Volkswagen hat es, und der VfL Wolfsburg bekommt es: Der Autokonzern unterstützt den Fußball-Bundesligisten mit jährlich rund 100 Millionen Euro. Die Art und Weise ist höchst fragwürdig - vielleicht sogar strafbar. Das prüft nun auch die Justiz.
Sie haben Felix Magath zurückgeholt, mit dem der VfL Wolfsburg vor zwei Jahren erstmals deutscher Meister wurde und sich für die Champions League qualifizieren konnte. Magath ist einer der teuersten Trainer in der Bundesliga. Sie haben kurz vor Saisonbeginn schnell noch Christian Träsch gekauft und ihm einen Vier-Jahres-Vertrag gegeben. Rund zehn Millionen Euro soll der Nationalspieler gekostet haben; und er soll beim VfL deutlich mehr verdienen als zuvor beim VfB Stuttgart. Sie wollen, dass der VfL wieder oben mitspielt anstatt wie vergangene Spielzeit gegen den Abstieg, den der Rückkehrer Magath gerade noch verhindern half.
Bild vergrößern
Der VfL Wolfsburg feiert die Deutsche Meisterschaft 2009 - VW ist dabei. (© AP)
Anzeige
Sie - das sind die Herren von Volkswagen (VW), der bald der größte Autokonzern der Welt sein will, und der neben Marken wie Porsche, Audi und Seat auch einen eigenen Fußballklub besitzt. Die Wölfe, wie die werkseigenen Kicker genannt werden, sollen international auftreten. Als globale PR-Plattform für den Konzern, der mit Hilfe des Fußballs den Autoabsatz steigern will. Geld spielt dabei keine Rolle. VW hat es, und der VfL Wolfsburg bekommt es.
Was der Konzern sich seinen Werksklub kosten lässt und wie der VfL sonst noch hochgepäppelt wird, daraus haben sie in Wolfsburg immer ein Geheimnis gemacht. Offenbar aus gutem Grund. Manche Vorgänge sind ziemlich fragwürdig, vielleicht sogar strafbar. Interne Dokumente des Konzerns und seines Klubs, Justizakten und Schilderungen von Beteiligten ermöglichen erstmals genaue Einblicke in das Wolfsburger Kicker-Geschäft.
Gut 100 Millionen Euro stellt VW inzwischen jährlich für den VfL bereit. Wie das verrechnet wird, lässt vermuten, dass die derzeit national wie international diskutierten Maßnahmen gegen eine Wettbewerbsverzerrung im Profifußball von vornherein Makulatur sind.
Zudem kommt in Wolfsburg - zu den Werks-Millionen - noch einiges an Geld von Sponsoren hinzu, die Lieferanten des Autokonzerns sind und von diesem offenbar teils heftig gedrängt werden, den VfL zu unterstützen. In einem Fall ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft in Stuttgart, wo ein Verdächtiger wohnt. Die Strafverfolger wollen zwei VW-Manager und drei frühere Mitarbeiter der Telekom-Tochter T-Systems wegen Korruption vor Gericht bringen.
VW soll ein Millionengeschäft mit T-Systems erst dann fortgeführt haben, als die Telekom-Tochter die Verlängerung eines angeblich überteuerten Sponsorvertrages beim VfL angekündigt hatte. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe.
Was sich nicht bestreiten lässt, sind die Gefahren für den Fußball. In der ersten Runde des DFB-Pokals hat der VfL an diesem Freitag beim Viertligisten RB Leipzig gespielt - und ist auch gleich wieder ausgeschieden: Wolfsburg blamierte sich mit einer 2:3-Niederlage. Gleichzeitig hätte die neue Saison kaum symbolträchtiger beginnen können. RB heißt offiziell Rasenballverein. Gemeint ist aber Red Bull, der milliardenschwere Energie-Getränke-Konzern aus Österreich, der den RB Leipzig geschaffen hat und in die Bundesliga hieven will.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verbietet, Vereinsnamen zu Werbezwecken zu benutzen, deshalb der Kunstbegriff Rasenballverein. Bestrebungen von Sponsoren und Konzernen, die strengen Auflagen für Investoren zu lockern, könnten solche Vorschriften eines Tages hinfällig machen. Red Bull gegen Volkswagen, Konzern-Klubs unter sich, sieht so die Zukunft aus?
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
- Thema
- Bundesliga RSS
- Fußball: FC Bayern Nun beginnt die Feinarbeit 28.07.2011
- 2 um 2 - Udos Erben "Rangnick verunsichert sogar Raúl" 29.07.2011
- Leverkusen kauft Bernd Leno Champions League statt Heimat 30.11.2011
- 2 um 2 - Udos Erben "Es liegt nicht an Schweinsteigers Ausfall" 29.11.2011
- Nur noch Platz drei für FC Bayern Vanbommelisiert euch! 29.11.2011
- Fußball-Bundesliga Bayern verlässt die Tabellenspitze 28.11.2011
- Bundesliga-Elf des Spieltags 108 km/h zu 106 km/h 28.11.2011
Präsidenten und ihre Partnerinnen
Vielen Dank, dass dieses Thema endlich mal deutschlandweit publik gemacht wird. Aufgrund des finanziellen Einflusses von Volkswagen wird dieses Thema in den deutschen Sportmedien totgeschwiegen. Jörg Wontorra äußerte sich bspw. noch vor gut 5 Jahren sehr kritisch gegenüber dem "Fußballverein" aus Wolfsburg. Da VW inzwischen als großer Werbepartner auftritt und unfassbarerweise den Doppelpass teilweise nach WOB geholt hat, wird das Thema von ihm und Kollegen absolut totgeschwiegen.
Also, vielen Dank nochmal und weiter so!!
Ein Gruß aus Norddeutschland, aus der Nähe von Wolfsburg. Und von daher weiß ich so einiges, nämlich wie viel VW seit Jahrzehnten für den Breitensport und die Jugendarbeit der Vereine in der Region tut. Und nicht nur für den Spitzensport. Das gehört meiner Meinung nach zum Gesamtbild dazu.
Und für welche Firma auf der Brust laufen die Bayern-Profis rum? Eine Firma die sich schon viele Verdienste um den Spitzensport erlaubt hat. Scheinbar schon vergessen, aber noch nicht lange her.
Da gab es einen Radrennstall der sich systematisch Bestnoten beim Doping “verdient” hat. Wie weit hat da die Telekom eigentlich rein regiert? Schließlich war es ihr Rennstall. Kann es eigentlich einem Bayern-Fan egal sein für wen seine Jungs und sie selbst Werbung machen?
Schade nur, dass der VFL in der letzten Saison nicht abgestiegen ist - das wäre doch ein klasse return of invest für die hochkarätige VW-Managerriege gewesen!
Aber zum Thema: Es wird nie ganz auszuschließen sein, dass ein Investor einen Verein stärker kontrolliert - wenn das aber auch künftig so einfach sein soll, wird man am financial fair play wohl oder übel nochmal nachbessern müssen. Wie immer bleibt dem gemeinen Fußball-Fan nur die Erkenntnis, dass man Erfolg (eigentlich) nicht kaufen kann - das belegen Chelsea, Manchester City und wie sie alle heißen nur allzu gut! Ich sage: zum Glück!
Schon gut, werte Herren Catuogno und Ott; ich werde nie einen VW kaufen. Hat ihre kindische Petzerei damit ihren Zweck erfüllt?
Aber lustig ist der Artikel schon. "Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verbietet, Vereinsnamen zu Werbezwecken zu benutzen,...". Zum Glück gibt´s im Rahmen des Leverkusener Profifussballs gar keinen Verein, ansonsten sollte der DFB den offiziellen Zweck der Bayer 04 Leverkusen Fussball GmbH, die der Bayer AG gehört, mal im Handelsregister nachlesen.
Und da schreibt die SZ monatelang über den Investoreneinstieg bei 1860, der ja vergleichsweise sauber ablief/abläuft...