Leverkusen scheitert beim blamablen 1:4 gegen Zenit St. Petersburg an der eigenen Naivität und starken Russen.
Im Foyer der BayArena stehen in zwei einsamen Glasvitrinen die Repliken des 1988 gewonnenen Uefa-Pokals und des 1993 gewonnenen DFB-Pokals. Mit diesen Errungenschaften hat sich die Trophäensammlung von Bayer Leverkusen erschöpft. Seit 15 Jahren ist nichts mehr hinzugekommen. Auch dieser Umstand machte das bisherige Vorrücken der Bayer-Fußballer im aktuellen Uefa-Pokal zu einer historischen Chance.
Bild vergrößern
Kälte? Kennen wir nicht! Ausgelassen feiern Zenit-Fans das 4:1 gegen Leverkusen. (© Foto: ddp)
Anzeige
In einem Uefa-Pokal-Halbfinale war der Verein zuletzt vor 13 Jahren, und das verlorene Endspiel in der Champions League gegen Real Madrid liegt nun auch schon sechs Jahre zurück. Nicht nur deshalb ist die peinliche 1:4 (1:1)-Niederlage am Donnerstagabend im Hinspiel des Uefa-Pokal-Viertelfinals gegen den russischen Meister Zenit St. Petersburg als Debakel zu werten, rein sportlich war sie das erst recht. "Das ist wirklich verdammt enttäuschend", sagte der Mittelfeldspieler Simon Rolfes konsterniert.
Es hatte bereits in der 20. Minute den ersten von vier Gefühlsausbrüchen gegeben auf Platz Nummer 2 in der fünften Reihe der Ehrengasttribüne, und der dort infolge einer im vorherigen Uefa-Cup-Spiel erwirkten Banksperre sitzende Petersburger Trainer Dick Advocaat hatte auch allen Grund dazu. Begeistert schaute der Niederländer zu, wie sein Außenstürmer Andrej Arschawin einen Fehlpass von Tranquillo Barnetta zu einem Spurt auf der rechten Seite nutzte, in dessen Verlauf er erst zwei Leverkusener überholte und dann zum 0:1 einschoss. Dieses Tor war schon deshalb verdient zu nennen, weil die flotten Russen ein dem Gastgeber deutlich überlegenes Aktivspiel gezeigt und binnen drei Minuten vor dem Torerfolg bereits zwei blendende Chancen zur Führung ungenutzt gelassen hatten.
Advocaat spottet
"Es wäre hilfreich, wenn wir gewinnen", hatte der Trainer Michael Skibbe vor dem Anpfiff in einem fast flehentlichen Ton gesagt, doch seine Spieler agierten dann derart zurückhaltend, dass ihr Ausgleich in der 33.Minute ziemlich überraschend fiel. "Ein billiges Tor aus dem Nichts", spottete Advocaat hinterher. Der Torjäger Theofanis Gekas betätigte sich ausnahmsweise einmal als Flankengeber, der kleine Bernd Schneider betätigte sich ausnahmsweise einmal als Kopfballspieler und der Stürmer Stefan Kießling betätigte sich gemäß seiner Bestimmung als Torschütze, indem er den von Roman Schirokow vor der Torlinie geretteten Ball zum 1:1 nachschoss. "Jetzt geht's los", sangen in jenem Moment die Leverkusener Fans, doch weil sie diese Prognose nicht in Abstimmung mit ihren Fußballern getroffen hatten, hielten sich die letzteren auch nicht daran. Ganz im Gegenteil.
Es dauerte nach der Pause bloß 19 Minuten, ehe der Leverkusener Traum vom Einzug ins Halbfinale beendet war. Erst überlief der schnelle Arschawin diesmal über die linke Seite die phlegmatische Leverkusener Abwehr und brachte den Ball für Pavel Pogrebnjak in die Mitte, der in der 52.Minute sein achtes Tor in diesem Uefa-Pokal-Wettbewerb erzielte.
Auf der nächsten Seite: Wie Rudi Völler seine Spieler kritisiert und was Michael Skibbe zur Pleite seiner Elf sagt.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Fußball-Uefa-Pokal Zenit blamiert Bayer 03.04.2008
- Bildstrecke Bayern - Getafe 1:1 03.04.2008
Freundschaft zwischen den Geschlechtern
Na hätten sie mal dem HSV den Vortritt gelassen, wenn sie sowieso keine Lust haben, weiter zu kommen. Zumindest hat es danach ausgesehen, bei dem was da auf dem Platz geboten wurde.