Fußball-WM: Ghana - Uruguay Hand, Latte, Tränen

Die Weltmeisterschaft in Südafrika hat ihr Drama - beim Viertelfinal-Aus gegen Uruguay erlebt Ghana die ganze Grausamkeit des Fußballs.

Von Christian Zaschke, Johannesburg

Der Elfmeter vor den Elfmetern. Wie oft werden die Ghanaer an ihn denken. In der letzten Minute der Verlängerung hatte Luis Suarez den Ball mit der Hand von der Torlinie geschlagen, 1:1 stand es im Viertelfinale zwischen Ghana und Uruguay. Rot für Suarez, Elfmeter für Ghana. Hätte Asamoah Gyan ins Tor getroffen, wäre die Partie vorbei gewesen, und Ghana hätte als erstes afrikanisches Team ein WM-Halbfinale erreicht. Aber Asamoah Gyan traf nicht ins Tor. Er traf die Latte. So nahm, aus ghanaischer Sicht, das Unglück seinen Lauf.

120. Minute: Luis Suarez weht den Ball mit der Hand ab. Er sollte seiner Elf damit das Elfmeterschießen sichern.

(Foto: rtr)

4:2 gewannen die Uruguayer das Elfmeterschießen, sie bejubelten ihren letzten Schützen Sebastian Abreu, der die Kugel in die Tormitte gelupft hatte, lässig, ohne Nerven, er wird "der Verrückte" genannt. Für die Ghanaer muss es wie eine schlechte Pointe gewirkt haben, dass Gyan im Elfmeterschießen seinen Schuss so sicher versenkte. Hätte er das vorher getan - nicht auszudenken, was in Johannesburgs Soccer City losgebrochen wäre, in Südafrika, auf dem Kontinent. Pathetisch gesagt: Afrikas Hoffnung zerschellte an Suarez' Hand. Hätte der uruguayische Stürmer nicht Torwart gespielt, hätte Ghana gewonnen. Oder wenn Gyan getroffen hätte. So knapp war Ghana dran, die Hoffnung des Kontinents zu erfüllen, nun ist die Mannschaft auf zynischste Weise gescheitert.

Es sagt sich so leicht dahin, man spiele für einen Kontinent. Die Verantwortung ist im Grunde zu groß, der Druck kann eine Mannschaft ganz klein werden lassen. Die Ghanaer waren jedoch in der vergangenen Woche offensiv mit den hohen Erwartungen umgegangen, beinahe gelassen. Und genau so präsentierten sie sich auch auf dem Platz. Der unmenschliche Druck? War ihnen, wenn überhaupt, nur in der Anfangsphase anzumerken. Und wie Richard Kingson, der Tormann, der einst Kingston hieß, zunächst schon wieder in Form war; er war auf bestem Wege, eine der erfreulichsten Gestalten der WM zu werden, und im Grunde ist er das auch trotz seines Fehlers beim 1:1.

Es gab allerdings noch eine weitere erfreuliche Gestalt des Turniers auf dem Platz. Diego Forlan kann zwar nicht damit aufwarten, dass er früher Fortlan oder ähnlich hieß, dafür aber mit gepardendynamischen Läufen durchs Mittelfeld. Bereits nach fünf Minuten zeigte er mal einen, er gewann Meter um Meter und umkurvte nebenbei einige Ghanaer, sein anschließender Pass geriet ihm etwas zu lang. Doch die Ghananer wussten Bescheid: Alles, was sie über die Gefährlichkeit dieses Mannes gehört hatten, war nicht übertrieben.

Eine Kingson-Time zu wenig

Kurz darauf begann eine kleine Privatvorstellung Richard Kingsons. Nach elf Minuten parierte er einen Schuss von Luis Suarez, der sich gegen Isaac Vorsah durchgesetzt hatte. Nach 14 Minuten wehrte er einen Freistoß Forlans ab, allerdings mit leichten Problemen; er faustete den Ball kerzengerade nach oben. Nach 18 Minuten wehrte er mit einem tollen Reflex einen Ball ab, den John Mensah unfreiwillig aufs eigene Tor gebracht hatte. Es war Kingson-Time.

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