Fußball-WM Brasilien baut auf 160 000 Einsatzkräfte

Polizei-Truppen werden Fußballfans in Brasilien tausendfach zu sehen bekommen.

(Foto: AFP)

Marine, Luftwaffe, Berufsheer: Um bei der WM für Sicherheit zu sorgen, setzt der brasilianische Staat auf enorme Überwachung - auch mögliche Massenproteste sollen so eingedämmt werden. São Paulo versinkt derweil erneut im Verkehrschaos und Ronaldinho erstaunt mit einem Wohnungsangebot.

Rekordstau in São Paulo, Großaufgebot von 160.000 Sicherheitskräften für die Fußball-Weltmeisterschaft: Auch rund drei Wochen vor dem WM-Auftakt gibt es immer noch ungelöste Probleme im Gastgeberland. So droht in São Paulo, Ort des Weltmeisterschafts-Eröffnungsspiels zwischen Brasilien und Kroatien am 12. Juni, der Verkehrs-Infarkt. Drei Wochen vor dem WM-Auftakt schlagen die Verantwortlichen Alarm.

Die Staus in der Millionenmetropole addierten sich am Freitagabend auf eine Gesamtlänge von 344 Kilometern. Damit sei der bisherige Rekordwert um 35 Kilometer übertroffen worden. Dies teilten die Verkehrsbehörden mit. Der Streik der Busfahrer hatte die Situation zusätzlich verschärft. Zunächst waren die Beschäftigten in São Paulo in den Ausstand getreten, es folgten am Donnerstag und Freitag die Kollegen im Umland der Mega-Stadt. Die Fahrer verlangen eine zehnprozentige Lohnanhebung.

In der kommenden Woche wollen auch die U-Bahnfahrer in São Paulo über einen möglichen Streik beraten. Die brasilianische Regierung wird indes während der WM auch auf Einheiten der Streitkräfte zurückgreifen. Insgesamt werden 160 000 Soldaten und Polizisten während der WM-Endrunde im 190-Millionen-Einwohner-Land für die nötige Sicherheit sorgen.

Das Verteidigungsministerium gab am Freitag bekannt, dass neben der Polizei 57 000 Soldaten aus Heer, Marine und Luftwaffe bereitgestellt würden. 21 000 von ihnen würden in Alarmbereitschaft stehen, um im Ernstfall sofort eingreifen zu können. Seit 2012 hat das Verteidigungsministerium 709 Millionen Reais (236 Millionen Euro) investiert, um die Truppe auf die WM vorzubereiten.

Die befürchteten Massen-Proteste beurteilt Justizminister José Eduardo Cardozo eher gelassen. "Wir gehen davon aus, dass die Proteste während der WM kleiner ausfallen werden als im letzten Juni. Aber wir sind für jede Situation vorbereitet", sagte Cardozo. Beim Confed Cup 2013, der WM-Generalprobe, hatten Zehntausende auf den Straßen der großen brasilianischen Städte gegen Missstände und Geldverschwendung demonstriert. Auch im Vorfeld der WM 2014 ist es in den letzten Wochen wiederholt zu Protesten gekommen.

Dagegen sorgte der einstige Barcelona-Dribbler Ronaldinho mit seinem Geschäftssinn für Schlagzeilen. Der Weltmeister von 2002 bietet auf einem Internetportal für Vermietung von Unterkünften (Airbnb) sein Luxus-Haus in einem Vorort Rio de Janeiros für 11 303 Euro an - pro Nacht. Ein ganzer Monat, also die Dauer der Endrunde (12. Juni bis 13. Juli), kostet mal eben 335 480 Euro. Für die stolze Summe darf man fünf Schlafzimmer, sechs Bäder, einen Swimmingpool, eine Sauna und sogar eine kleine Bühne für Shows nutzen - alles auf üppige 1000 Quadratmeter inklusive Grünfläche verteilt.

"Ein wunderschönes Haus, in dem ich tolle Erfahrungen mit meinen Freunden und meiner Familie gemacht habe", schrieb der Spielmacher vom amtierenden Libertadores-Cup-Sieger Atlético Mineiro, der heute in Belo Horizonte lebt, bei Facebook. Ronaldinho war - ebenso wie die alten Helden Kaká und Robinho - von Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari nicht in den Kader der Seleção berufen worden.