Der Spanier Raúl, 33, wechselt zum ersten Mal in seiner Karriere die Stadt. Früher erhielten vereinstreue Fußballer wie er als Belohnung Kosenamen wie "Uns Uwe" oder "der treue Charly". Stilbildend ist aber eher Marco Pantelic.
In Florenz gibt es jedes Jahr ein Sportspektakel mit dem Namen Calcio storico - historischer Fußball. Erstmals trafen sich im Jahr 1580 Mannschaften aus den vier Teilen der Stadt, um gegeneinander anzutreten. Bis heute kämpfen die Azzurri aus Santa Croce gegen die Rossi aus Santa Maria Novella, die Bianchi aus Santo Spirito gegen die Verde aus San Giovanni. Dass ein Spieler gegen Handgeld von San Giovanni nach Santa Croce oder von Santo Spirito nach Santa Maria Novella wechselt, ist nicht bekannt. Es gelten noch alte Werte.
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Abschied aus Madrid: Nach einem Leben in Spaniens Hauptstadt wird die Familie Gónzalez Blanco vermutlich ihrem Mann nach Deutschland folgen. (© afp)
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Die alten Werte besagen, dass eine Fußballmannschaft eine Stadt, einen Stadtteil oder ein Dorf repräsentiert. Mit Spielern aus dieser Stadt, dem Stadtteil oder dem Dorf. Zumindest aber aus der Region. Damit sich die Zuschauer, die Fans mit dieser Mannschaft identifizieren können. Diese Sehnsucht gibt es auch heute noch auf den Rängen der riesigen Stadien des Profifußballs. In Zeiten der unübersichtlichen Globalisierung steigt die Sehnsucht bisweilen sogar. Dabei wird sie (fast) immer enttäuscht.
Raúl González Blanco hat viele Tränen verloren, als er zum vielleicht letzten Mal über den Rasen des Santiago-Bernabéu-Stadions in Madrid gegangen ist. Hinüber zu den 1500 Fans, die sich am Montagmittag auf die Tribüne gesetzt haben, obwohl sie gar nicht geladen waren. Einfach nur, um sich von ihrem Idol zu verabschieden. Raúl González Blanco hatte 16 Jahre lang auf diesem Rasen gespielt, zumeist ziemlich gut und erfolgreich, er hat 16 Titel geholt, 228 Tore geschossen in 550 Ligaspielen. Der 33-Jährige wurde in Madrid geboren und ist im Vorort San Cristóbal de Los Ángeles aufgewachsen. Mehr Identifikation geht nicht.
Und wo gibt es das noch? 16 Jahre in einem Verein? Schon vor Jahrzehnten haben solche Leute Kosenamen bekommen wie "Uns Uwe" oder "der treue Charly". Ein Seeler (Hamburger SV) und ein Körbel (Eintracht Frankfurt) schafften 19 Erstliga-Spielzeiten in ihren Klubs, heute ist eher ein Marco Pantelic stilbildend, der es in 14 Profi-Jahren auf zwölf Vereine und acht Länder brachte.
Doch wer will es dem Serben in dieser kapitalgesteuerten Welt verdenken? Ein Klubwechsel wird zumeist mit Handgeld, höherem Gehalt et cetera versüßt. Und weil auch die Spielerberater bei Handgeld und bei der Ablösesumme partizipieren (meistens mit zehn Prozent), drängen die wenigsten Berater ihre Spieler zum Bleiben. Dass Uwe Seeler Anfang der sechziger Jahre ein für damalige Verhältnisse irrwitziges Angebot von Inter Mailand ausgeschlagen hat, weil er sich so mit seiner Stadt Hamburg verbunden fühlte, wirkt nach heutigen Maßstäben fast romantisch.
Raúl sagte zum Abschied in Madrid: "Heute beginnt mein neues Leben." Er, seine Frau und die fünf Kinder werden zum ersten Mal die Heimatstadt verlassen. Auch das gibt es eigentlich gar nicht mehr im Leben eines Fußballprofis, das ja zunehmend ein Nomadendasein einfordert (oder zumindest die Bereitschaft, mit dem Hubschrauber zum Training zu fliegen, siehe Jens Lehmann). Ziel der Familie Gónzalez ist offenbar Düsseldorf, der Familienvater wird sein Geld wohl in Gelsenkirchen verdienen.
Dort wird er auf einen Trainer treffen, der Erfahrungen hat mit Ortswechseln und ihm bei der Eingewöhnung sicherlich helfen kann. Als Raúl 1994 sein erstes Pflichtspiel für Real bestritt, arbeitete Felix Magath gerade als Ko-Trainer von Benno Möhlmann beim Hamburger SV. Seitdem hat Magath acht Bundesliga-Vereine in acht verschiedenen Städten betreut.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/aum)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Die Verpflichtung von Raul ist für Schalke und das internationale Renommee und die Attraktivität der Bundesliga eine super Sache.
Und es spricht für den sympathischen und vorbildlichen Raul, dass er die sportliche Herausforderung Schalke und Bundesliga annimmt und nicht zu den Ölscheichs oder in die USA gegegangen ist, wo er mehr hätte verdienen und eine ruhigere Kugel hätte schieben können.
Von Madrid nach Gelsenkirchen wäre dann wohl doch ein zu großer Kulturschock.
Die folgende Liste hat mich ca. 1 Minute Überlegen gekostet:
Gerrard (Liverpool), Terry (Chelsea), Maldini (AC Mailand), Xavi/Iniesta/Puyol (Barcelona), Schweinsteiger (Bayern), Casillas (Madrid), Del Piero (Juve)
Den Typus des "One Club Man" gibt es also heute auch noch.
Und ist die Geschichte von Podolski, der auf viel Geld verzichtet, um in das geliebte Köln zurückzugehen, nicht mindestens genauso romantisch wie der Verbleib von Uns Uwe in Hamburg?