Von Christof Kneer

Maicon, Coentrão, Aogo: Außenverteidiger sind die heißeste Ware auf dem Transfermarkt - auch die Bundesliga sucht verzweifelt. Doch deutsche Klubs bervorzugen Alternativlösungen, statt Millionen auszugeben.

Felix Magath ist inzwischen alles zuzutrauen. Er hat einen gleichsam göttlichen Status erreicht, der es ihm erlauben würde, für den vakanten Posten des linken Außenverteidigers einen Teebeutel zu verpflichten. Oh, was hat der Magath jetzt wieder vor, würde die Branche ehrfurchtsvoll raunen und sich insgeheim schwarz ärgern, dass sie diesen Teebeutel nicht selbst entdeckt hat.

Brazil's Maicon controls the ball against Italy during their Confederations Cup soccer match in Pretoria Bild vergrößern

Teuerster Außenverteidiger der Welt: Maicon wechselt von Inter Mailand zu Real Madrid für 28 Millionen Euro. (© REUTERS)

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Am Montag meldete Schalke tatsächlich die Verpflichtung eines neuen Linksverteidigers, es handelt sich hierbei um einen Spanier namens Sergio Escudero. Die Daten seiner Laufbahn passen gut auf einen herkömmlichen Teebeutel, Escudero ist 20 Jahre alt und war bisher beim spanischen Zweitliga-Absteiger Real Murcia angestellt. Umsonst kommt Escudero nicht, laut Branchenfunk wurde er auch von Dynamo Moskau, Ajax Amsterdam und dem RSC Anderlecht umworben, aber er kommt auf jeden Fall billiger als der Uruguayer Jorge Fucile (FC Porto) oder der Wolfsburger Marcel Schäfer, deren Verpflichtung die Schalker ebenfalls geprüft hatten.

Juventus umwirbt Aogo

Wer das Konsumverhalten der Bundesligisten in der Sommerpause erforscht, kommt zu dem Schluss, dass es sich bei den Außenverteidigern um die teuersten Teebeutel der Welt handelt. Auf keiner Position weicht der Marktwert so sehr von der Bekanntheit und/oder Qualität des Spielers ab wie am hinteren Spielfeldrand.

Am Montag kam auch die Meldung, dass Juventus Turin dabei sei, den Hamburger Linksverteidiger Dennis Aogo käuflich zu erwerben, etwa zehn Millionen Euro wolle sich Juve diese Personalie kosten lassen, meldet der Corriere dello Sport. der 23-jährige Aogo ist ein guter Spieler, aber bei der WM hat ihm Bundestrainer Löw so wenig vertraut, dass er ihm die positionsfremden Holger Badstuber und Jerome Boateng vorzog. Erst im Spiel um Platz drei, jener Partie, die freundlicherweise für treue Reservisten erfunden wurde, durfte Aogo mitspielen. Er spielte gut. Aber zehn Millionen?

Wahrscheinlich ist es so, dass Aogo genauso zehn Millionen wert ist wie Fabio Coentrão 30 Millionen wert ist. Auch der 22-jährige Coentrão, ist ein guter Spieler, er hat bei der WM mit frechen Vorwärtsläufen imponiert, aber im Grunde ist völlig unbewiesen, ob der vorübergehend vom FC Bayern beobachtete Portugiese dauerhaft zum stabilen Außenverteidiger taugt. Er ist erst seit einem Jahr Stammspieler bei Benfica Lissabon, und die unverbindliche Preisempfehlung lautet: 30 Millionen. Verantwortungsbewusste Trainer ziehen aus dieser Spielerbiographie, die auf einem nicht sehr großen Teebeutel Platz findet, den Schluss: Nicht kaufen! Jedenfalls nicht zu diesem Preis.

"Für einen Linksverteidiger gebe ich keine 30 Millionen Euro aus", sagt Bayern-Coach Louis van Gaal und ergänzt: "Auch keine 15." Dasselbe gilt für Rechtsverteidiger, denn auch von der Anschaffung des auf 18 Millionen taxierten Holländers Gregory van der Wiel sah der FC Bayern ab. Links hinten soll künftig Diego Contento spielen, ein 20-Jähriger aus dem hauseigenen Unterbau. Van Gaal dürfte mit einigem Recht der Meinung sein, dass Contento keinesfalls 30 Millionen schlechter ist als Coentrão.

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