Fußball-WM 2011 Die Serben haben was verpasst

Nur wer bereit ist, den Frauenfußball einigermaßen ernst zu nehmen, wird den Fußballerinnen ihre Freude oder Enttäuschung glauben. Viele Männer haben sich damit schwergetan. Sie sind zwar bereit, die Leistung einer Sprinterin anzuerkennen, auch wenn sie langsamer rennt als der Sprinter.

Die fabelhafte Elf der Männer

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Der Fußballplatz aber ist das Terrain des Mannes, wie früher der Urwald, in dem er dem Mammut hinterhergestiegen ist. Die Männer haben sich darüber aufgeregt, dass die Französin Louisa Necib "La Zidanette" genannt wird; es sei anmaßend, sich mit dem König der Könige zu vergleichen. Dabei hat sie, wie Zinédine Zidane, algerische Wurzeln, sie hat wie er in Hinterhöfen gekickt und dabei gelernt, den Ball zu dressieren wie einen Hund.

Allerdings gefiel dieser Spitzname auch den Frauen nicht, jeder Vergleich des Frauenfußballs mit dem der Männer kam ihnen chauvinistisch vor. Sie schrieben wütende Briefe, wenn man das Gebiss der guineischen Stürmerin Genoveva Anonma mit dem des Kameruners Roger Milla verglich und dabei zu der Erkenntnis kam, dass sich Fußballerin und Fußballer nicht nur zahnlückentechnisch nähergekommen sind.

Bei Anlässen wie diesen wird von Skeptikern gern der Vorwurf formuliert, alles sei Resultat eines medialen Hypes. Richtig ist, dass das Fernsehen alle Spiele übertragen und viel Werbung gemacht hat, aber es hat immerhin darauf verzichtet, Waldemar Hartmann oder Ralph Morgenstern einen Platz im Programm einzuräumen, den Meistern des Männerwitzes.

Es hat auch die Nachrichtensendungen nicht umsortiert wegen der WM. Verglichen mit dem Deutschland-sucht-den-Superstar-Krawall bei RTL oder vielen Promi-Geschichten in Bild, war die WM weit weg von einem Medienhype.

Am Ende waren es die Fußballerinnen, die bewiesen haben, dass sie Respekt verdienen. Im kleinen Finale sind sich die Schwedin Josefine Öqvist und die Französin Sonia Bompastor auf die Knochen gestiegen, "La Zidanette" musste verletzt raus, eine schwedische Stürmerin hat mit einem brachialen Tor gezeigt, dass auch bei den Frauen der Name Programm ist: die Stürmerin heißt Maria Hammarström. Der Reiz lag im Spiel.

Nicht nur die Deutschen haben sich für den Frauenfußball erwärmt, in Frankreich war das Turnier Thema auf der ersten Seite der L'Équipe, das hatte es vorher auch nicht gegeben. In den Macho-Ländern wie Serbien stand dagegen keine Zeile in der Zeitung, es kam auch nichts im Fernsehen.

Natürlich bleibt der Umgang mit Frauenfußball eine innerserbische Angelegenheit, aber man kann sagen: Sie haben was verpasst.