Kein Geld, keine Zuschauer, keine Übertragungen im Fernsehen: In der Regionalliga können sogenannte Traditionsklubs kaum existieren.
Am Stuttgarter Schlossplatz, mitten in der Innenstadt, haben sie gerade eine Ausstellung über den Fußball im Südwesten eröffnet. Der Titel - "Gefühle, wo man schwer beschreiben kann" - basiert auf einem Bonmot von Jürgen Klinsmann und dürfte Touristen aus Hannover oder Berlin vor Schreck zusammenzucken lassen. Der Stürmer hatte bei aller Freude über den EM-Sieg 1996 vergessen, dass das ein Satz ist, wo außerhalb vom Südwesten ein wenig merkwürdig klingt.
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Darmstadt 98: Fans gibt es genug - doch die wollen nicht die zweiten Mannschaften von Profiklubs sehen. (© Foto: Imago)
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In der Stadionzeitung der Kickers haben sie der Ausstellung eine ganze Seite gewidmet, und das längst nicht nur, weil darin auch ein Plakat gezeigt wird, das für ihr Freundschaftsspiel gegen Real Madrid warb, 1963. Nein, Klinsmann haben sie hier oben in Degerlochs Höhen als einen der Ihren im Gedächtnis behalten. Als den bekanntesten unter vielen Fußball-Prominenten, die ihre Karriere hier gestartet haben. Wie Guido Buchwald, Karl Allgöwer, Fredi Bobic und all die anderen.
In der Ewigen Tabelle der zweiten Liga belegen die Kickers Platz drei, Darmstadt 98 Rang zwölf. An diesem Donnerstagabend treffen die beiden Traditionsklubs beim Nachholspiel der Regionalliga Süd aufeinander - vierte Liga ist das. Tom Eilers hat schon mal einen Blick ins Stadion geworfen. "Mau", sagt er, "keine zweitausend Zuschauer." Der Jurist berät das Darmstädter Präsidium.
Und wer seine ausladenden Hände sieht, kann sich nicht vorstellen, dass er sich früher als Zweitligakeeper überhaupt werfen musste, um an die Bälle zu kommen. Heute ist Darmstadt Vorletzter der Regionalliga Süd, am Ende der Saison wäre Eilers heilfroh über den Klassenerhalt. Dabei hält er diese Liga für ein Auslaufmodell: kaum Fernsehgeld, und gleich sieben U23-Mannschaften von Profivereinen (Nord: sechs, West: acht).
Teams wie Wehen-Wiesbaden II also, die weder in Wiesbaden noch in Darmstadt jemand sehen will. "Eine Ausbildungsliga mit Zweitmannschaften", stöhnt Eilers, "die Wahrnehmung der Regionalliga ist katastrophal." Nur einmal im Jahr, beim Lokalderby, empfinde er etwas, das ihm ansonsten bei den Heimspielen abgeht: "Wenn wir gegen Hessen Kassel spielen, hat man das Gefühl, wir sind beim Fußball."
Was ihm vorschwebt, ist eine zweigleisige vierte Liga ohne U23-Teams. Jeder hätte mehr Geld, die Begegnungen wären attraktiver. Ob er mit baldiger Realisierung seiner Pläne rechne? Eilers lächelt etwas säuerlich.
Auch Rüdiger Bartsch kostet es hörbar Mühe, höflich über die Liga zu sprechen. Bartsch ist Manager des 1.FC Magdeburg. Der Verein hat den 102-maligen Nationalspieler Joachim Streich und Jürgen Sparwasser hervorgebracht. Neben Dynamo Dresden war der FCM zu DDR-Zeiten der wohl populärste Verein. Auch deshalb berichtet der MDR ellenlang von den Spielen in der hochmodernen Magdeburger Arena, während andere dritte Programme die vierte Liga komplett ignorieren.
"Klar unterbezahlt" sei man mit den 90.000 Euro, die der DFB an Fernsehgeldern pro Regionalligist ausschüttet, findet Bartsch. Wer von der ersten in die zweite Liga absteige, bekomme statt zwölf Millionen Euro nur vier, also ein Drittel. Aber als Viertligist bekommen man nur ein Zehntel von einem Drittligisten. "Da kann ja etwas nicht stimmen."
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Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Grantlerhesse, Sie haben damit recht, dass etwa beim SV Darmstadt 98 auch bei Spielen gegen Nicht-Reservemannschaften wenig Zuschauer kommen. Zumindest weniger als man das am Böllenfalltor gewohnt war. Das insgesamt mangelnde Zuschauerinteresse liegt jedoch - wie im Artikel beschrieben - hauptsächlich an der mangelnden Attraktivität der Regionalliga. Aufgrund der Tatsache, dass es nur einen Aufsteiger gibt, ist nämlich für fast alle Mannschaften der Liga absolut nichts zu erreichen. Es ist schlichtweg egal, auf welchem Tabellenplatz man landet. Und ob man vor oder hinter dieser oder jener Reservemannschaft liegt, interessiert erst recht nicht. Selbst der Abstiegskampf ist eine Farce, da erfahrungsgemäß aufgrund diverser wirtschaftlicher Pleiten erst nach der Saison feststeht, welche Tabellenplätze den nun überhaupt zum Abstieg führen - wenn überhaupt. Kein Wunder, dass unter diesen Umständen die Zuschauer auch gegen Nicht-Reservemannschaften nicht gerade zahlreich ins Stadion strömen. Beim SV 98 ist dies zudem verbunden mit einer jahrelangen Abwärtstendenz ohne erkennbares Licht am Ende des Tunnels...
Nachtrag:
Die Bildunterschrift "Darmstadt 98: Fans gibt es genug - doch die wollen nicht die zweiten Mannschaften von Profiklubs sehen." Ist auch ein wenig Irre führend. Beim SV Darmstadt 98 kommen in der Rückrunde regelmäßig an die 2000 Fans. Das war in den letzten Heimspielen sowohl gegen Reservemannschaften so, als auch gegen "reguläre" Teams. Ausnahme war das Hessenderby gegen Hessen Kassel wo ca. 4000 Fans da waren. Selbst gegen Ulm kamen "nur" 2200 Zuschauer. Gegen die Stuttgarter Kickers waren es 2500. Zu Saisonbeginn waren es tendenziell ein paar mehr, aber das war eben auch bei schönem Wetter im August und September...
Ich denke man sucht die Schuldigen an der falschen Stelle und auch im Artikel wird dies m.E. nicht kritisch genug hinterfragt, was die wahren Gründe für die Abstiege der "Traditionsvereine" sind.
... das Spiel war bereits am Dienstag (13.04.) und endete 1:1.
Sonst aber ein prima Artikel. Naja, ich vermisste auch Zoltan Sebescen, den grandiosen Nationalspieler, bei der Auflistung der alten Fußballgrößen aus dem Kickers-Stall ...
Ich denke die Zuschauerproblematik kommt nicht allein von den schwach besuchten Reservemannschaften her. Der FC Oberneuland ist ja nun mal eben keine zweite Mannschaft. Ebensowenig Türkyemspor Berlin, der am vergangenen Sonntag 319 Zuschauer gegen den Halleschen FC begrüßen durfte. So weit von Halle nach Berlin ist es nun auch wieder nicht. Selbst beim FC St. Pauli II waren es da beinah doppelt so viele in der Vorwoche gegen den Zuschauergiganten ZFC Meuselwitz. Bim Goslarer SC gegen den 1. FC Magdeburg kamen 300 Fans ins Stadion, auch da war die "weite" Anreise für die Massen an Fans des Traditionsklubs aus Magdeburg wohl Grund für deren Ausbleiben, oder?
Was heisst schon "Traditionsverein"? Heisst das dass man automatisch ein Anrecht darauf hat, mindestens in der zweiten Liga zu spielen? Vereine mit vergleichsweise geringen Mitteln wie der SC Freiburg, der FSV Mainz, aktuell der FC St. Pauli schaffen es doch in der zweiten oder gar in der ersten Liga zu kicken, es ist also durchaus möglich!
Und für wirkliche Werbung im großen Stil ist die 4. Liga nun mal einfach zu unattraktiv. Auch was das Fernsehen angeht. Da kann man sich auch auf eine gloreiche Vergangenheit nicht berufen. Wer will denn Spiele wie FC Oberneuland gegen ZFC Meuselwitz im TV sehen, wo doch ohnehin schon beinah jeden Tag Bundesliga, Champions-League, Europa-League, Zweite Liga und Regionalliga zu sehen sind. Das ist maximal für die Dritten was und dann ist eben die Frage, ob die Masse der Hessen ein Interesse daran hat, wie es dem SV Darmstadt 98 oder dem KSV Hessen Kassel ergeht, oder wie sich Wehen-Wiesbaden II in der Regionalliga schlägt, wo doch schon die erste Mannschaft kaum Beachtung findet in der Öffentlichkeit.
Beispiele wie St. Pauli oder Düsseldorf jedoch zeigen, dass es durchaus möglich ist aus der Versenkung wieder aufzutauchen, wenn das entsprechende Fanpotential da ist und sich dann auch entsprechende Sponsoren finden, für die der Verein wirklich attraktiv ist.
Und dass es trotz solider Finanzen manchmal eben sportlich nicht ausreicht, das ist eben so. Ich sehe es ja bei den Kickers aus Offenbach, die ich ein bischen intensiver verfolge. Da geht es seit ein paar Jahren durchaus solide zu. Dennoch schaffen sie es nicht, eine Truppe zusammenzustellen, die es schafft sich dauerhaft in der 2. Liga zu etablieren. Sie spielen in der 3. Liga recht weit oben mit, aber zu mehr reicht es eben nicht. Aber sind daran die Reservemannschaften der Profivereine schuld? Wohl k
Hier wird der Sinn und Zweck der Spiele der Zweitvertretungen in einer hypotetischen eigenen Liga hinterfragt. Das ist m.S. richtig weil problematisch.
Das Problem ist ja nur das es dieses Problem schon gibt.
Bei uns in der Regio West sind es ja schon 8 Zweitvertretungen bei 18 Mannschaften. Da stellt sich die Frage des Users Aus Haching nach dem Sinn dieser Spiele also jetzt schon, wo fast 50% der Liga aus Zweitvertretungen bestehen. Ganz abgesehen davon das Spiele dieser Mannschaften untereinander auch schon mal Mittwochs um 14 Uhr stattfinden. Oder war es um 11 Uhr? Auf jeden Fall absurd. Ist ja eh egal, weils kaum einen interessiert.
Und jemand hier schert doch die Traditionsmannschaften über einen Kamm, wenn er schreibt das alle nicht mit Geld umgehen können.
Welcher Bundesligist ist denn nicht verschuldet?
Bei Preußen Münster wird auf jeden Fall solide gewirtschaftet, es wurde mal ein Schuldenberg angehäuft, der aber bei weiterer guter Arbeit in ein oder 2 Jahren abgetragen ist. Nur sportlich funktioniert es nicht. Da sind aber, da muß ich ehrlich sein. wohl nicht die Zweitvertretungen Schuld.
Paging