Er hält sich schon lange für Nummer-eins-berechtigt: Mit der Nominierung von Robert Enke für das Belgien-Spiel beginnt im deutschen Nationaltor eine neue Ära.
Faryd Mondragon kann wieder hoffen. Auch Rowen und Dani Fernandez sind offenbar noch nicht abgeschrieben, aber natürlich ist es ein kleiner Nachteil für die drei, dass vor einem Einsatz für den DFB noch ein paar Verhandlungen mit der Fifa anstünden. Denn leider haben die Torhüter aus Köln, Bielefeld und Bochum schon Länderspiele für andere Verbände bestritten, für Kolumbien, Südafrika und Portugal, weshalb es doch nichts werden wird mit der Lehmann-Nachfolge. Wahrscheinlich darf man Andreas Köpke also nicht ganz beim Wort nehmen, wenn er sagt, "dass das DFB-Tor für alle Torhüter der Bundesliga offen steht". Ausländer sind dabei eher nicht gemeint und vermutlich auch nicht Keeper wie Tremmel und Heimeroth, die, weil deutschen Ursprungs, nach Köpkes Definition theoretisch hoffnungsberechtigt wären.
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Robert Enke wird am Mittwoch beim Testspiel gegen Belgien im Tor stehen. (© Foto: AP)
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Der Zweikampf Kahn/Lehmann
Vor dem Test gegen Belgien (Nürnberg, Mittwoch, 21 Uhr) ist eine Torwartdebatte entbrannt, wie sie das Torwartland Deutschland noch nie erlebt hat. Wenn die Torhüter der neuen dritten Profiliga nicht aufpassen, werden sie vielleicht auch noch hineingezogen in den lustigen Kampf um Deutschlands heiligste Position, die nach Aussagen des DFB-Bereichsleiters Tor "im Moment vakant ist" - auch wenn die EM-Teilnehmer Enke und Adler "mit kleinen Bonuspunkten starten". Dieses Bekenntnis zum Konkurrenzkampf ist ein Relikt aus den Zeiten Jürgen Klinsmanns, der den Zweikampf Kahn/Lehmann ausdrücklich für leistungsfördernd hielt. Sein Nachfolger Joachim Löw hat zuletzt fast alle Torhüter ins Spiel gebracht, die ihm eingefallen sind, darunter Roman Weidenfeller, der verletzungsbedingt ziemlich lang kein Tor mehr gehütet hatte.
Ein bisschen aufgesetzt wirkt dieser Konkurrenzkampf manchmal, und das Bizarre ist vor allem, dass aus dem Siebenkampf (Enke, Adler, Neuer, Hildebrand, Wiese, Weidenfeller, Rensing) inzwischen fast eine Solonummer geworden ist. Ein kompliziertes Konstellationsgeflecht aus Verletzungen (Adler, Neuer) und gegenseitigen Verstimmungen (Hildebrand) hat den Hannoveraner Robert Enke, 30, in eine verführerische Ausgangsposition gebracht. Er wird gegen Belgien sein zweites Länderspiel absolvieren, und wenn die DFB-Elf im September mit den Spielen in Liechtenstein und Finnland den Qualifikationsbetrieb für die WM 2010 aufnimmt, werden die verletzten Rene Adler, 23, und Manuel Neuer, 22, immer noch vom Sport befreit sein. "Robert hat es jetzt selbst in der Hand", sagt Köpke.
Sollte Enke dreimal glänzen (was gegen Liechtenstein eine Herausforderung werden dürfte), müssten einem schon recht gute Argumente einfallen, um ausgerechnet beim folgenden Qualifikationsspiel gegen den härtesten Rivalen Russland einen neuen Keeper auszuprobieren. "Wenn die Möglichkeit bestehen sollte, mal zwei, drei Spiele am Stück zu machen, ist das die Chance, die man nutzen muss", sagte Enke.
Kein Platz für Hildebrand
In dieser Pressekonferenz fiel kein Satz, von dem man wochenlang reden wird, es gab keine Geste, keine Miene, die das Fernsehen für den Jahresrückblick bunkern könnte. Und doch war es eine historische Pressekonferenz: Sie markierte das Ende der Exzentriker-Ära im deutschen Tor. Ein Jahrzehnt musste man miterleben, wie Kahn mit scharfkantigem Blick über Druck philosophierte und Lehmann intelligente Vorführungen mit grotesken Egoshows wild durcheinander warf. Nun saß da vorne ein sehr gelassener, sehr souveräner Robert Enke, dem es auf bemerkenswerte Weise gelang, offensive und defensive Rhetorik zu mischen.
Er hat schon gesagt, dass er sich für Nummer-eins-berechtigt hält, aber er ist dabei weder zu devot noch zu laut gewesen. Er weiß, dass er jenes topmoderne Torwartspiel im Repertoire hat, das sie sehen wollen beim DFB, aber er weiß auch, dass sie ihn nicht so einfach zur Nummer eins erklären werden. Löw und Köpke wollen keine vorschnellen Urteile fällen, sie wollen schon auf Adler und Neuer warten. "Es kann schnell gehen mit der neuen Nummer eins, es kann aber auch ein bisschen dauern", sagte Köpke. "Sobald wir von einem Kandidaten überzeugt sind, werden wir es bekannt geben und ihm bedingungslos den Rücken stärken."
Timo Hildebrand wird diese zuvorkommende Behandlung voraussichtlich nicht mehr erleben dürfen beim DFB. "Einige Aussagen von Timo nach der EM haben uns überhaupt nicht gefallen", sagte Köpke und verwies auf ein "zeitnahes Gespräch darüber, wie es eine Rückkehr für Timo geben könnte". Das klang nicht so, als ob sie ihm einen prominenten Platz in ihrem Herzen oder zumindest in ihrem Kader reserviert hätten. Im DFB-Ranking hat ihn die jüngere Generation (Adler, Neuer) längst überholt, auch die Angehörigen derselben Generation (Enke) sind an ihm vorbeigewachsen. Jahrelang wiesen die Nachschlagewerke für Enke eine Größe von 1,85 m aus, und vor kurzem hat Enke schüchtern darauf hingewiesen, dass er eigentlich 1,86 m misst. Selbst das war noch bescheiden: "Denn eigentlich", sagt Enke, "bin ich einssechundachtzigeinhalb."
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 19.08.2008/mb)
Bergkirchweih in Erlangen
Hi leute,
haltet mal den ball flach! Die situation ist doch wirklich gut, etliche geeignette kandidaten, sogar aus der weltstadt an der leine. Als bremer müste ich jetzt ja für unseren timi argumentieren,aber der enke ist schon solide und hat seine chance verdient.
Ihn nur wg seines graupenvereins nicht aufstellen zu wollen ist in einem land das mit andi köpke vom dauerabstiegskandidaten an der noris,gute erfahrungen hat nicht angesagt.
Zu recht!
Lediglich diejenigen, die jetzt rensing fordern, kann ich nicht verstehen. Der hat noch keine halbe saison gespielt und selbst bei dunkelroter brille kann die linse nicht so trübe sein...
By the way,kann mir hier im amiland schön die rübe zudröhnen und dann frühmorgens
die besten komentare schreiben,ohne der zensur zum opfer zu fallen.
In dem sinne, nen schöne tach noch!
Ihr Denkanstoss hat durchaus etwas für sich. Allerdings denke ich, dass sich auch in der Nationalelf (im Verein sowieso) die Hintermannschaft und der Torwart abstimmen und zueinanderfinden müssen. Wenn der Torwart dauernd/öfter wechseln würde, wäre das nicht gegeben. In Hinblick auf Tuniere schonmal gar nicht.
Wenn ich nach persönlichem Gusto gehe, würde ich mich für (einen gesunden) Rene Adler entscheiden. Letztendlich denke ich aber, dass wir auf der Position eh nicht viel falsch machen können. Wir könnten ja auch die Nummer 4 für ein paar Millionen nach England verkaufen, die würden sich freuen ;)
sie sind so lustig wie die gesunde Gesichtsfarbe ihres Namensvetters.
Wie, was, Land der Dichter und Denker? Madame de Staël kam zu dieser Einschätzung nach Treffen mit Wieland, Schiller, Goethe, Schlegel und was weiss ich wem noch. Die Herren waren keine Sportreporter und Fußball war nicht ganz so wichtig in Weimar. Naja, ist es wohl jetzt auch nicht. Insgesamt ist es eben leider so, oder manchmal auch zum Glück, dass die Dichter dichten, die Denker denken, die Fußballer fußballern, die Politiker Politik machen, Sportjournalisten mit kreativen Neologismen zu begeistern wissen und Leute wie Du und ich, wortwörtlich, zu allem eine Meinung haben und diese frohen Mutes kundtun.
Schlimm wir das erst, wenn Fußballer kommentieren und Klinsmann Trainer ist. Löw ist nicht Klinsmann (ein Satz direkt aus dem sportjournalistischen Phrasenbuch), Enke ist nicht Adler und Kahn war nicht Lehmann. Was will ich damit sagen? Gar nichts. In bester Kommentatoren- und Sportjournalistentradition.
Jetzt bring mir aber bitte mal einer einen Sportpsychologen, einen echten, nicht einen vom "Kicker". Was mir nämlich nicht so ganz erklärbar erscheint, ist weshalb wir diese Nummer-1-Diskussion dauernd führen. Ist doch jedem bekannt, dass es einige hervorragende Torhüter zur Auswahl gibt. Warum bitte muss davon ein einziger die einzige Nummer 1 sein? Mann kann da nicht drei erstklassige Leute für den Job haben, die in ihrer Spielanlage ähnlich sind und wer grad besser drauf ist, der spielt. Wäre das so ungeheuer neu und schlimm und unrealisierbar?
Die Diskussion haben wir ja sowieso immer, egal wer als 1 gesetzt ist. Kommt ein mittelmäßiges Spiel, dann geht's doch schon wieder los. Also was soll's? Wenn die Konkurrenz tatsächlich die Leistung steigert, dann wäre das doch die bessere Idee, oder was spricht so laut und deutlich dagegen? Ich kapier's nicht, aber ich bin ja auch kein Dichter und Denker.
Es ist gefährlich, dauernd den vergangenen großen Zeit nachzutrauern. Das bringt uns im hier und heute nicht weiter. Kahn war ohne Zweifel der beste Torwarte den wir je hatten und vielleicht auch je haben werden. Aber er wird nicht mehr zurückkommen. Da können Sie so viele UGA UGA machen wie sie wollen.
Warum sollen wir Adler vergessen? Er ist doch noch kein Sportinvalide oder?
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