Fußball-Weltverband Geld her! Woher? Egal!

Gianni Infantino: Arbeitet engagiert an kreativen Geldbeschaffungsmaßnahmen

(Foto: AP)
  • Fifa-Präsident Gianni Infantino hat mal wieder eine Idee, wie er dem Weltverband zu mehr Geld verhelfen kann: Jetzt will er schon die WM 2022 in Katar auf 48 Teams aufpumpen.
  • Bei 80 statt 64 Partien ließe sich ein Nachschlag bei den TV-Anstalten heraushandeln.
  • Infantinos unreflektierte Gier nach Einnahmequellen offenbart die Grundmotive, die ihn anzutreiben scheinen: Geld, Macht, Gefolge.
  • 2019 wird schon wieder gewählt - doch in Europa und Asien wird Infantino immer misstrauischer beäugt, auch in Afrika brechen ihm die Unterstützer weg.
Von Thomas Kistner

Ein Goldschürfer durchstreift den Weltfußball, ein zum Äußersten entschlossener Desperado: Gianni Infantino. Beim Vorstandstreffen der Fifa im März in Bogota hatte der Präsident das Gremium mit einer 25-Milliarden-Dollar-Offerte überrumpelt, die ein mysteriösen Konsortium zahlen wolle, welches er leider nicht benennen durfte. Für Fußball-Events, die es noch gar nicht gibt. Doch die Abfuhr, die ihm die irritierten Fifa-Vorstände erteilten, hat Infantino nicht gehindert, sogleich die nächste Geldvermehrungs-Aktion zu starten: Jetzt will er schon die WM 2022 in Katar auf 48 Teams aufpumpen. Bei 80 statt 64 Partien, so das Kalkül, ließe sich ein Nachschlag bei den TV-Anstalten raushandeln.

Nur fädelte der ob seiner Alleingänge gefürchtete Autokrat an der Fifa-Spitze die Sache diesmal geschickter ein, gemeinsam mit seinen Verbündeten im Südamerika-Verband Conmebol. Beim Kongress am Donnerstag in Buenos Aires trat also Conmebol-Präsident Alejandro Dominguez mit jener Bitte an den Fifa-Boss heran: Schon für Katar 2022 soll die - für die Turniere ab 2026 beschlossene - Aufblähung der WM vollzogen werden. Infantino, sagt ein Kongress-Beobachter der SZ, habe "gelächelt und so getan, als sei er überrascht" - dabei sei bekannt, dass er selbst hinter der neuesten Rochade stecke. Anders als im Fall des von Infantino erträumten Milliarden-Buyouts an globale Investoren, wird im Umfeld der Europa-Union Uefa nun befürchtet, dass eine schon 2022 aufgepimpte Jedermann-WM in anderen Hemisphären Unterstützung finden könnte.

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Den Vorstoß hat Dominguez unter anderem mit dem Wunsch nach mehr Gerechtigkeit begründet, was lustig klingt angesichts des Umstandes, dass seine zehn Verbände umfassende Conmebol dann sechs fixe und einen möglichen siebten Startplatz erwartet. Mit 70 Prozent aller Verbände dabei: Das hieße ja im Sinne der Gerechtigkeit für die jeweils mehr als 50 Länder umfassenden Verbände Europas, Asiens und Afrikas, dass sie je um die 35 Teams entsenden dürften. Zudem wäre das Gedränge beachtlich bei einer 48er-WM in Katar: 80 WM-Spiele in November und Dezember 2022 in einem Wüstenstaat von der Größe Nordhessens. Aber die neuesten Kapriolen passen zu Infantino.

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So sind zu seinem geheimen 25-Milliarden-Coup neue Details aufgetaucht: Die Summe soll ihm ein Investorenkonsortium für eine reformierte Klub-WM sowie eine globale Nations League offeriert haben. Für zwei bessere Freizeit-Formate, die im Falle, dass sie doch Attraktivität erlangten, Geld und Aufmerksamkeit von den Uefa-Wettbewerben abzögen. Ein Blick auf die mutmaßlichen Investoren, darunter Saudi-Arabien und China, zeigt, dass hier offenbar ein Coup unter diskreter Regie des Fifa-Bosses aufgezogen wurde. Laut Financial Times sollen auch die USA und die Vereinigten Arabischen Emirat im Boot sein, dazu die japanische SoftBank. Zufällig war Infantino zuletzt viel in all diesen Weltregionen unterwegs, ohne echte Fußball-Agenda: Vor Weihnachten debattierte er in Riad mit Saudi-Arabiens 82-jährigem König über die "Verbesserung des Fußballs" - vor allem aber über "Kooperationsfelder zwischen der Fifa und der obersten Sportbehörde GSA in Saudi-Arabien".

Die unreflektierte Gier nach Einnahmequellen befördert recht klar die Grundmotive zutage, die den nach nur zweijähriger Amtszeit umstrittenen Infantino antreiben: Geld, Macht, Gefolge. Geld, um der Fifa, der die Sponsoren weglaufen, Stabilität zu geben, und um die Millionen-Versprechen zu erfüllen, mit denen er 2016 den Thron eroberte. Macht, weil 2019 wieder gewählt wird.

In Europa und Asien wird Infantino immer misstrauischer beäugt, auch in Afrika bricht rasant das Gefolge weg. Zu unverfroren sind die Tricks seiner Fifa, das um die WM 2026 kandidierende Marokko kurz vor der Vergabe am 13. Juni in Moskau aus dem Weg zu räumen, zugunsten des Gegenkandidaten USA/Kanada/Mexiko. Das soll jetzt eine überfallartig eingesetzte Prüfkommission richten. Sie besteht aus Infantino-Getreuen und soll nach einer Untersuchungsreise Empfehlungen zu den beiden Kandidaten aussprechen - und die wären bindend für die Fifa-Gremien.

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