Fußball-WM Autsch, Österreich!

Zum Wegducken und Weggucken: Österreichs David Alaba verlässt verletzt das Spielfeld.

(Foto: dpa)
Von David Ryborz

Marko Arnautovic lehnte sich an den Pfosten und schüttelte den Kopf. Nur 1:1 gegen Georgien, die Chance zur WM-Qualifikation fast sicher verspielt, das war auch für einen standfesten Mann wie den früheren Stürmer von Werder Bremen nur schwer zu verkraften. "Wir dürfen nicht 1:1 gegen Georgien spielen, das tut mir leid", sagte Arnautovic. Dass das Team in den verbleibenden beiden Spielen gegen Serbien und Moldawien den Fünf-Punkte-Rückstand auf Rang zwei noch wettmachen wird, glaubt kein Österreicher mehr. "Die letzten Zweifel sind beseitigt", schrieb der Standard bereits.

Österreichs Fußballer werden die WM 2018 also vom Fernseher aus verfolgen müssen, im kleinen Nachbarland ist das eine große Enttäuschung. In einer nicht allzu schweren Gruppe mit den Hauptrivalen Serbien, Irland und Wales schien eine derart dünne Ausbeute - acht Zähler aus neun Spielen - kaum vorstellbar zu sein. Auch gegen Georgien, die Nummer 112 der Weltrangliste, geriet die Mannschaft von Trainer Marcel Koller schon nach acht Minuten in Rückstand, mehr als der Ausgleich durch Louis Schaub (43.) sollte nicht mehr gelingen. Von den mit 13 400 Zuschauern spärlich gefüllten Rängen des Wiener Ernst-Happel-Stadions kamen Pfiffe. Gegen das Team, aber auch gegen den Trainer, der sein Amt wohl bald abgeben dürfte.

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Die Misere an diesem Abend lag nicht an Arnautovic. Österreichs bislang teuerster Fußballprofi - er wechselte im Sommer für 27,9 Millionen Euro zu West Ham United nach London - spielte, kämpfte und rackerte vor allem für einen Mann: für Teamchef Koller. "Es liegt nicht am Trainer. Er verdient größten Respekt", erklärte Arnautovic flehentlich: "Der Trainer steht nicht am Platz, wir stehen am Platz. Wir sind schuld, dass wir nicht gewinnen." Die Diskussion um dessen Ablösung solle man mit ihm gar nicht führen, "sowas macht mich sauer", warnte er die Journalisten.

Tatsächlich feierte Österreich unter Kollers Regie die größten Erfolge der jüngeren Vergangenheit. Der Schweizer machte das oftmals rumpelige Spiel des ÖFB-Teams wieder ansehnlich und führte die Auswahl auf Platz zehn der Weltrangliste. Nach der Qualifikation für die EM in Frankreich, durch die Österreich ungeschlagen ins Turnier einzog, wurde der Schweizer geradezu vergöttert. "Er ist seit sechs Jahren hier, hat viel aus der Mannschaft gemacht", sagte Arnautovic, der nicht nur für sich selbst sprach, sondern auch für seine Mitspieler. Fast alle, die gefragt werden, würden Koller gerne halten. Nicht erklären können sie allerdings die Negativspirale, in die das Team nach der erfolgreichen EM-Qualifikation geraten ist.

Bei der EM in Frankreich holte Österreich nur einen Punkt und schied nach der Vorrunde aus, die propagierte "Europhorie" erlosch wie ein Streichholz. Kapitän Christian Fuchs trat zurück, auch für David Alaba, der beim FC Bayern München als Linksverteidiger agiert, sich aber im Mittelfeld besser aufgehoben sieht, fand Koller nie die perfekte Rolle. Gegen Georgien verletzte sich Alaba schon in der ersten Halbzeit am Knöchel, als er ging, fand die Mannschaft sogar besser in die Partie.