Neuer Zwist in der Nationalelf: Kapitän Ballack wundert sich öffentlich über den Bundestrainer - wegen Frings, Hierarchiefragen und des neuen Konkurrenzdenkens. Und der Bundestrainer wundert sich zurück.

Bundestrainer Joachim Löw hat die Kritik von Michael Ballack an seiner Personalpolitik zurückgewiesen. "Von den Aussagen von Michael Ballack bin ich total überrascht. Dass er nun über die Medien solch kritischen Töne äußert, verwundert und enttäuscht mich", sagte Löw in einer vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Dienstag verbreiteten Stellungnahme. "Als Kapitän ist er ein wichtiger Ansprechpartner für mich und daran wird sich auch nichts ändern. Aber die Aufstellung und die Personalpolitik ist in letzter Konsequenz die Entscheidung von mir und meinem Trainerteam."

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Michael Ballack wundert sich über Bundestrainer Joachim Löw. (© Foto: ddp)

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Kapitän Michael Ballack hatte sich vehement für seinen Nationalmannschafts-Kollegen Torsten Frings eingesetzt und dabei Bundestrainer Joachim Löw indirekt kritisiert. Er wisse nicht, ob der Bundestrainer Frings schon abgeschrieben habe, "aber wenn man einen nicht mehr will, sollte man das ehrlich ansprechen", sagte Ballack der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Mittwochsausgabe).

"Respekt und Loyalität ist doch das Wenigste, was man als verdienter Nationalspieler erwarten kann. Ich denke da auch an den einen oder anderen Fall aus der Vergangenheit - zum Beispiel Oliver Kahn. Es war ein Konkurrenzkampf mit Jens Lehmann ausgegeben worden, den er in meinen Augen nie gewinnen konnte. Oder bei Christian Wörns, der im Gegensatz zu Christoph Metzelder im selben Verein spielte und nicht auf der Bank saß", meinte der Mittelfeldspieler des FC Chelsea.

Ballack verteidigt Frings

Er frage sich, so Ballack, ob es in der Vergangenheit in der Nationalelf Fälle gegeben habe, bei denen das Leistungsprinzip nicht angewendet worden sei und kritisierte die aktuelle "Form des Konkurrenzkampfes nach einer erfolgreichen Europameisterschaft, dass gestandene Leistungsträger wie Torsten Frings, Miroslav Klose und auch ich plötzlich in Frage gestellt und öffentlich angegriffen werden."

Vor allem denke er an Frings, der zuletzt in den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland und Wales für Löw nicht mehr erste Wahl war. "Er war und ist Stammspieler, einer, der im Verein regelmäßig auf hohem Niveau spielt und dies vor allem auch in der Champions League zeigt." Er hoffe, Frings werde nicht zu einer "Entscheidung verleitet, die Torsten und viele andere später bereuen werden."

Im Falle Kevin Kuranyi bezeichnete Ballack das Verschwinden des Schalkers aus dem Stadion während des Russland-Spiels als "nicht akzeptabel". Aber er könne dessen Frust gut verstehen. "Er sah doch, dass es für ihn schwer wird, obwohl er Jahr für Jahr Champions League spielt und seit Jahren Stammspieler bei einem Bundesliga-Spitzenklub ist. Er hat in wichtigen Spielen für den Klub und für die Nationalmannschaft bewiesen, dass er Tore machen kann. Das alles sind doch wichtige Kriterien für die Nationalmannschaft. Wo kommen wir denn hin, wenn das nicht mehr zählt?", meinte Ballack.

Er warnte ausdrücklich mit Blick auf das Vorrunden-Aus bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden, bei der er als junger Spieler dabei gewesen sei und beobachtet habe, "wie eine Mannschaft mit guten Fußballern nicht funktionierte, weil die Hierarchie nicht stimmte. Man sollte vorsichtig sein, Spieler in eine Position zu drängen. Ich will mit dieser Mannschaft Weltmeister werden. Und das ist möglich."

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(sueddeutsche.de/sid/dpa/aum)