Fußball Philipp Lahm kritisiert Weltfußballer-Wahl

Philipp Lahm

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Bayern-Kapitän nennt den Ballon d'Or einen "Marketingpreis" und eine "Weltstürmerwahl". Eigentlich, meint er, könne man gleich über Facebook abstimmen lassen.

Philipp Lahm hält nichts von der Wahl zum Weltfußballer. In einem Beitrag für das Online-Portal goal.com schreibt der Kapitän des FC Bayern München, dass dabei nicht der beste Fußballer geehrt werde, sondern es sich am Ende um eine "Weltstürmerwahl" handle.

"Das ist nicht meine Perspektive als verbitterter Defensivspieler, sondern die neutrale und unverrückbare Aussage der Statistik", schreibt Lahm. Fabio Cannavaro hat 2006 als bislang einziger Verteidiger den "Ballon d'Or", den goldenen Ball, gewonnen. Mit Lothar Matthäus und Zinedine Zidane schafften es zwei Mittelfeldspieler. Sonst, so Lahm, seien nur Stürmer gewählt worden.

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Von Torhütern nicht zu sprechen. Nur Oliver Kahn und Manuel Neuer standen jeweils einmal unter den letzten Dreien. Als bislang einziger Torhüter siegte Lew Jaschin 1963, wobei der Preis damals noch "Europas Fußballer des Jahres" hieß. Lahm schließt daraus: "Die verkürzte Version lautet also: Nur wer Tore schießt, kann Weltfußballer werden."

Zudem argumentiert der Bayern-Profi, dass im Zeitalter der digitalen Medien vor allem "der sichtbarste" Spieler gewählt werde. Und schlägt vor, man könne den Weltfußballer im Grunde gleich über Facebook wählen lassen. "Das Ergebnis wäre mit großer Wahrscheinlichkeit dasselbe wie über den momentanen Modus." Tatsächlich führen die drei Spieler, die diesmal in die Endauswahl zum Weltfußballer kamen, nämlich Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Neymar, auch bei Facebook die Rangliste der Fußballer mit den meisten Fans an.

Thomas Müller auf Platz sechs

Weltfußballer:

1. Lionel Messi (Argentinien./FC Barcelona) 41,33 Prozent

2. Cristiano Ronaldo (Portugal/Real Madrid) 27,76

3. Neymar (Brasilien/FC Barcelona) 7,86

4. Robert Lewandowski (Polen/FC Bayern) 4,17

6. Thomas Müller (Deutschland/FC Bayern) 2,21

Weltfussballerin

1. Carli Lloyd (USA/Houston Dash) 35,28

2. Célia Šašić (Deutschland/Karriere beendet) 12,60

3. Aya Miyama (Japan/Okayama) 9,88

Trainer des Jahres

1. Luis Enrique (Spanien/FC Barcelona) 31,08

2. Pep Guardiola (Spanien/FC Bayern) 22,97

3. Jorge Sampaoli (Argentinien/Chile) 9,47

Vier Einzelpreise - einer für jede Spielposition

Lahm selbst nimmt sich von der Kritik nicht aus. Als Kapitän der Nationalmannschaft durfte er fünfmal mitwählen. "Ich kenne das Prozedere. Die Nachricht mit der Bitte um Nennung von drei Namen aus der Kandidatenliste erreicht dich, während der Saison, dann macht man es sich einfach, und wählt was augenscheinlich ist." Er glaubt nicht, dass sich die Nationaltrainer, Nationalmannschafts-Kapitäne und ausgewählte Journalisten aus den 209 Fifa-Verbänden wirklich intensiv mit der Auswahl auseinandersetzen.

So nennt er den Ballon d'Or einen "Marketingpreis" und regt an, überhaupt keinen Weltfußballer mehr zu wählen. Stattdessen sollten, "neben der Bestimmung der Weltauswahl, zumindest vier Einzel-Preise vergeben werden - um Torwart, Abwehrspieler, Mittelfeldspieler und Stürmer nicht in einen Topf zu werfen."

Immer wieder Ronaldo und Messi

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Immerhin betont der 32-Jährige bei goal.com, dass er Ronaldo, Messi und Neymar für überragende Fußballer halte. Und gratuliert Messi zur Wahl zum Weltstürmer 2015.