Fußball: Streit im DFB Merkel als Friedensengel

Wenn sich die Politik in den Fußball einmischt: Ein Treffen mit der Kanzlerin ebnet den Weg der Einigung zwischen der DFB-Spitze und Bundestrainer Joachim Löw.

Von Thomas Kistner

Das Wunder von Frankfurt - dieser verblüffend schnelle, mit reumütigen Selbstanklagen garnierte Burgfrieden unter den Spitzenvertretern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Nationalmannschaft - hat einen Tag danach einen Namen erhalten: Angela Merkel. Am Mittwochabend empfing die Bundeskanzlerin DFB-Präsident Theo Zwanziger, Generalsekretär Wolfgang Niersbach, Bundestrainer Joachim Löw und den Nationalteam-Manager Oliver Bierhoff (nebst Assistenztrainer Hans Flick und dem DFB-Südafrika-Emissär Horst R. Schmidt) an ihrem Berliner Amtssitz.

Dort wurde nicht dementiert, dass der demonstrative öffentliche Schulterschluss der zerstrittenen Fußballoberen am Vortag mit dem Termin auf höchster nationaler Ebene zu tun hatte; tatsächlich glühten bereits am Montag die Drähte zwischen Frankfurt und Berlin.

Da hatte sich DFB-Chef Theo Zwanziger eingedenk des prekären Personalstreits bei Kanzleramtschef Ronald Pofalla gemeldet, mit der Bitte, die Kanzlerin zu beruhigen: "Sie lesen das ja sicher auch alles in den Zeitungen, da gibt es ein paar Unstimmigkeiten bei uns. Aber die haben wir bis Mittwoch gelöst - die Kanzlerin soll sich keine Sorgen machen."

Der Geist der Regierungschefin als Friedensstifter: Gründe für Besorgnis auf höchster Ebene gab es ja zu dem Zeitpunkt genug. Am vergangenen Wochenende, bei der Gruppenauslosung zur EM 2012 in Warschau, war der interne Verbandsstreit um Vertragsverhandlungen, gesteuerte Medienkampagnen und Ultimaten in eine dramatisch offenkundige Zerrüttung zwischen Zwanziger/Niersbach und Bierhoff/Löw gemündet. Am Sonntagabend hatte DFB-Generalsekretär Niersbach mit Bundestrainer Löw gar ein Sondierungsgespräch geführt, das er bei der Pressekonferenz am Dienstag im folgenden Tenor widergab: "Was sind wir für Hornochsen, dass wir uns der Öffentlichkeit so präsentieren - als zwei feindliche Lager!"

Hornvieh im Kanzleramt, das hätte noch gefehlt. Nun stand aber der Empfang bei Merkel schon seit gut vier Wochen fest, wie Zwanziger sagt, die Initiative zum gemeinsamen Abendessen war wie schon 2006 vor der WM im eigenen Land von der Kanzlerin ausgegangen. Insofern drohte nun die Gefahr, dass just im Kanzleramt die Verbands- zur Staatsaffäre ausufern würde.

Denn Fußballfreundin Merkel hätte ja am Mittwochabend mit den beiden verfeindeten Lagern vor die Öffentlichkeit treten müssen, wobei die Kanzlerin unweigerlich in die Rolle einer Richterin oder Schlichterin gedrängt worden wäre. Keine verlockende Aussicht, zumal es auch abseits des Rasens genug Problemfelder für die Regierungschefin gibt.

Auf der nächsten Seite: Was neben dem Merkel-Termin noch eine wichtige Rolle für die schnelle Einigung spielte - und was Zwanziger der Kanzlerin im Falle eines Scheiterns gesagt hätte.

Schweini & Angie

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