Fußball-WM 2022 in Katar Kollisionen zwischen Palmen und Schneesturm

Trip in die Wüste: Manuel Neuer und Bastian Schweinsteiger und Arjen Robben, der bei einer lustigen Bayern-Spritztour in Dohas Dünen. 

(Foto: FCB/dpa)

Es ist eine Debatte, die schon jetzt absurde Ausmaße annimmt: Die WM 2022 soll nicht im Sommer stattfinden, weil Fußball bei bis zu 50 Grad etwas fragwürdig ist. Eine Verlegung in den Wüstenwinter ist vielen auch nicht recht. Ja, was denn nun?

Von Boris Herrmann

In neuneinhalb Jahren beginnt eine Fußball-WM. Vielleicht. Vielleicht beginnt sie aber auch erst in neun-dreiviertel Jahren. Oder bereits in acht-elfzwölftel. Wer weiß das schon? Die Organisatoren von der Fifa scheinen es jedenfalls nicht so genau zu wissen. Deren leitender Angestellter, der lupenreine Fußballdemokrat Joseph S. Blatter, prophezeite neulich in der Bild, dass die WM 2022 stattfinden werde. Wann und wo - da ist er sich offenbar noch nicht so sicher.

Sicher ist bislang nur das: Die überübernächste Fußball-Weltmeisterschaft macht schon jetzt deutlich mehr Schlagzeilen als die nächste und die übernächste zusammen. Großen Teilen der Öffentlichkeit geht sie inzwischen so gewaltig auf die Nerven, dass diese Öffentlichkeit gar keine Zeit mehr findet, sich in gewohntem Maße über die WM 2014, die EM 2016 oder gar die WM 2018 aufzuregen. Ist es das wert? Wer weiß das schon.

Gehen wir doch einfach mal davon aus, dass die lupenreine Sportdemokratie Katar für 2022 weiterhin gut im Rennen ist. Versprochen ist versprochen. Oder sollte man besser sagen: Bestochen ist bestochen? Wahrscheinlich ist das unerheblich. Wer sich in der globalen Sportdiplomatie ein klein wenig auskennt, der weiß, dass die Verben "versprechen" und "bestechen" dort nahezu synonym verwendet werden können. Eines muss man Katar allerdings lassen: Das Land kann auch nichts dafür, dass es in der Wüste liegt. Und dass es in diesen Wüsten im Sommer auch mal ein bisschen wärmer werden kann. So 50 Grad aufwärts.

Nicht unter diesen Bedingungen, schreit nun die Fußballwelt. Nachdem aber alle bisherigen Versuche gescheitert sind, den Golfstaat mittels kleinerer Investitionen auf ein allgemein verträgliches Sportklima herunterzukühlen, verschärft sich nun die Termindebatte um die WM 2022. Katar, das wurde jüngst vermeldet, ist jetzt offen für den Winter. Der Uefa-Präsident Michel Platini ist mindestens genau so offen. Er hat gerade mitgeteilt, dass er eine Wüsten-WM im Sommer für "unmöglich" hält. Das erklärt vielleicht auch, weshalb er 2011 für die Wüsten-WM im Sommer gestimmt hat.

Und Blatter? Der weiß nicht so genau, wofür er gerade ist. Was die juristischen Folgen einer Verlegung in den milden Wüstenwinter (Durchschnittstemperatur 17 Grad) betrifft, spricht er von einem großen Fragezeichen. Bei der Gelegenheit dementiert der Schweizer sogar die bislang gängige Annahme, er sei ein Prophet ("Ich bin kein Prophet"). Ach, wann hätte man die Fifa je so verzagt erlebt, wie in diesen schweren Stunden der Fußballwetter-Krise 2022?