Von Klaus Ott und Caspar Busse

Das Kartellamt prüft, ob die die Fußballklubs die TV-Rechte der Bundesliga zentral, also im Monopol, vermarkten dürfen. Offenbar wollen die Wettbewerbshüter, dass die "Sportschau" der ARD bleibt.

Wenn die Fußball-Bundesliga alle paar Jahre die Senderechte für das Fernsehen neu verkauft, ist die Existenz der "Sportschau" in der ARD jedesmal gefährdet. Vielleicht bringe es ja mehr Geld, die Samstagspiele der ersten Liga nicht schon am frühen, sondern erst am späten Abend in einem frei empfangbaren Programm zu zeigen, so das Kalkül der Deutschen Fußball Liga (DFL), dem Verbund der 36 Profiklubs.

Bild vergrößern

Die ARD und die Sportschau scheinen durch das Kartellamt gesichert. (© Foto: AP)

Anzeige

Mehr Exklusivität für das Abofernsehen (Pay TV) und mehr Wettbewerb um die Rechte bringe höhere Einnahmen. Demnächst sollen endlich die TV-Rechte von 2009 an verkauft werden. Doch seit zehn Monaten prüft das Bundeskartellamt, eine Entscheidung soll offenbar bald fallen.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat die Wettbewerbsbehörde in dieser Woche den Beteiligten einen ersten Zwischenstand mitgeteilt. In einem Schreiben heißt es, Berichte über die Erstligaspiele müssten zeitnah nach dem Abpfiff der Spiele für das breite Publikum verfügbar sein. Offenbar soll dabei auch erklärt werden, zeitnah bedeute, vor 20 Uhr solle der Fußball im frei empfangbaren Fernsehen (Free TV) zu sehen sein.

Nur unter dieser Bedingung sei es zulässig, dass die 36 Klubs ihre Spiele gemeinsam an das Fernsehen verkauften. Diese sogenannte Zentralvermarktung, für das Amt eine Art Kartell, sei dann hinnehmbar, wenn die Allgemeinheit davon einen Nutzen habe.

Durchwinken strittiger Punkte

So steht es sinngemäß in einem Brief des Kartellamts unter anderem an den Vermarktungspartner der DFL, die Firma Sirius aus dem Umfeld des Medienunternehmers Leo Kirch. Gleichzeitig wird offenbar signalisiert, dass alle anderen strittigen Punkte des Prüfverfahrens durchgewunken werden könnten. Dazu zählte zuletzt unter anderem der von Sirius und DFL geplante Bundesligasender und das übrige Engagement von Kirchs Holding KF 15 in der Medienbranche, vor allem bei EM Sport Media mit dem Deutschen Sportfernsehen (DSF), das die Zweite Liga zeigt.

Eine Sprecherin des Kartellamtes sagte, "wir sind in konstruktiven Gesprächen mit der DFL." Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen. Aus Kirch-Kreisen heißt es, es handele sich um die "derzeitige Einschätzung" des Kartellamts. Offenbar hofft man bei Kirch, die Wettbewerbsbehörde noch von dieser Linie abbringen zu können. DFL und Sirius nahmen nicht Stellung.

In der Tat würde ein entsprechender Passus den Rechteverkauf erheblich einschränken. Letztlich würde das derzeitige Modell mit Fußball-Bundesliga bei Premiere und bei der ARD-"Sportschau" zementiert. Der Plan von DFL und Sirius, die Einnahmen in einer Rechteauktion und damit im Wettbewerb der Bieter zu steigern, wäre gescheitert.

Sirius hat der Liga drei Milliarden Euro für die kommenden sechs Jahre versprochen. Diese Rechnung dürfte dann nicht mehr aufgehen, möglicherweise wäre der gesamte Vermarktungsvertrag hinfällig. Dann könnte es auch zu erheblichen Einnahmeverlusten der DFL kommen - mit allen negativen Auswirkungen auf die deutschen Proficlubs.

Dazu passt, dass die ARD ausgerechnet jetzt, da die Rettung der "Sportschau" nahe scheint, den Preis drücken will und eine neue Rechnung präsentiert. In einer Stellungnahme für das Kartellamt kritisiert die ARD den neuen Spielplan, der nur noch fünf statt sechs Erstligakicks am Samstagnachmittag vorsieht. Das mindere den Wert der "Sportschau" um mehr als 16 Prozent. Außerdem beklagt die ARD in ihrem Schreiben an das Kartellamt, dass es künftig acht Mal pro Saison ein Top-Spiel am Samstagabend geben soll, das dann nach der "Sportschau" laufen soll.

Das würde den Preis weiter nach unten treiben, heißt es. Solche Einwände gehören sicher auch zum Verhandlungspoker. Bevor der beginnen kann, muss das Kartellamt aber erst abschließend entscheiden. Die Gespräche laufen noch auf Hochtouren.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(SZ vom 17.07.2008/pes)