Das Jugendkonzept im deutschen Fußball ist erfolgreich. Doch inzwischen sind Talente vor allem Humankapital. Spielerberater und Vereine kämpfen schon um 14-Jährige mit allen Mitteln.
An diesem Dienstag hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) nach Mönchengladbach geladen. Besucher dürfen sich auf eine Führung durch die Jugendakademie der Borussia freuen, vor allem aber sollen sie eine Erfolgsgeschichte zu hören bekommen: die Geschichte von zehn Jahren Nachwuchsleistungszentren im deutschen Profifußball. Man darf sich auf allgemeines Schulterklopfern einstellen - und auch auf ein paar stetig anschwellende Zwischentöne.
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Die große Karriere? Kinder sind in Fußball zu "Human Capital" geworden. (© dpa)
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In der Stunde Null des deutschen Fußballs, nach der blamablen EM 2000, hat die Liga gemeinsam mit den Profiklubs ihre Ausbildungskonzepte nicht nur verbessert, sondern durchaus revolutioniert. Andreas Rettig, Manager des Zweitligisten FC Augsburg und Vorsitzender der "Kommission Leistungszentren" bei der DFL, sagt: "Wir haben Grund, ein bisschen stolz zurückzublicken. Alle 36 Profiklubs sind inzwischen mit innerer Überzeugung bei der Sache und begreifen Nachwuchsförderung längst nicht mehr als Übel, welches Kosten verursacht, sondern als Chance."
Nun ist es allerdings so, dass es von der Chance zum Geschäftsmodell nur ein kleiner Schritt ist. In Zeiten, in denen die erste deutsche Internatsgeneration bei der WM in Südafrika den Rest der Welt in Verzückung versetzt und die zweite Internatsgeneration vermutlich bald in schwarz-gelben Trikots deutscher Meister wird, geht es in den Jugendakademien manchmal zu wie auf dem Wochenmarkt. Die dritte und die vierte Internatsgeneration werden von den Vereinen längst als das Humankapital von morgen begriffen. Es tobt ein mit allen Mitteln geführter Kampf um die Kinder. Rettig gibt unumwunden zu: "Es gibt auch Themen, die uns Sorgen bereiten."
Jüngstes Beispiel im Wettbieten um die Talente ist der vergangene Woche publik gewordene Streit zwischen Hertha BSC und 1899 Hoffenheim. Der Erstligist aus dem Kraichgau hat sich jüngst die Dienste eines 14- und eines 15-jährigen Nachwuchsspielers aus der Hauptstadt gesichert (Namen der Redaktion bekannt). Am Rande eines Jugendspiels kam es daraufhin zu einem hitzigen Wortgefecht zwischen Herthas Nachwuchsscout Wolfgang Damm und Hoffenheims Chefscout Wolfgang Geiger, in dessen Verlauf Geiger getobt haben soll: "Was bildet sich Hertha BSC ein, dieser Stasi-Verein!"
Berlins Manager Michael Preetz sprach daraufhin nicht nur gegen Geiger ein Hausverbot aus. Wolfgang Damm bestätigte auf Anfrage, dass auch die beiden Talente bis zu ihrem Wechsel im Sommer weder am Trainingsbetrieb der Herthajugend noch am angeschlossen Schulunterricht teilnehmen dürfen. Preetz setzte zudem einen Protestbrief auf, in dem er die Auswüchse einer immer rüder werdenden Abwerbepraxis beklagte. Er ging sowohl in Hoffenheim als auch bei der DFL in Frankfurt ein.
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Ja Kuno771, ich glaube, ich kann dir das erklären.
Die beiden Spieler waren kurz vor Abschluß des Vertrages über die Langzeitförderung bei Hertha. Für gewöhnlich müssen die 'Kinderjäger' eben schneller sein, damit es nicht dazu kommt. Das haben Sie in diesem Fall geschafft.
Die Förderung kostet eine Menge Geld und soll natürlich für diejenigen eingesetzt werden, die dem Verein auch (zumindest für eine gewisse Zeit) treu bleiben. Für mich ist es insofern nur konsequent den beiden alles Gute im Kraichgau zu wünschen. Bestimmt können Sie auch bei der SAP anfangen, wenn es mit Fußball nicht klappt....
...steht doch die Aufklärung am Anfang.
Die DFL, der DFB sowie die Vereine müssen Eltern, Spieler, Lehrer und Kindergärtner aufklären, wohin Human Capital im Kindes-, Jugendalter führt.
Nur dann können Entscheidungen dort getroffen werden, wo sie entschieden werden müssen: Im Elternhaus.
Also so ein Dampfplauderer jetzt könnens halt maximal 3 Monate keine Spiele bestreiten, dafür können sie aber in Hoffenheim trainieren und wahrscheinlich dort zur Schule gehen! Außerdem sind sie selbst schuld hättens die Saison noch ruhig zu Ende gespielt dann wär das ganze nicht passiert.
Bin mal gespannt ob es diese beiden mal zu etwas bringen!
sich die Talente gegenseitig abspenstig machen, ist es unmoralisch, aber wenn sie es bei den Amatuervereinen machen, ist es Talentförderung?
Das Muster läuft bis in die F-Jugend. Ein Bundesligaverein hat unseren 8jährigen Spielmacher geholt. Wir holen jetzt seinen "Ersatz" aus einem kleineren Aschenplatzverein, der auf unserer schicken Kunstrasenanlage kicken darf und wo er mehr beachtet wird..
Wem's nicht gefällt, kann sich einen Sport suchen, wo es anders ist. Wenn er einen findet.
Dies ist der Artikel, warum ich mich auch einmal hier auf sueddeutsche.de angemeldet habe, um einen Kommentar zu schreiben. Es ist zweifelsohne gut zu hören, dass diese Art der Förderung nicht nur gut geheissen wird. Der Artikel gibt ja einen kleinen Hinweis darauf, dass längst nicht jeder von den Jungs mal Profi werden wird. In den Profiligen, na ich weiß nich, sind ca. 600 Spieler aktiv? Rein rechnerisch ist es also schon mal anzunehmen, dass die Chancen Profi zu werden, gering sind. Dazu kommt dass die Vereine ihren Kader ja zu einem guten Teil gar nicht mit eigenen Jugendspielern spicken.
Also...ich bin selbst kein beständiger Fussballfan...aber ich dachte mir schon oft, wie läuft das dann in Südamerika und Afrika ab? Auch dort sind doch europäische Vereine mit Fussballschulen vertreten, nicht wahr? Dort ist Fussballprofi in Europa zu werden eine wunderbare Vorstellung, viel Geld für sich und Familie zu verdienen. Die Chancen sind aber sicher nicht besser als hier. Zumal sie in Konkurrenz stehen mit vielen Jugendlichen in allen möglichen Ländern.
Wenn in Deutschland die Vereine sich schon so beätzen und beäugen in manchen Fällen, wie verhalten sich dann FC Bayern und Manchester United und Barcelona in Brasilien oder Argentinien? Und wie "schützen" die dortigen Verbände diese Jugendlichen? Was ich damit sagen will, man weiß viel zu wenig, wie dieses "Talent Scouting" in Schwellen- und Dritte-Welt-Ländern betrieben wird. Wär ich Journalist, denke ich, würde ich mich dafür mal interessieren. ´Denn ich kann mir vorstellen, wenn europäisches Fussballgehalt mit inländischem, im Vergleich armselig bezahlten Job konkurriert, ist mit einem Mal klar, worum sich Junge und Familie bemühen werden. Ich meine, wenn eine ganze Jugend diesem Ziel hinterher hächelt, und die Profiklubs wie wild um diese Jugendlichen werben, wen interessieren dann noch "normale" Berufe, wenn zudem eventuell die eigene Familie kaum Arbeit hat und gerade so zu existieren vermag. Ich könnte mir vorstellen, dass die Jagd auf das Humankapital Fussballtalent in so manchem Land (Indirekt natürlich) durchaus mehr schadet als nützt. Mit anderen Worten, warum Englisch, Spanisch oder Portugiesisch lernen, wenn ich doch genau weiß, und mein Papa es mindestens genauso gut weiß, dass ich das Talent habe, Fussballprofi in Europa zu werden?
Paging