Fußball-Skandal Razzia in Paris

Wieso veranlasste Sepp Blatter im Jahr 2011 eine Zahlung von 1,8 Millionen Euro an Michel Platini? Wegen des Geldflusses durchsuchte die Schweizer Bundesanwaltschaft die Zentrale des französischen Fußball-Verbandes.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Am Donnerstag feiert Sepp Blatter seinen 80. Geburtstag. Kurz zuvor musste der frühere Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa noch eine schlechte Nachricht vernehmen: Die Schweizer Bundesanwaltschaft treibt ihr Ermittlungsverfahren gegen ihn massiv voran. Am Mittwochmorgen teilte sie mit, dass am Vortag die Büros des französischen Fußball-Verbandes FFF durchsucht worden seien. Hintergrund ist eine mysteriöse Zahlung des Weltverbandes in Höhe von 1,8 Millionen Euro, die auf Veranlassung Blatters im Jahr 2011 auf dem Konto von Michel Platini landete, der damals die Europäische Fußball-Union Uefa anführte.

Gegen Blatter läuft in der Schweiz seit September 2015 ein Verfahren wegen des "Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung". Dies betrifft einerseits einen Vertrag mit dem karibischen Funktionär Jack Warner, der für einen absurd günstigen Preis WM-Fernsehrechte erhielt - zum anderen die Zahlung an Platini. Die beiden Funktionäre erklären die Millionen-Überweisung als letzte Rate für eine Beratertätigkeit des Franzosen im Zeitraum von 1998 bis 2002. Die Fifa-Ethiker sehen indes einen Zusammenhang der Zahlung mit Blatters damaligem Präsidentschaftswahlkampf. Das Duo ist inzwischen für sechs Jahre gesperrt. Nun begutachtet die Justiz in Bern und Paris Details des Deals.

Laut französischem Verband stellten die Ermittler bei einer ganztägigen Durchsuchung diverse Dokumente sicher, die mit der Beratertätigkeit zu tun hatten. Es soll genau rekonstruiert werden, wie Platinis Arbeit damals aussah; er hatte ein Büro in der französischen Verbandszentrale und war seit 2001 auch FFF-Vizechef. Nach Angaben von französischen Medien geht es jetzt auch um die Frage, wer für die Mietkosten des Büros aufkam.

"Ich bin sehr überrascht von der Durchsuchung", sagte Blatter der Agentur AFP: "Schließlich ging die fragliche Zahlung nicht an den FFF oder die Uefa, sondern auf das private Konto von Michel Platini bei einer Schweizer Bank." Die Anwälte Platinis erklärten, dass sie "die neue Entwicklung begrüßen". Beide Funktionäre gelten in dem Verfahren bisher nicht als Beschuldigte, sondern als Auskunftspersonen.

Bemerkenswert ist, dass das Rechtshilfeersuchen der Schweizer bereits am 14. Januar in Paris eingegangen war. Le Monde berichtet, dass die französischen Behörden auf Diskretion gedrängt hatten, aber die Schweizer Bundesanwaltschaft veröffentlichte den Vorgang.