Die türkische Presse hat ihre Nationalmannschaft nach dem EM-Aus scharf kritisiert - und fordert Konsequenzen.
Mit dem 2:2 in Istanbul hatte Außenseiter Lettland verhindert, dass der WM-Dritte Türkei zur EM 2004 reisen kann. Die Medien kannten kein Pardon, und ihre Forderungen waren klar: Trainer Senol Günes solle zurücktreten, die ganze Nationalmannschaft gleich mit, ein Neuanfang sei dringend notwendig.
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"Skandal des Jahrhunderts im Inönü-Stadion", erboste sich die Zeitung Fanatik. "Wir hielten uns für die Drittbesten der Welt, jetzt ist die Welt über unseren Köpfen zusammengebrochen."
Am Dienstag hatte auch die türkische U21 durch ein 1:1 gegen die deutschen Fußball-Junioren die EM-Endrunde verpasst. Gegen das Scheitern der A-Mannschaft war dies für die türkischen Fans aber eher ein Fauxpas. Das Aus der Nationalelf, die gegen Lettland durch Ilhan Mansiz (20. Minute) und Hakan Sükür (64.) schon 2:0 geführt hatte, finden sie dagegen unverzeihlich.
"Dafür gibt es keine Entschuldigung, es ist ein Skandal", wetterte Fotomac und beschwor "das Ende einer Epoche. Jetzt sind Neue gefragt, die nicht gesättigt sind, nach Erfolg dürsten und nicht an Prämien und Geld denken." - "Ein historischer Schandfleck", titelte Hürriyet. Die Zeit für eine radikale Veränderung sei gekommen, einige Spieler seien in der Nationalmannschaft inzwischen fehl am Platz. Fotomac drückte es noch drastischer aus: "Wir haben Selbstmord begangen." Die Nationalelf und der türkische Fußball haben ein "Erdbeben" erlebt.
Trainer will im Amt bleiben
Der stark kritisierte Trainer Günes will sein Amt allerdings nicht zur Verfügung stellen. "Ich werde nicht aufgeben. Das entspricht nicht meinem Wesen." Er entschuldigte sich bei der ganzen Nation und blickte voraus. "Ich werde mit diesem Schmerz leben, und wir werden für die nächsten Turniere eine junge Mannschaft aufbauen", versprach Günes.
1996 hatte sich die Türkei erstmals für eine EM-Endrunde qualifiziert und war 2000 bis ins Viertelfinale gekommen. Der jetzt verspielten dritten EM-Teilnahme sollte man unter dem türkischen Halbmond nun nicht lange nachtrauern, sondern keine Minute verlieren und die WM 2006 ins Visier nehmen - so lautete der Tenor in den Kommentaren der Presse. Und: Wenn schon Neuanfang, dann auch mit neuem Personal. "Tretet alle zurück und macht euch davon, meine Herren", forderte das Blatt Sabah.
In Lettland dagegen feierten die Menschen den Aufstieg ihres Teams in die EM-Endrunde mit spontanen Partys auf den Straßen, Hupkonzerten und Feuerwerk. "Das ist das Größte, was es in unserer Fußball-Geschichte jemals gegeben hat", jubelte der lettische Verbandspräsident Guntis Indriksons.
Nicht ganz so euphorisch wie Stürmer Maris Verpakowskis, der das 2:2 erzielt hatte, wurde der eigentliche Vater des Erfolgs, Coach Aleksandrs Starkows, gefeiert. Der 48 Jahre alte frühere Stürmer von Dynamo Moskau ist seit sechs Jahren Trainer der Letten und trainiert zusätzlich den Spitzenklub Skonto Riga, der insgesamt neun Nationalspieler stellt. Starkows war gerührt und sagte: "Dieser Erfolg ist ein märchenhaftes Erlebnis."
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(sueddeutsche.de/dpa/sid)
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