Von Thomas Kistner

Nach neuen Beschuldigungen erwägt auch die Münchner Staatsanwaltschaft Ermittlungen - Hinweise auf asiatische Betrugsmafia.

Das nächste Land, dasselbe Bild. Im Fußball-Wettskandal in Belgiens höchster Liga gilt laut Staatsanwaltschaft ein chinesischer Geschäftsmann als Kopf der organisierten Zocker-Bande, die sich schon anschickte, ganze Vereine zu übernehmen. Dieses Muster taucht nun auch im deutschen Wettskandal auf.

Nationalmannschaft

Als ob sie nicht genug Probleme hätten: Ein deutscher Nationalspieler soll in den Wettskandal verwickelt sein. (© Foto: AP)

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Die Ermittlungsbehörden haben unter den vier Verdächtigten, die am 8. März festgenommen worden waren, den in Malaysia geborenen William Bee Wah L. als Leitfigur im Fokus.

Es wird davon ausgegangen, dass weitere Mitglieder des Mafia-Ringes im Ausland sitzen. Dies bestätigte Peter Slania, Anwalt des Mitbeschuldigten Dragan A., der Süddeutschen Zeitung. Zugleich droht sich die Affäre drei Monate vor WM-Beginn auf die Bundesliga und das Nationalteam auszuweiten. Nach einem Bericht des ARD-Magazins Plusminus soll ein deutscher Nationalspieler "mit der so genannten Wettmafia zusammenarbeiten", auch Bundesligaspieler seien verstrickt.

Die Staatsanwaltschaft München I, mit der das ARD-Team laut eigener Auskunft "seit einiger Zeit" zusammenarbeitet, ermittelt allerdings noch nicht. "Wir sammeln Informationen und werden hoffentlich weitere bekommen", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler am Mittwoch, danach werde über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens befunden. Namen wurden nicht genannt.

"Hoyzer und Ante Sapina sind nur kleine Fische"

Derweil laufen Wettskandal-Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft auf Hochtouren. Offenbar hängen die beiden Wettmafia-Komplexe durchaus zusammen. Während die hessischen Behörden seit November 2005 Hinweisen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf Manipulationsversuche in der Regionalliga Süd nachgehen, verfolgt der Sender seit Anfang Dezember in enger Kooperation mit einem Informanten Spuren ins Milieu.

Der Informant berichtete von einem europaweiten Netzwerk: "Ich kenne die alle. Hoyzer und Ante Sapina in Berlin sind nur kleine Fische. Auch beim Wettskandal in Belgien, in dem jetzt die belgische Polizei ermittelt, haben wir alles gewusst. Da hat ein Spieler von Sint Truiden den Tipp gegeben, dann wurde bei uns gesetzt. Über 400000 Euro sind da allein bei einem Wettanbieter gewonnen worden."

So ergibt sich nun in beiden Fällen das aus Belgien bekannte Schema einer Kommandostruktur, mit einem Paten an der Spitze einer Mitarbeitergruppe, die Spieler (unter anderem bei den Regionalligisten Stuttgarter Kickers und Eschborn) angesprochen und hohe Geldbeträge für Mitarbeit geboten haben.

Der inhaftierte Dragan A., der jede Verwicklung in die Affäre bestreitet, hat laut Anwalt vor "ungefähr fünf, sechs Monaten" den Asiaten L. beim Roulette im Casino Bad Dürkheim kennengelernt. Der gebürtige Malaye habe sich mit dem Namen "Mike" vorgestellt und als der Mann zu erkennen gegeben, der für Spieler-Ein- und -Verkäufe in Asien zuständig sei. Zugleich habe er jedoch behauptet, keine Ahnung von Europas Fußballszene zu besitzen, weshalb ihn der neue Bekannte A. "beim Tippen auf Spiele der großen Ligen, etwa in Italien und Spanien", beraten habe.

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