmen. Alle haben im Dezember 2010 an der Abstimmung teilgenommen.

Die Fifa wollte dieses Prozedere nicht offiziell bestätigen. Der Telegraph hatte zu Wochenbeginn einen mutmaßlichen Bestechungsfall im Zusammenhang mit der WM-Vergabe aufgedeckt. Wie das Blatt berichtete, seien kurz nach der Entscheidung für Katar fast zwei Millionen Dollar an den ehemaligen Fifa-Vize Jack Warner und dessen Familie gezahlt worden - von der Firma des katarischen Fußball-Offiziellen Mohamed bin Hammam.

Mehr als verbandseigene Untersuchungen müssen die Fifa-Offiziellen aber wohl die weltweiten Proteste fürchten, die sich gegen das Turnier formieren. So hat die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC), Sharan Burrow, weitere Vorwürfe erhoben. Katar weigere sich, mit internationalen Organisationen zur Verbesserung der Arbeiterrechte zusammenzuarbeiten. Auch seien Botschaften unter Druck gesetzt worden, Daten zu Todesraten auf den WM-Baustellen zurückzuhalten. "Wie lange will die Fifa noch die falschen Behauptungen zu Verbesserungen im Land akzeptieren?", fragt Burrow.

Ende 2013 hatten die Katar-Verantwortlichen nach Berichten über die Zustände auf den WM-Baustellen zugesagt, die Bedingungen zu verbessern. Jedoch: "Es gab keine Bewegung, Vorschriften bezüglich des internationalen Standards einzuführen", moniert Burrow. Der ITUC rechnet mit 4000 getöteten Gastarbeitern bis zum WM-Anpfiff und stützt sich dabei auf aktuelle Todesraten.

Der ehemalige niederländische Nationaltrainer Bert van Marwijk hat von Spielern und Trainern mehr Widerstand gegen die WM in Katar gefordert. "Es gibt genügend Gründe, um die WM nicht stattfinden zu lassen", sagte van Marwijk der niederländischen Tageszeitung Spits. "Spieler und Trainer sollten sich vielmehr dagegen wehren."

Van Marwijk kritisierte, dass sich wegen der "Unantastbarkeit der Fifa" niemand traue, etwas zu sagen. Dabei seien allein die hohen Temperaturen im Sommer in Katar ein Grund, die WM dort nicht auszutragen. "Die Stadien in Südafrika waren voll, in Brasilien wird das nicht anders sein. Das gleiche gilt für eine WM in Europa. Aber in Katar kommt wahrscheinlich kein Hund zugucken. Eine WM gehört da einfach nicht hin", sagte er.