Von Dominik Prantl

Oliver Kahn zeigt sich nach dem 1:1 der Bayern gegen den FC Getafe ungewöhnlich ruhig - und freut sich auf eine "wunderbare Europapokalnacht" nächste Woche. Auch Uli Hoeneß bleibt entspannt: "Selbst wenn wir ausscheiden, geht die Welt auch nicht unter."

Als Spieler, der schon Ereignisse wie den letzten Sieg der Leverkusener in München als Bundesligaspieler erlebte oder auch Hans Pflügler und Lothar Matthäus als Mitspieler hatte, darf man sich auch einmal etwas abseits der ausgetreten Rhetorikpfade bewegen. Daher agierte Torhüter Oliver Kahn nach diesem ernüchternden 1:1 seiner Bayern gegen Getafe CF nicht wie so oft als schonungsloser Polterer. Sondern er wähnte sich in seiner Abschlusssaison vor einem großen Abend: "Wir haben nächste Woche eine wunderbare Europapokalnacht vor uns."

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Oliver Kahn wird seine aktive Laufbahn nach Abschluss der Saison 2007/08 beenden. (© Foto: ddp)

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Es ist seit gestern gar nicht einmal unwahrscheinlich, dass es die letzte seiner an wunderbaren Europapokalnächten so reichen Karriere werden könnte. Denn mit der finalen Minute der regulären Spielzeit, als Cosmin Contra den Ball elegant über Kahn hinweg zum Ausgleich ins Tor beförderte, hat sich der Charakter des Rückspiels bereits geändert, ohne dass es überhaupt angepfiffen wurde. Gleichzeitig klärte Contra mit diesem Lupfer auch endgültig und statistisch höchst wirksam die Frage: Wer ist eigentlich Getafe CF?

Getafe ist nicht Anderlecht und erst recht nicht Saloniki - Teams, die der FC Bayern im Uefa-Cup zerlegten. Getafe war schon vorab als tückischer Gegner einzuschätzen gewesen, weil er trotz Siegen gegen das Establishment der spanischen Primera División irgendwie namenlos daher kam.

Aufregung nach fünf Minuten

Aber obwohl der Gegner gerade dazu einlud, unterschätzt zu werden, hinterließ Bayern in der Anfangsphase einen hoch konzentrierten Eindruck. Nach nur fünf Minuten gab es erstmals Aufregung, weil Luca Toni Getafes Schlussmann Oscar Ustari den Ball aus den Fängen spitzelte - nach Meinung der Schiedsrichters allerdings regelwidrig. Aufregung Nummer zwei folgte kurz darauf, als der steil geschickte Zé Roberto zu Fall gebracht wurde (7.).

Überhaupt wirkte die erste halbe Stunde so, als wollten die Bayern-Spieler eine Vorlage für die ja gerne als Lobeshymne angelegten Profile des Klubjahrbuchs geben. Geradezu idealtypisch erfüllten einige Akteure ihre Rollen: der kämpferische Mark van Bommel, der emsige Philipp Lahm, der quirlige Bastian Schweinsteiger und natürlich der treffsichere Toni. Während bei Lukas Podolskis erfolgloser Torschussorgie früh Sorgen um dessen linken Spann berechtigt waren, benötigte Toni bei seinem Kopfball zum 1:0 nur einen fein getretenen Eckball von Schweinsteiger (26.).

Danach führte Bayern den Beweis, was ein Führungstor bei einer Mannschaft anrichten kann - und zwar bei jener, die es erzielt. Auf einmal wurden auch die zuvor arbeitslosen Innenverteidiger Martin Demichelis und Lucio gefordert, anfangs noch ganz sachte, bis zur Pause dann immer vehementer. In der zweiten Halbzeit habe sich der Ausgleich dann "abgezeichnet", wie es Podolski nannte.

Auf der nächsten Seite: Wie sich bei den Bayern Fehler an Fehler reihen, Ottmar Hitzfeld nun gewarnt ist und Uli Hoeneß ausnahmsweise ganz ruhig bleibt.

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