Trotz einer mäßigen Saison wird Trainer Carlo Ancelotti umworben - aus Treue bleibt er bei Bremens Uefa-Pokal-Gegner AC Mailand.
Es war die vielleicht folgenreichste Niederlage dieser Saison. Das Ende aller Träume, das Aus für alle Ambitionen. Aber Carlo Ancelotti steckte das 1:2 im Derby gegen Inter Mailand mit der üblichen Gelassenheit weg: "Die Chance, dass ich Milan im Sommer verlasse, liegt bei Null." Worte, wie in Marmor gemeißelt. Die Klubleitung habe ihm "kein Ultimatum" gestellt, versicherte Ancelotti.
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Carlo Ancelotti gibt sich als unpolitisch - ausgerechnet im Klub von Silvio Berlusconi. (© Foto: AP)
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"Ich will bleiben, für mich ist dieser Verein wie eine Familie." Seit November 2001 ist er als Trainer dabei. Seitdem hat Ancelotti mit Milan zwei Mal die Champions League gewonnen, einmal die nationale Meisterschaft sowie die Klub-WM. Ancelotti ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt. Aber diese Saison läuft es nicht so, wie es soll.
Vergangenen Sonntag hat Ancelotti nicht nur die Stadtmeisterschaft verloren, das wäre das Wenigste. Sondern mit ziemlicher Sicherheit auch die letzte Chance für den seit fünf Jahren entbehrten Meistertitel. Elf Punkte liegt Milan hinter Inter auf dem dritten Platz. Neben den Schlagzeilen um den Dableiber Kaka und den Doch-Nicht-Dableiber Beckham ist nur der Uefa-Cup geblieben.
Immer im Schatten Berlusconis
Dort haben sich Ronaldinho, Pato, Pirlo und Kaka in die dritte Runde gefremdelt und treffen am Mittwoch auf Werder Bremen. Beckham wird mit von der Partie sein, bevor er ab dem 9.März weiter seinen Vertrag bei Los Angeles Galaxy erfüllen muss. Milan-Manager Adriano Galliani hatte zwar laut getönt, Beckham müsse bleiben, sich dann aber mit einem ernsthaften Angebot an den kalifornischen Klub vornehm zurückgehalten. Und Ancelotti tat, was er immer tut, wenn es um Transfers geht. Er schwieg.
Als Beckham kommen sollte, hatte der Trainer kurz gezuckt. Er habe genügend Freistoßspezialisten, sagte Ancelotti. Kaum war der Engländer da und wurde den Medien mit großem Pomp als Berlusconis neueste Beute vorgestellt, da lenkte sein Coach auch schon ein. Ein toller Profi sei dieser Beckham, sagte er es dann diplomatisch.
Ähnlich äußerte sich Ancelotti auch über das Wahlkampfversprechen Ronaldinho und überhaupt über alle Spieler, die sein Chef Silvio Berlusconi aus nicht immer leicht ersichtlichen Gründen bei Hofe anheuert. Der Chelsea-Heimkehrer Schewtschenko ist auch so einer. Mit ihm konnte Berlusconi die Nummer des verlorenen Sohnes vorführen. Dass Ancelotti ihn gar nicht gebrauchen kann, behielt er klug für sich.
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Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Ancelotti gehört wohl in die Kategorie Trainer, die mit den Spielern gut zurecht kommen, und das über enen ziemlich langen Zeitraum. Ich glaube jeder andere Trainer wäre in Mailand schon entlassen worden oder hätte den Verein nach relativ kurzer Zeit wieder verlassen.
bei Real, Barcelona, oder beim FCB wäre Ancelotti schon seit Jahren nicht mehr Trainer. Mit diesem Kader regelmäßig Inter hinterherhecheln und in diesem Jahr nicht mal CL zu spielen, das ginge bei vergleichbaren Klubs wohl kaum.