Von Moritz Kielbassa

Auch ohne einige namhafte Spieler besiegt der FC Bayern durch zwei Müller-Tore den AC Mailand 4:1. Im Finale am heutigen Donnerstag wartet Manchester United.

Vorweg: Franck Ribéry geht es gut. Der verletzte Hauptdarsteller dieses Sommers beim FC Bayern nahm in heiterer Verfassung am Saison-Fotoshooting der Mannschaft teil, ebenso an der Jubiläumsfete einer Münchner Szene-Pizzeria, die auch Kollege Luca Toni liebt und die seit zwei Jahren besteht. 98 Jahre länger gibt es den Automobilsponsor des FC Bayern, und der gönnt sich zum runden Geburtstag ein Fußballturnier mit vier Weltpokalsiegern.

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Neue Option im Angriff: Thomas Müller schießt gegen Mailand zwei Tore. (© Foto: AP)

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Im Halbfinale dieses Audi-Cups schlugen die Bayern am Mittwochabend den AC Mailand nach ansprechender Testspielleistung 4:1 (1:0), ohne Ribéry und viele weitere prominente Kräfte, teils wegen Verletzung, teils vom Trainer gewollt. Tore von Jungstürmer Müller (12./90.), Schweinsteiger (79.) und U23- Angreifer Sene (89.) führten bei einem Gegentor von Pirlo (81.) ins Endspiel am Donnerstag (20.45 Uhr) gegen Manchester United, das die Boca Juniors 2:1 besiegt hatte. Die Argentinier ermitteln gegen Milan vor dem Finale den Turnierdritten.

Vier Klubs mit historischem Anspruch auf Größe und globale Erfolge - da darf das Flair der Veranstaltung mondän sein, obwohl alle vier Trainer betonten, es gehe nicht um Weltpokalsiegerduelle, sondern nur: um Freundschaftsspiele. 130.000 Tickets hat man verkauft, es gab aufwendige Stadionchoreografien, und im ersten Halbfinale liefen gleich Branchengrößen wie Rooney, Giggs (ManU) oder Riquelme (Boca) auf.

Mit einem Tässchen Kaffee, Stift und Block spionierten auf der Tribüne Hermann Gerland und Andries Jonker, die Co-Trainer der Bayern. Trotz gemütlicher Spielgeschwindigkeit sahen sie herrliche Tore der Briten, durch Anderson (22.) und Valencia (42.), den Sturm-Zugang aus Ecuador, der helfen soll, die zu Real gewechselte Galionsfigur Ronaldo zu ersetzen. Ebenfalls hübsch: Insuas 1:2 für die Boca Juniors (55.). Das Eventpublikum in der Arena, in sommerlicher Open-Air-Laune, klatschte dankbar.

Danach kamen die Bayern, aufgestellt ohne Rücksicht auf Rang und Namen. Neben vielen Ausfällen in der Offensive - Ribéry, Toni, Olic und Klose (krank) - verzichtete Louis van Gaal in der Abwehr erneut auf Martin Demichelis und im Mittelfeld auf Anatoli Timoschtschuk. Dem teuren Zugang aus St. Petersburg zieht der Trainer derzeit Mark van Bommel als Autorität im zentralen Mittelfeld vor - und halbrechts neuerdings den fleißigen Hamit Altintop.

Noch läuft die Findungsphase vor der Saison, dennoch haben diese Personalien schon gewisse Aussagekraft, ebenso die Gestaltung der Abwehrkette, in der Daniel van Buyten die Nebenleute Lahm, Badstuber und Braafheid anweist. Im Tor stand auch gegen Milan Favorit Jörg Butt, er patzte allerdings bei Pirlos Flatterfreistoß zum 1:2. Nur die jungen Probanden vorne, Thomas Müller (Sturm, neben Gomez) und José Sosa (auf Ribérys Zehner-Posten) sind keine langfristigen Stammplatzanwärter - vermutlich.

Denn so genau weiß das niemand bei diesem Trainer, und Müller, 19, traf gegen klar unterlegene Mailänder früh zum 1:0 (12.), nach Vorarbeit von, richtig, Sosa, den zuvor Altintop rechts einsetzte. Nicht nur personell ging vieles auf, man bekam auch strategische Anhaltspunkte für van Gaals Fußball: Die Bayern kombinierten mal flott und giftig, mal sicher hintenrum und hinüber zur anderen Seite, wie es ihnen ihr Passspiel-Dozent aus Holland beibringt. Van Bommel dirigierte in der Mitte mit Wonne, man lernte die ins Lässige lappende Ruhe des jungen Innenverteidigers Holger Badstuber kennen, die Flankenkraft des auffälligen Neuen am linken Flügel, Daniel Pranjic - und auch ein paar technische Holprigkeiten seines Hintermanns Edson Braafheid.

Manko der Bayern anfangs: Sie vergaben eine Menge guter Chancen, insbesondere Mario Gomez. Die alternden Granden der Mailänder, wie Ronaldinho, Pirlo, Zambrotta, Gattuso oder Nesta, wirkten müde. Der neue AC-Trainer, Leonardo, muss ja ebenfalls eine zu Real gewechselte Galionsfigur ersetzen, Kaka, und sein Team hat gerade eine strapaziöse PR-Fernreise hinter sich, quer durch alle Zeitzonen der USA.

Verglichen damit, waren die viel beklagten Inlandsfahrten der Bayern in der Vorbereitung harmlos. Nächsten Sonntag spielen sie im Pokal beim badischen Sechstligisten Neckarelz, das sei "wichtiger als ManU und Milan", hatte van Gaal bereits klar eingeordnet. In der zweiten Halbzeit baute er die linke Seite um: Braafheid raus, Pranjic nach hinten - und Bastian Schweinsteiger neu ins Mittelfeld. Der Nationalspieler erzielte, wie schon zuletzt in Köln, das 2:0. Sene, Dienstag noch für die U23 erfolgreich, und Müller legten nach.

Bayern München: Butt - Lahm, van Buyten (63. Demichelis), Badstuber (63. Breno), Braafheid (46.Schweinsteiger) - van Bommel (63. Ottl) - Altintop (63. Timoschtschuk), Pranjic - Sosa (63. Baumjohann) - Gomez (81. Sene), Müller

Tore: 1:0 Müller (12.), 2:0 Schweinsteiger (79.), 2:1 Pirlo (81.), Sene (89.), Müller (90.) - Zuschauer: 61000

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(SZ vom 30.07.2009)