Der ehemalige Bundesliga-Star Sebastian Deisler gibt sein Comeback in der Öffentlichkeit. In seiner Biographie gibt er Einblicke in eine verletzte Fußballerseele.
Der Phewa-See im nepalesischen Hochland. Am Ufer ein Rasenplatz mit zwei Toren. Soldaten bei einem Trainingsspiel. Im Gras sitzt der Rucksacktourist Sebastian Deisler (29) und schaut zu.
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Ein Foto wie aus einem anderen Leben: Sebastian Deisler im Trainingsanzug der Nationalmannschaft. (© Foto: AFP)
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Er erhebt sich, schlendert davon, kehrt wieder um. Dann kommt ihm die schwierigste Frage über die Lippen, die er seit langem gestellt hat. Ob er mitspielen darf. Er trägt Wanderschuhe, aber das macht nichts, er vollführt mit dem Ball die tollsten Dinge, am Ende ist er "platt aber glücklich".
Und hat wieder ein Stück weit seinen Frieden gemacht. Hat ein weiteres Pflaster auf eine Wunde geklebt. "Fußball ist das Einfachste, das es gibt", sagt er. "Wenn nur nicht das ganze Drumherum wäre."
So endet die Geschichte des Sebastian Deisler, jedenfalls in dem bemerkenswerten Buch über ihn, das diesen Donnerstag erscheint. Man muss die Geschichte von vorne lesen, um zu begreifen, wie viel Überwindung es Deisler im April 2009 in Nepal gekostet hat, gegen einen Ball zu treten. Ihn, der jahrelang der talentierteste Mittelfeldspieler des deutschen Fußballs war und am Ende dessen prominentester Patient.
Zehn Jahre Selbstverleugnung
Man erinnert sich an den 16. Januar 2007, das Pressekabuff des FC Bayern, den bleichen Uli Hoeneß, der sagt: "Diesen Kampf haben wir verloren." Ohne sich zu verabschieden, kehrt Deisler dem Fußball den Rücken.
Es ist eine Flucht, nach zehn Jahren gefühlter Selbstverleugnung, zwei Aufenthalten in einer psychiatrischen Klinik wegen Depressionen, fünf Knieoperationen und der Erkenntnis, dass die körperlichen Verletzungen doch nicht so schlimm waren wie die seiner Seele.
Was man bisher nicht wusste: dass Deislers Kampf damit nicht zu Ende war. Dass er bis heute nicht zu Ende ist.
Die Medien sind ein Teil der Geschichte, das Gefühl, mit jeder Schlagzeile von Erwartungen erstickt, vereinnahmt, nackt ausgezogen zu werden. "Eine andere Identität übergestülpt zu bekommen." Deisler hat sich völlig zurückgezogen seit 2007, nur einem Sportredakteur des Tagesspiegel hat er sich geöffnet, Michael Rosentritt.
In endlosen Spaziergängen durch Berlin oder auf dem Boden seiner Charlottenburger Wohnung hockend. Deisler brauchte ein Buch, um mit der Vergangenheit abzuschließen, er musste reden, um zu überleben. "In den ersten Monaten wollte ich mich nicht mehr bewegen." - "Ich habe mich trocken geweint." - "Es ist lange her, dass ich glücklich war." Schwere Sätze, notiert Rosentritt mit schonungsloser Offenheit, "und von solchen hat er so unendlich viele".
Am Ball der Beste und doch verletzbar
Eindrucksvoll verwebt Rosentritt die intimen Gespräche mit Deislers Lebensweg. Die Kindheit in Lörrach: Der schmächtige Sebastian, wie er am Ball immer der Beste war, aber wegen seiner Statur gehänselt wurde. Wie er sich schon damals schwor, "es allen zu zeigen", misstrauisch, verletzbar, von Anfang an.
Dann die Internatszeit in Mönchengladbach. Der Wechsel zu Hertha BSC, wo er hilflos erlebte, wie man ihn zu "Basti Fantasti" machte, zum Heilsversprechen - aber fallen ließ, sobald via Bild-Titelseite bekannt wurde, dass der FC Bayern schon 20 Millionen Mark Handgeld überwiesen hatte. Als Deisler 2002 nach München wechselte, weiß er heute, "hatte ich den Abgrund längst erreicht". Viel früher hätte er professionelle Hilfe gebraucht - "aber mein blöder Übermut, ich allein gegen alle, dabei war ich nur noch ein kleiner, trauriger Fußballer". Und schwer krank. "Mein Ehrgeiz hat meine Knochen kaputt gemacht und dann meinen Kopf."
"Zurück ins Leben" ist beides: individuelle Spurensuche und Beschreibung des überdrehten Profigeschäfts. "Der Fußball, der mir fehlt, ist ein anderer als der, den ich verlassen habe", sagt Deisler heute. Der Fußball ist nicht so wie am Phewa-See.
Michael Rosentritt: "Sebastian Deisler - Zurück ins Leben." 247 Seiten. Edel Verlag. 22,95 Euro.
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(SZ vom 08.10.2009/thi)
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anscheinend sehen die Leser das Verhalten von Deisler bei weitem nicht so rosig wie die Moderation.
Dahingegen wurde bei Sarrazin von der Redaktion so richtig draufgehauen.
Schade für die SUEDDEUTSCHE.
Ich sehe in Scholl einen intelligenten Mann mit Visionen und Menschenkenntnis. Ich traue ihm ohne Einschränkungen zu, den Charakter eines Menschen richtig einzuschätzen. Aber man muss aufpassen: Kein Mensch, auch Scholl nicht, kritisiert Deisler wegen seiner Depressionen. Aber klar ist auch (und das gilt ganz allgemein, also völlig unabhängig von Deisler): Auch Menschen mit ungenügendem Charakter können Depressionen kriegen.
Ich habe schnell mal gegoogelt, hier das Zitat von Scholl: "Schade ist, dass er nie das Gefühl hatte, dass er irgendwas zurückgeben muss. Das hat nichts mit Krankheit oder Intelligenz zu tun. Das ist einfach Erziehung."
Mir fehlt das Mitleid diesem Millionär auch noch zu bedauern. Es war seine freie Entscheidung nach München zu gehen, und da sollen einem noch die Tränen kommen.
Jetzt will er auch noch mit seiner Story Kasse machen? Er soll sich mal im Land umschauen - da sieht er echte Not, und wenn er wirklich so sensibel ist dann soll er mit seiner geschenkten Kohle bitteschön dort helfen!
Ist ein Witz das Ganze...
Ich bin fuer den Ausschluss von Foristen, die andere mit Titeln wie "Dorfnutte" versehen.
Also ich mochte Mehmet immer, aber fuer solche Faelle ist er nicht so ganz der relevante Beurteiler (scheint mir) : es sieht doch so aus, dass Herr Deisler echt krank ist (war), nur verstehen viele (ich auch) nicht genug von Depressionen und sonstigen psychischen Problemen, um sich da richtig reinfuehlen zu koennen. In der ZEIT war da gerade ein etwas laengerer Bericht.
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