Fußball-Regionalliga Projekt Kiel

Falko Götz fängt wieder ganz unten an: Der einstige Trainer von Hertha BSC Berlin hat beim Viertligisten Kiel angeheuert. Geplant ist ein Aufstieg à la Hoffenheim.

Von Christof Kneer

In den Montagszeitungen stand noch, dass Peter Vollmann "sehr zufrieden" sei mit dem 3:1-Sieg beim VfB Lübeck. "Ein absolutes Kampfspiel" sei das gewesen, fand Vollmann, Coach des Fußball-Regionalligisten Holstein Kiel, und wie jeder anständige Trainer fügte er an, dass er sich natürlich freue über den Herbstmeistertitel, der aber natürlich nicht viel bedeute. In den Dienstagszeitungen stand dann, dass Peter Vollmann "menschlich maßlos enttäuscht" sei. Er hatte inzwischen gemerkt, warum der Herbstmeistertitel nicht viel bedeutet: Vollmann war am Tag nach der Herbstmeisterschaft entlassen worden.

Trainer Falko Götz: Einst Erfinder der Berliner Jugendakademie, jetzt freiwillig in die vierte Liga abgestiegen

(Foto: Foto: ddp)

Dass der Trainer eines Tabellenführers entlassen wird, das war die erste Überraschung in dieser kuriosen Geschichte, die zweite Überraschung war der Name des Nachfolgers: Falko Götz, 46, wird vom 10. Januar an die Geschäfte beim Viertligisten Holstein Kiel übernehmen, assistiert von seinem ewigen Berliner Sozius Andreas Thom, 43. Wer es nicht mehr weiß: Falko Götz ist jener smarte Coach, der nach Einschätzung aller relevanter Experten mindestens den FC Arsenal trainieren müsste, wobei es sich allerdings bei den relevanten Experten mehrheitlich um Falko Götz selbst handelt.

Gut anderthalb Jahre ist Falko Götz nach seiner Entlassung bei Hertha BSC weg gewesen aus der Branche, das ist recht lange für einen Coach, der einst für einen talentierten Jugendpfleger gehalten wurde. Aus Berlin aber hatte sich Götz mit einem leicht verunglückten Interview verabschiedet, in welchem er den Lesern erklärt hatte, wie es bei den Boateng-Brüdern zu Hause so zugeht ("er hat viele Geschwister, alle von anderen Vätern"). Das wurde in der Mannschaft erstens als Tabubruch aufgefasst und war zweitens falsch (die Boateng-Brüder haben den gleichen Vater).

Abgestiegen, um aufzusteigen

Seitdem gilt Götz einerseits als Erfinder der vorbildlichen Hertha-Jugendakademie; andererseits aber als einer, der dann im Umgang mit den vorbildlich ausgebildeten Spielern an seine pädagogischen Grenzen stößt.

Ob es die eigenen Grenzen waren oder doch nur die des Problemkiezes Berlin, könnte sich nun in Kiel erweisen, wo Götz beides sein soll: Er soll sich wieder um Aufzucht und Hege kümmern und ein Jugendleistungszentrum auf- und ausbauen; gleichzeitig soll er die Mannschaft im nächsten Sommer in die dritte und mittelfristig in die zweite Liga coachen.

Mit etwas Phantasie kann Götz die Geschichte seines Abstiegs in die vierte Liga also als Geschichte eines Aufstiegs erzählen. Der deutsche Fußball neigt ja dazu, erfolgreiche Modelle sofort als Trends zu vereinnahmen, die es sofort zu kopieren gilt - und wie der aktuelle Trainerheilige Ralf Rangnick einst in Hoffenheim, so ist nun auch Götz abgestiegen, um aufzusteigen.

Zwei Aufsichtsräte als Mini-Hopps

Er spricht jetzt auch Rangnick-und-Klinsmann-Deutsch, er redet von "Projekt", vom "Kieler Weg", von "einer einheitlichen Spielphilosophie von unten nach oben". Und als er am Dienstag in Kiel vorgestellt wurde, durfte er gleich Fragen beantworten, in denen das Wort "Hoffenheim" vorkam. Nein, das Hopp-Modell lasse sich nicht "eins zu eins übertragen", wehrte Götz ab, "zumal dort viel mehr Finanzkraft dahintersteht".

Ein bisschen Finanzkraft steht aber auch hinter Holstein Kiel, das einen für Viertliga-Verhältnisse sehr luxuriösen Fünf-Millionen-Etat unterhält. Die Aufsichtsräte Gerhard Lütje und Hermann Langness, Besitzer zweier Einkaufsketten, gelten als Mini-Hopps, die für zwei neue Tribünen mal eben 1,8 Millionen Euro springen ließen.

Falko Götz und Andreas Thom meinen es ernst mit ihrem Projekt, sie haben bis 2013 unterschrieben und versichert, im Sommer nach Kiel zu ziehen. Einen ersten Erfolg durften sie immerhin gleich in die Weihnachtsferien mitnehmen: Die Mini-Hopps spendieren dem Viertligisten ein Wintertrainingslager im Ausland.