Von Philipp Selldorf

Im Konflikt zwischen Manager Oliver Bierhoff und Kapitän Michael Ballack geht es auch um potentiell widerstreitende Geschäftsinteressen.

Den beim EM-Finale publik gewordenen Streit zwischen Oliver Bierhoff und Michael Ballack hat DFB-Präsident Theo Zwanziger wochenlang als rauen aber harmlosen Temperamentsausbruch unter Fußballern abgetan. So entspricht es seinem aufgeklärten Bild vom lebendigen Sport, und so hat er es am liebsten auch verstehen wollen.

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Bei der großen Aussprache zwischen Bierhoff und Ballack im Rahmen von Oliver Kahns Abschiedsspiel sind offenbar doch nicht alle Differenzen ausgeräumt worden. (© Foto: Getty)

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Da nun aber der Konflikt in das Stadium des destruktiven Gezänks eingetreten ist, hat Zwanziger erkannt, dass die Fortsetzung der verbalen Kampfhandlungen zwischen Teammanager und Kapitän das Klima der Nationalmannschaft bedroht, und dass mit all den Weiterungen womöglich das gesamte Unternehmen DFB Schaden nehmen könnte. Denn in diesem Gemenge geht es nicht bloß um zwei zornige Männer, sondern um die Position des DFB-Repräsentanten Bierhoff, die von verschiedenen Seiten angegriffen wird - nicht zuletzt aus dem Verband heraus.

Während also am Montag das deutsche Team in St. Gallen vor der Abreise nach Helsinki die Vorbereitungen für das WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland traf, Oliver Bierhoff in tadellos gebügelter Hose und sonnenbebrillt am Rasenrand stand, brachte Zwanziger eine sorgfältig formulierte Botschaft unter das Publikum. "Es gibt immer mal Meinungsverschiedenheiten, auch bei uns im Präsidium. Aber so was muss intern geklärt werden und darf nicht über die Medien am Laufen gehalten werden", erklärte der Präsident der Nachrichtenagentur dpa, welche die Äußerung umgehend als "Machtwort" interpretierte.

Zwanziger ermahnt beide Streitparteien

Wenn das Statement auch nicht den Tonfall eines Donnerwetters hatte, so war es doch so ähnlich gemeint. Zwanziger hat ja erleben müssen, dass die Aussprache zwischen Ballack und Bierhoff in der vergangenen Woche keine Ruhe, sondern das Gegenteil gebracht hatte: Sowie der Fall ganz offiziell die öffentliche Bühne erreicht hatte, begann er prompt, sich dort als Dauerthema niederzulassen. Gefüttert wurden die Medien durch gezielte Sticheleien der Kontrahenten, die im Ping-Pong-Verfahren in die Berichterstattung getragen wurden.

Zuerst stellte Bierhoff scheinbar beiläufig fest, dass das Nationalteam auch ohne Ballack gewinnen könne, dann teilte Ballack schnippisch mit, dass das Nationalteam jederzeit auch ohne Bierhoff auskomme. "Nach der Berichterstattung der vergangenen Tage müssen wir aufpassen, dass sich das Thema nicht verselbständigt", stellte Zwanziger fest und kündigte konzertierte Anstrengungen zur Friedenssicherung an. Einen anderen Weg der Problemlösung gibt es nicht, schon gar nicht den von Befehl und Gehorsam.

Ballack ist in diesem Zwist nicht der Untergebene, Bierhoff nicht der Vorgesetzte. Zwar trägt er den Titel Manager, aber das Amt gibt ihm nicht die Autorität wie sie ein Bundesligamanager besitzt. Und Joachim Löw mischt sich in die Sache nicht ein, der Bundestrainer will Ballack als Kapitän behalten. Dessen mangelnde Hochachtung für Bierhoff lässt sich ohnehin nicht durch Weisung aus der Welt schaffen.

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