Ein Kommentar von Gerald Kleffmann

Mit dem Einstieg eines Investoren spielt der TSV 1860 München ein Spiel, an das sich so hierzulande noch kein Klub herangewagt hat - Ausgang offen.

1860 München, der traditionsreiche Chaosklub, hat also endlich den goldenen Weg gefunden, wie der Erstliga-Aufstieg 100-prozentig gelingt. Seit Dienstag ist dies vereinsoffiziell verkündeter Fakt. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass die Millionen, die ein Unternehmer in den Klub pumpt, die Löwen 2010 reüssieren lassen. "Wir steigen auf" ist die Devise und vorerst verdrängt, dass drei Millionen Euro Schulden jährlich den Arena-Mieter erdrücken.

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(© Foto: dpa/ddp)

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Euphorie soll jetzt herrschen, die neue weiß-blaue Zukunft hat begonnen. Welch rosiger Plan, wäre da nicht ein Haken. Die Sechziger spielen ein Spiel, an das sich so hierzulande noch kein Klub herangewagt hat - Ausgang offen. Vielleicht findet das Modell trotzdem bald Nachahmer.

In Zeiten, in denen Firmen kaum Budgets für Sponsoring einplanen, kommen offensichtlich die hiesigen Klubs nicht daran vorbei, sich an zockerfreudige, reiche Einzelpersonen zu richten, die Monopoly in Echtzeit spielen wollen. Die 50+1-Regel verhindert in Deutschland zwar, dass Investoren Profiklubs übernehmen, wie das Scheichs in England zelebrieren.

Aber der Trend ist klar: Unterhalb der 50 Prozent scheinen die Anteile beliebige Verfügungsmasse zu werden. Hieß es im November, 1860 gebe maximal 15 Prozent der Fußball-Gesellschaft ab, sind nun bis zu 25 Prozent vorstellbar. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass die Anteile weiterverkauft werden, was rechtlich möglich wäre.

Die Not ist eben groß und schnell vergessen, was gestern gesagt wurde. Der Ausverkauf hat begonnen, was nichts Schlechtes heißen muss - wenn die Kontrolle beim Klub bleibt, der Erfolg kommt und sich die Fans mit dem Weg identifizieren. Schwierig wird es nur, wenn einer der drei Punkte hakt.

Drittligist Jena wollte 2007 eine Investmentfirma von den Virgin Islands die eigene Geschäftsführung besetzen lassen, 25 Millionen Euro sollten für einen Anteil von 49 Prozent des Klubs fließen. Die Deutsche Fußball-Liga intervenierte. Den Fall der Löwen, heißt es nun, schaue man sich genau an. Das muss die DFL auch, denn dass der neue Renditejäger den neuen Sportdirektor Stevic lange kennt und auf ihn bestand, ist kein Geheimnis.

Sollte es vertraglich fixierte Bedingung gewesen sein, bekäme 1860 ein Problem mit der DFL. Dass der entmachtete Geschäftsführer Reuter das letzte halbe Jahr Profis ein- und verkaufte, ins Trainingslager fuhr und Sponsoren becircte, während stillschweigend Präsidium und Aufsichtsratschefs am Einstieg des Finanziers bastelten, erweckt zusätzlich den Eindruck, dass hier ein seltsames Spiel stattgefunden hat.

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(SZ vom 04.02.2009)