Fußball-Transfers Kaufst du noch oder leihst du schon?

Selten gab es derart viele Leihgeschäfte im Fußball wie in diesem Sommer. Warum das so ist, zeigt sich exemplarisch beim FC Bayern.

Kommentar von Christof Kneer

Arbeitsplatzwechsel von Fußballprofis werden inzwischen fast wie behördliche Vorgänge behandelt. Es werden vorbildliche Pressemeldungen aufgesetzt, in denen in feinstem Behördendeutsch von aufnehmenden und abgebenden Vereinen die Rede ist. Gerne kommen auch die Funktionäre des aufnehmenden Vereins sowie der käuflich erworbene Spieler zu Wort, und zwar stets mit Sätzen, die man im normalen Leben niemals sagen würde. Gerne ist von "Nachhaltigkeit" und "Philosophie" die Rede, und am Ende des Kommuniqués hat man dann in etwa begriffen, worum es geht: darum, dass ein Spieler von A nach B wechselt, weil er für A zu gut geworden ist und bei B das Dreifache verdient. Oder weil er eben nicht mehr gut genug für A ist und deshalb jetzt für ein Drittel der Kohle zu B flüchtet.

Man darf davon ausgehen, dass es in den zuständigen Pressestellen zuletzt zu vermehrter Hektik gekommen ist. Die schönen Wechselverlautbarungsvorlagen, in die man nur den Spielernamen, die Vertragslaufzeit sowie den abgebenden Verein einzusetzen hatte, mussten gründlich überarbeitet werden: Zum Einsatz kommen jetzt immer häufiger Formulierungen wie "auf Leihbasis" oder "bei anschließender Kaufoption". Leasinggeschäfte hat es im Fußball immer gegeben, inzwischen beschleicht einen aber das Gefühl, als gebe es gar keine anderen mehr. Um eine Entwicklung aber wirklich zu begreifen, braucht es manchmal ein prominentes Beispiel, und so ist es wieder mal der FC Bayern, der einen Trend sichtbar macht und zuspitzt.

James Rodríguez: für zwei Jahre von Real Madrid ausgeliehen plus Kaufoption. Douglas Costa: für ein Jahr an Juventus Turin ausgeliehen plus Kaufoption. Und Serge Gnabry: Dürfte von den Bayern bald an die TSG Hoffenheim ausgeliehen werden, ohne Kaufoption.

Die Ausleihe von Serge Gnabry steht unmittelbar bevor

Wenn man so will, ist es den Bayern zu verdanken, dass die Leihe ihren schlechten Leumund verliert. Leihgeschäfte waren meist die Gebrauchtwagendeals unter den Transfergeschäften, es waren die Anschaffungen des kleinen Mannes. Klubs, die groß und stark waren, überließen diese Notgroschennummer gerne den sozial Schwächeren. Nun aber, da der Markt wie nie mit Talenten und Geld geflutet wird, ist die Leihe zum business as usual geworden, zum Multifunktionswerkzeug für alle Lebenslagen.

Kaufst du noch oder leihst du schon? Die Leihe bietet inzwischen Varianten für alle Transfer-Bedürfnisse an. Es geht längst nicht mehr nur darum, wie früher den Kreuzbandriss des Abwehrchefs durch eine Winter-Leihe aufzufangen.

Heute können sich Klubs strategisch mit Talenten eindecken, um sie dann zur Tauglichkeitsprüfung sowie zum Erwerb von Spielpraxis an einen Klub zu verleihen, der auf dieser Position Bedarf hat (Gnabry). Klubs können den durchgedrehten Markt überlisten und einen Spieler, den sie für 50 Millionen nie kaufen würden, für zwei Jahre und weniger als zehn Millionen leihen (James) - und sie können das Geschäft cool auslaufen lassen, falls ein neuer Trainer kommt, der auf den Wunschspieler des alten Trainers gar nicht steht. Und ganz neu ist der Trend, der hinter dem Costa-Deal hervorscheint: Inzwischen ist der Markt so absurd überteuert, dass selbst Topklubs wie Juventus Turin aus wirtschaftlich-bilanziellen Gründen manchmal nicht leihen wollen - sondern müssen.

Ansagen mit Anzug

Der FC Bayern stellt stolz seinen charismatischen Neuzugang James Rodríguez vor und freut sich über den Like-Zuwachs in den sozialen Netzwerken. Trotzdem ist es kein Tag für leise Debatten beim Rekordmeister. Von Sebastian Fischer mehr...