Beinahe hätte der Stuttgarter Serdar Tasci, der sich schon für Deutschland entschieden hatte, bei der EM gegen Deutschland gespielt - jetzt will Löw ihn nominieren.
Jetzt steht das Tor im Geschichtsbuch, jetzt kann man nichts mehr machen. Für immer und ewig wird Miroslav Klose also dieses 2:1 gegen die Türkei im EM-Halbfinale erzielt haben, für immer und ewig wird die Nachwelt dieses Bild im Archiv finden - wie Lahm flankt, wie Torwart Rüstü ein entschlossenes Loch in die Luft faustet, wie Abwehrspieler Topal entschlossen dieses Luftloch betrachtet und dabei das Hochspringen vergisst. Und wie Klose gar nicht anders kann, als ein Kopfballtor zu erzielen.
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Zwei in Deutschland spielende Türken, von denen einer für den DFB spielt: Tasci (li.) und Yildiray Bastürk. (© Foto: Imago)
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Bis heute treibt den türkischen Nationaltrainer Fatih Terim manchmal die Frage um, ob dieses Tor auch mit Serdar Tasci passiert wäre. Es hat ja in der Tat nicht viel gefehlt, und Tasci wäre in dieser Szene hochgesprungen. Vielleicht hätte Tasci den Ball ja weggeköpft, vielleicht wäre die Türkei ins Finale gekommen und vielleicht...
Vielleicht wird Serdar Tasci an diesem Dienstag von Joachim Löw nominiert, für Deutschland. Es gilt sogar als ziemlich sicher, dass der Abwehrspieler aus Stuttgart im Kader fürs Belgien-Länderspiel (20. August) auftauchen wird, in Stuttgart haben sie am Montag erste Signale empfangen. Und auffallend oft hat Trainer Armin Veh zuletzt ja erwähnt, dass sich ein Mann namens Löw bei ihm gemeldet habe, um sich nach einem Mann namens Tasci zu erkundigen - wenn man weiß, dass es sich bei diesem Tasci um Vehs Lieblingsspieler handelt, dann kann man sich denken, dass Veh seinem Verteidiger nur das Beste nachgesagt hat.
Serdar Tasci, 21, dürfte also dabei sein gegen Belgien, das ist im Grunde keine spektakuläre Nachricht. Per Mertesacker ist verletzt, so viele moderne Verteidiger gibt es nicht im Vorstopper-Land, und die politische Dimension hinter dieser Personalie ist auch längst Routine. In dieser deutschen Elf, deren Akteure in Rio, Gliwice und Locarno geboren sind, ist es keine Sensation mehr, wenn ein Sohn türkischer Eltern ins DFB-Hemd schlüpft, zumal der Sohn türkischer Eltern in Esslingen am Neckar geboren ist.
Das Besondere an Tascis Geschichte aber ist, dass sie eigentlich seit knapp zwei Jahren keine Geschichte mehr sein dürfte. Im Oktober 2006 saß er bei der deutschen U21 auf der Ersatzbank, und hätte er nur eine einzige Sekunde gespielt, hätte Deutschland ihn sicher gehabt - es war ein Pflichtspiel, was nach Fifa-Regularien einen Einsatz für ein anderes Land ausgeschlossen hätte.
VfB-Manager Heldt hatte in Gesprächen mit U-21-Trainer Dieter Eilts extra nochmal darauf hingewiesen und er hat sich dann doch sehr gewundert, als Eilts die Jungprofis Freis und Dum einwechselte und die dritte Wechseloption verfallen ließ. "Fahrlässig" nannte Heldt das damals angesichts der Tatsache, dass sich Tasci mit der Entscheidung "Deutschland oder Türkei" lange gequält hatte.
"Man hätte das damals nur festzurren müssen", sagt Horst Heldt heute. Dem Spieler wären zwei unruhige Jahre erspart geblieben, "denn die Türken geben richtig Gas", sagt Heldt, "bis heute versuchen sie permanent, ihn zu beeinflussen und umzustimmen." Unpraktischerweise hat Tasci ein Jahr voller kleiner, gemeiner Blessuren hinter sich, weshalb er es zwar einmal auf die Bank von Löws A-Elf schaffte, ansonsten aber ohne DFB-Einsatz blieb.
Vor der EM hat der türkische Verband auf ausdrücklichen Wunsch von Trainer Terim sein Werben verschärft, aber praktischerweise zerrte sich Tasci im Mai kurz vor einer Länderspiel-Einladung die Adduktoren - "sonst hätte ich mir die Sache schon zweimal überlegt", räumte Tasci gerade ein. Beinahe hätte er, der sich schon für Deutschland entschieden hatte, bei der EM gegen Deutschland gespielt.
Zurzeit strotzt Serdar Tasci wieder vor Gesundheit, "er ist jetzt wieder so gut wie im Meisterjahr", sagt Horst Heldt, der sich gut vorstellen kann, "dass der Bundestrainer ihn gegen Belgien einwechselt".
- FC Bayern München So fest wie eine Quarkspeise 11.08.2008
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(SZ vom 12.08.2008)
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
Diese Nachricht freut mich mal richtig :-)
"ob man sich in seiner rolle zwischen den welten gefaellt ist nun echt nicht die Frage wenn man nicht die wahl hat zu entscheiden ob man zwischen den welten steckt. Es geht so millionen menschen in der ganzen welt. sie leben in einer "zwischen" existenz und muessen es so gut wie es eben geht meistern. das kann auch fuer einen deutschen der langfristig im ausland lebt gelten (so wie ich)."
Sie leben also als Deutscher unfreiwillig seit Jahren im Ausland?
ob man sich in seiner rolle zwischen den welten gefaellt ist nun echt nicht die Frage wenn man nicht die wahl hat zu entscheiden ob man zwischen den welten steckt. Es geht so millionen menschen in der ganzen welt. sie leben in einer "zwischen" existenz und muessen es so gut wie es eben geht meistern. das kann auch fuer einen deutschen der langfristig im ausland lebt gelten (so wie ich). das ist natuerlich sehr schwer zu verstehen fuer denjenigen, der sich nicht arrangieren muss mit zweit Kulturen. sowas geht nicht so einfach und dann gibt es laender in denen sowas noch viel schlechter geht als in anderen und deutschland gehaert ganz klar dazu. also, nicht alle verantwortung auf den einzelnen schieben wenn das problam ein kollektives ist. gruss
Der taktische Gedankenaussetzer des Dieter Eilts hat immerhin noch ein Gutes:
der Spieler wird doppelt auf die Probe gestellt, ob er denn wirklich ein Teil unseres Landes sein will, oder eben nicht. Falls er das durchzieht, hat er meine Glückwünsche und Respekt! Es kann doch nicht angehn, dass junge (Deutsch-)Türken sich SELBST als Fremdkörper in der Gesellschaft positionieren WOLLEN. Teilweise gefallen sie sich regelrecht in ihrer Sonderrolle zwischen den Welten. Das ist aber nur vordergründig im Interesse der Einwanderer; in Wahrheit sorgt diese Spaltung nur für Frust auf beiden Seiten.
Auf jeden Fall ist es eine tolle Sache, dass ein türklischstämmiger Deutscher die NAtionalelf vermutlich bereichert und zugleich etwas für das Identitätsgefühl der teilweise "selbstisolierten" Deutschtürken tut.