Die Vorrunde war offensivfreudig wie lange nicht. Hat die Abwehr an Wert verloren? Ein Pro und Contra in der Serie "Steile Thesen" zur Fußball-Rückrunde.

Vor der zweiten Hälfte der Saison 2008/09 widmet sich die Sportredaktion von sueddeutsche.de einigen Thesen, die den deutschen Fußball bewegen. Im zweiten Teil: Die Abwehr gewinnt keine Titel mehr. Ein Pro und Contra

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Hinten dicht oder nach vorne stürmen? Die Hamburger haben das in der Vorrunde häufig beides gut hinbekommen. (© Foto: dpa)

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Das Pro

Von Thomas Hummel

Zwei Entwicklungsstufen prägen den Wandel des FC Bayern in den vergangenen drei Jahren. Die erste Stufe hat Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge kürzlich so formuliert: "Lieber ein Ribéry mehr als drei Spieler zu viel."

Das ist die Lehre aus dem Malheur von 2006, als sich die Münchner dafür entschieden, für den abwandernden Michael Ballack keinen Ersatz zu verpflichten. Der vielleicht torgefährlichste Mittelfeldspieler der Welt sollte durch das Kollektiv ersetzt werden. Roque Santa Cruz, Sebastian Deisler und Julio dos Santos standen zur Verfügung. Das Experiment endete mit Platz vier in der Bundesliga, der Fehler musste später mit fast 100 Millionen Euro korrigiert werden.

Es kamen Mark van Bommel, Franck Ribéry, Luca Toni, Miroslav Klose und Hamit Altintop zur Qualitätsverbesserung im Spiel nach vorne.

Die zweite Stufe folgte vor dieser Saison. Für den kühl erfolgsorientierten Ottmar Hitzfeld holten die Münchner den mehr erlebnisorientierten Jürgen Klinsmann. Ein Abenteuer fürwahr, schließlich ist Klinsmann ein Neuling im Klubtrainer-Geschäft. Was wiederum die Verzweiflung veranschaulicht, mit der die Bayern-Macher einen modern-offensivorientierten Trainer suchten. Der 21-Gegentore-Meisterschaft (Rekord) mit Hitzfeld-Fußball soll die 80-Tore-Meisterschaft mit Klinsmann-Fußball folgen (in der Hinrunde erzielte Bayern schon 39).

Es sind Reaktionen auf eine Entwicklung im internationalen Fußball. Heute können alle die Viererkette im Schlaf, das Verschieben, das Pressing. Weil Fußballer inzwischen Kraft- und Laufmaschinen sind, machen auch minder talentierte Teams die Räume eng und enger.

Der Spruch "Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften" kehrt sich ins Gegenteil. Nur mit einer sehr guten Offensive spielt man heute um Titel. Denn dort sind die Unterschiede riesig - vor allem bei der Qualität der Spieler.

Wer seine Angriffshoffnungen alleine auf einen Kevin Kuranyi konzentriert, hinkt hinterher. In Leverkusen und Hoffenheim gründen die guten Hinrunden vor allem auf treffsichere Sturmreihen. Deshalb könnte die schwere Verletzung von Vedad Ibisevic auch über die Meisterschaft entscheiden. Doch für Hoffenheim besteht noch Hoffnung: Der Verein hat mit Ralf Rangnick einen Trainer, der wie Klinsmann die Zeichen der Zeit deuten kann. Rangnick hat im vergangenen Jahr mehr als 70 Prozent Offensivtraining betrieben: Spielzüge, Umschalten nach Ballgewinn, schnelles Spiel in die Spitzen.

Auch andere Trainer wie Bruno Labbadia, Jürgen Klopp oder Martin Jol neigen in ihrer Spielphilosophie zur Aktion. Davon profitiert der Unterhaltungsbetrieb Bundesliga. Und auch international werden die deutschen Klubs so am ehesten den Anschluss ans moderne Spiel finden.

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