Fußball Schiedsrichter drohen mit Streik

Nach dem Rücktritt des Schweden Anders Frisk fordern Europas Referees eine fairere Analyse ihrer Leistungen.

Die Schiedsrichter drohen mit Streik: Der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Chef der europäischen Referees, Volker Roth, will die international aufgeheizte Atmosphäre in Bezug auf die Unparteiischen mit außergewöhnlicher Härte beantworten.

Der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses des Deutschen Fußball-Bundes, Volker Roth. ddp

Bereit zum Streik: der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses des DFB, Volker Roth.

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"Wir können nicht tatenlos zusehen. Ich bin wirklich kein Freund von Streiks, aber wir werden uns Maßnahmen überlegen müssen", sagte Roth der Bild-Zeitung. Es werde unter den Schiedsrichtern "eine Solidarisierung stattfinden, wie man sie noch nicht gesehen hat", meinte der Schiri-Boss aus Salzgitter.

Der ehemalige Bundesliga-Referee reagierte damit auf die Ereignisse, die zum Rücktritt des Fifa-Schiedsrichters Anders Frisk geführt hatten. Der Schwede hatte seine Karriere am vergangenen Samstag beendet, nachdem er und seine Familie Morddrohungen erhalten hatten. In einer Pressemitteilung des DFB bezeichnete Roth einen Streik jedoch als "das allerletzte Mittel, um ein Zeichen gegen nicht mehr beherrschbare Entwicklungen zu setzen".

Dennoch sollte der "bedauerliche Rücktritt von Frisk allen Fußballern und Fans deutlich machen, dass Fairplay gegen die Schiedsrichter oberstes Gebot sein sollte". Fehler der Schiedsrichter dürften nicht dazu führen, dass Unparteiische beschimpft oder gar bedroht werden.

Uefa: Frisk soll zurückkommen

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat indes angekündigt, Frisk zu einer Rückkehr überreden zu wollen. "Wir brauchen Leute von seinem Kaliber und seiner Qualität. Wir stehen in Kontakt mit Anders und wollen versuchen, ihn davon zu überzeugen, wieder als Schiedsrichter zu arbeiten", sagte Uefa-Sprecher William Gaillard am Montag. Frisk sei einer der besten europäischen Referees und habe auch bei der WM 2006 in Deutschland eingesetzt werden sollen.

Roth sieht die Schiedsrichter derzeit ohnehin zu Unrecht an den Pranger gestellt: "Wenn die Dinge eskalieren und Millimeter-Entscheidungen, die erst in der dritten Zeitlupe wahrgenommen werden können, überzogene Reaktionen auslösen, dann besteht die Möglichkeit, dass sogar die besten Schiedsrichter der Welt unvermittelt aufhören."

Am Wochenende hatte er auch an die Trainer appelliert, besonnen zu reagieren und die Fans nicht gegen die Unparteiischen aufzuhetzen. Die Schiedsrichter würden, so Roth, ihre "oft sehr schwere Aufgabe" durchaus selbstkritisch erfüllen. Allzu harsche Reaktionen würden bei ihnen deshalb zunehmend auf Unmut stoßen, meinte Roth.

Bereits am Wochenende hatte er speziell Teammanager Jose Mourinho vom FC Chelsea für seine Kritik an Frisk am Rande des Champions-League-Hinspiels des Londoner Teams beim FC Barcelona (2:1 für die Katalanen) gerügt. "Leute wie Mourinho sind die Feinde des Fußballs", sagte Volker Roth.