Fußball-Profi Andreas Ottl Schwamm sucht Verein

Andreas Ottl, Deutscher Meister 2006, 2008 und 2010.

(Foto: imago)

Dreimal war Andreas Ottl mit dem FC Bayern München Deutscher Meister. In Berlin und Augsburg hatte er weniger Glück. Seit einem halben Jahr ist der 29-Jährige vereinslos. Verbittert ist er nicht.

Von Benedikt Warmbrunn

Am Anfang der wechselhaften Karriere von Andreas Ottl stand eine Absage. Ein großer Verein aus der Stadt hatte angefragt, Ottl wollte das Angebot annehmen, seine Mutter und sein Vater diskutierten, am Ende setzte sich die Mutter durch. Der neunjährige Andreas durfte den SV Nord Lerchenau nicht verlassen. Obwohl der FC Bayern angefragt hatte.

Eine Karriere als Fußballprofi setzt sich auch zusammen aus Wechseln. Aus Wechseln, die klug sind, die Erfolg bringen. Aus Wechseln, die unüberlegt sind, die Misserfolg bringen, Enttäuschungen, Krisen. Und aus Wechseln, die nicht zustande kommen, und die doch so prägend sind. Nicht für den Fußballprofi. Für den Menschen.

"Man of se Match is Swainstaigr"

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Ein Dezembervormittag in München, Andreas Ottl stößt schwungvoll die Tür zum Büro seines Beraters auf. Am frühen Morgen hat er seine Freundin ins Büro gebracht, später fährt auch er dorthin, abends geht er zum Sport, dann mit seiner Freundin essen, es ist ein entspannter Dezembertag. Ein ganz normaler Tag im Leben von Andreas Ottl, inzwischen 29 Jahre alt. Ein Tag in einem Leben, das seit einem halben Jahr nicht mehr vom Fußball bestimmt wird. Sondern von Ottl selbst. Von ihm, dem vereinslosen Fußballer.

"Ich will mich auch persönlich weiterentwickeln."

Seit dem 1. Januar läuft die sogenannte zweite Transferperiode, bis zum Ende des Monats. Die Vereine suchen Ersatz für die Verletzten, für die Schwachen; es sind Wochen, in denen sich viel verändern kann. Diese Wochen sind auch eine große Chancen für die Vergessenen.

Der Profi, der keinen Verein findet, das ist eine der schlimmeren Klischeefiguren im Fußball. Einer, der nicht loslassen kann. Einer, den die Zeit überholt hat. Und vor allem: einer, der verzweifelt ist. Andreas Ottl kennt die Klischees, im Büro seines Beraters sagt er: "Ich weiß nicht, ob es als Fußballer richtige Arbeitslosigkeit gibt. Da ist schon auch viel selbst gewählt. Außer vielleicht nach ganz großen Verletzungen. Diese Tragik, die da oft dahinter steht, empfinde ich als Spieler nicht so."

Dass Ottl in das Jahr 2015 ohne einen Vertrag startet, war eine bewusste Entscheidung. Eine Entscheidung, die er getroffen hat wie alle Entscheidungen in seiner Karriere: ganz rational, ganz geduldig.

Ottl war mit dem FC Bayern B-Jugendmeister, er war A-Jugendmeister, er war dreimal deutscher Meister. Er verhinderte mit dem 1. FC Nürnberg den Abstieg. Er stieg mit Hertha BSC ab. Er spielte für den FC Augsburg, einen Außenseiter. Neun Jahre lang hatte er in der Bundesliga gespielt, bevor er ein Vereinsloser wurde, neun Jahre, über die Ottl sagt: "Ich hatte bisher eine super Karriere. Ich habe sehr viel erlebt. Ich habe nicht nur den Erfolg gesehen, sondern auch andere Seiten des Geschäfts."