Fußball Vidal spitzelt sich in Guardiolas Herz

Die Bayern freuen sich derzeit über ihn: Arturo Vidal.

(Foto: AFP)
  • Mit rustikalen Aufräumern kann der Bayern-Trainer eigentlich wenig anfangen.
  • Doch mit seinen Auftritten gegen Juve beweist Arturo Vidal seinen Wert für den FC Bayern.
Von Benedikt Warmbrunn

Das Leben des Arturo Vidal bietet genug Stoff für eine völlig überfrachtete Seifenoper. Die eine oder andere Alkoholtour wäre dabei, ein Ferrari in den Leitplanken, Rennpferde sowie ein Vater mit 124 Kokainbriefchen im Gepäck. Sollte dieses wilde Leben einmal verfilmt werden, und sie könnten sich beim FC Bayern München eine Szene wünschen, dann die mit einer kleinen Grätsche.

Mittwochabend, die Arena in München-Fröttmaning, der FC Bayern steht gegen Juventus Turin kurz vor dem Ausscheiden im Achtelfinale der Champions League, es läuft die erste Minute der Nachspielzeit. Dann streckt Arturo Vidal am gegnerischen Strafraum das Bein heraus, der Ball kommt zurück zum FC Bayern. Ein paar Ballberührungen später gleicht Thomas Müller aus, es geht in die Verlängerung, der FC Bayern gewinnt 4:2.

Der Vater säuft, also muss Arturo helfen

Manchmal entscheidet im Fußball ein einziger Ballkontakt über den Ausgang des ganzen Spiels, so einer war auch diese Grätsche am Mittwochabend. Doch mit seiner herausgestreckten Fußspitze hat Vidal mehr verändert. Mit dieser Aktion hat er endgültig gerechtfertigt, warum der Verein für ihn im Sommer mehr als 30 Millionen Euro ausgegeben hat, gegen den Rat all derer, die ihn für untauglich hielten in diesem Team der Balletttänzer, aus sportlichen und aus charakterlichen Gründen.

Arturo Erasmo Vidal Pardo, geboren 1987 in San Joaquín in der Nähe von Santiago de Chile, entwickelt früh einen ganz eigenen Entwurf des Lebens. Der Vater säuft, also muss Arturo schon als Kind helfen, die Familie zu ernähren. Er verdient ein paar Pesos als Stallbursche, träumt davon, einmal Jockey zu werden. Doch er ist zu groß.

Erst seit ein paar Wochen setzt Guardiola verstärkt auf Vidal

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Er wird Fußballer, so verdient er schließlich genug, um die Familie zu ernähren - es sei denn, er gibt all das Geld für Pferdewetten aus. In diesen Jahren wird Vidal zum Oberhaupt seiner Familie, mit dem Vater versöhnt er sich nach all dessen Alkohol- und Drogen-Eskapaden erst spät; dann aber gibt er ihm gleich einen Job in seinem Stall "Alvidal", mit mehr als hundert Rennpferden.

Was Arturo Vidal will, bekommt er auch, das ist sein Entwurf vom Leben, aufhalten lässt er sich nicht. Im vergangenen Sommer zum Beispiel fährt er während der Copa América betrunken mit seinem Ferrari, baut einen Unfall, muss die Nacht auf dem Polizeirevier verbringen. Ein paar Tage später gewinnt er dennoch den Titel, der erste große für die Nationalmannschaft Chiles.

Weil Vidal auch auf dem Rasen eher der rustikale Aufräumer ist, sehen im Sommer 2015 einige den Wechsel von Juventus Turin zum FC Bayern skeptisch, auch Trainer Pep Guardiola. Er fragt sich lange, was er mit diesem fußballerischen Anarchisten anfangen soll, er ist ihm zu unberechenbar im Passspiel. Erst seit wenigen Wochen setzt er verstärkt auf Vidal und dessen Körperlichkeit. Nun ist der Chilene der Anführer des FC Bayern und hat sich auf seinem Weg nicht einmal von den taktischen Vorstellungen eines Pep Guardiola aufhalten lassen.

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